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Wald in St. Ingbert als Erholungsort in Corona-Zeiten

Im St. Ingberter Wald : Gesunder Luftcocktail für die Stärkung des Immunsystems

Der Wald vor unserer Haustür steht uns allen offen. Doch auch dort gelten die Abstandsregeln und Versammlungsverbote, wie sie in Corona-Zeiten empfohlen werden.

Dass Wald wegen der Nutzung seines Holzes nicht nur ein Wirtschaftsfaktor ist, sondern vor allem die grüne Lunge Deutschlands, wird in diesen Tagen besonders deutlich. In Zeiten, wo es wegen der Ansteckungsgefahr mit dem neuartigen Coronavirus Ausgangsbeschränkungen für alle gibt, man sich laut Empfehlung am besten zuhause aufhalten soll oder im Freien nur im Familienverband oder in Zweiergruppen, hat der Wald eine besondere Stellung im „System“. Und speziell die Saarländer mit ihren kurzen Wegen können sich glücklich schätzen, denn die meisten müssen nicht weit laufen oder fahren, um ins nächste Revier zu kommen und dort Kraft für den Alltag zu tanken.

Gerade im Frühjahr, wo pflanzliche Waldbewohner wie Buschwindröschen, Huflattich, Pestwurz und Co. ihre farbigen Köpfe aus dem Boden stecken, „ruft“ der Wald seine Liebhaber ziemlich laut und fordert sie zu einem Besuch auf. Gerade jetzt wird den meisten bewusst, wie wichtig der Wald mit seiner Vielfalt für die Erholung und das Wohlbefinden ist. Und das gilt nicht nur für diejenigen, deren Hunde das beim Gassigehen schon längst erkannt haben. „Der Wald lädt uns bei diesem kaiserlichen Frühlingswetter dazu ein, tief in ihn einzutauchen und für sich selbst etwas Gutes zu tun“, sagt einer, der es von Berufs wegen wissen muss. Michael Weber ist Revierleiter in St. Ingbert-Süd und liebt seinen Arbeitsplatz im Freien. Auch er und seine Familie halten derzeit Abstand zu Freunden und Bekannten, die Kinder halten sich fern von Freunden und Nachbarskindern. Aber den Gang in den Wald genießen sie alle. Weber schätzt die Möglichkeiten, die der „Abenteuerspielplatz Wald“ für die Freizeitgestaltung mit den Kleinsten bietet und hat gleich ein paar Tipps parat: „Begegnet dem ,Lagerkoller‘ daheim und baut doch mal ein Tipi mit Hölzern, die ihr findet, und bedeckt es mit Laub.“ Budenbauen hieß das bei uns früher und wer dann noch mit Lupe und Buch „bewaffnet“ in dieses besondere Ökosystem eintauchen kann, hat nicht nur was für sein Wissen getan, sondern vor allem für die Seele. Es geht darum, diese einfach mal baumeln zu lassen, sich aber auch Bewegung und Ablenkung zu verschaffen in Zeiten, wo das Virus uns zumindest medial voll im Griff hat.

Michael Weber der nicht nur Revierleiter im SaarForst-Landesbetrieb, sondern auch Vorsitzender des Bundes Deutscher Forstleute Saar (BDF) ist, befürwortet und unterstützt die „Einladung der Natur“. Er sagt: „Solange wir keinen Impfstoff gegen das Corona-Virus zur Verfügung haben, ist ein intaktes Immunsystem unsere beste und einzige Verteidigung, das Virus zu unterdrücken. Wald wirkt auch beruhigend auf unsere Psyche und lässt uns unsere eigene ,wilde‘ Herkunft in Echtzeit spüren. Gerade im Frühling versprüht der Wald besonders viele Duftstoffe, die sogenannten Terpene, womit die Pflanzenwelt im Wald kommuniziert. Und diese haben auch auf uns Menschen eine besonders positive Wirkung.“

Dem Förster geht das Herz auf, wenn er seinen Arbeitsplatz mit den vielen Gerüchen, Geräuschen und Gratis-Erlebnissen betritt. Wegen der Ausgangsregelungen und dem verstärkten Home-Office würden derzeit mehr Menschen den Wald aufsuchen. Diese seien diszipliniert, würden sich an die Abstandsregelungen halten, seien in Zweiergruppen unterwegs oder in Familie. Während der Hund auch „abseits“ von Corona an der Leine bleiben sollte, zumal bald die Brut- und Setzzeit beginne, könnten sich Jogger, Spaziergänger und die Hundehalter selbst frei im Wald bewegen. Nur Fahrradfahrer dürften die gekennzeichneten Wege nicht verlassen.

Im St. Ingberter Wald ist Platz für alle Erholungssuchenden und für jene, die jetzt einfach mal aus den eigenen vier Wänden raus müssen. Foto: Cornelia Jung
Blumenläden haben derzeit geschlossen, aber die Natur bietet ihre Blütenpracht gratis an. Diese Buschwindröschen begrüßen die Waldbesucher als erste Frühlingsboten in der Natur. Foto: Cornelia Jung

Ein großes Problem sei immer wieder das Hinterlassen von Müll, weshalb Weber dazu aufruft, alles wieder aus dem Wald mit nach Hause zu nehmen, was in ihn hineingetragen wurde. Die „Königsdisziplin“ sei es aus seiner Sicht, wenn man auch mal etwas aufhebt und mitnimmt, was jemand anders achtlos weggeworfen hat. Vielerorts bewegen sich die Menschen gerade jetzt bewusster in ihrer Umwelt und gehen auch mit offenen Augen durch den Wald. So auch die Hoffnung von Förster Weber: „Vielleicht sehen die Menschen auch noch einmal mehr unsere doch sehr aufwändige Arbeit im Wald und bemerken, dass wir Försterinnen und Förster immer ein Gleichgewicht der verschiedensten Interessen im Wald bewahren müssen. Im Übrigen, auch die Geburt des Klopapiers liegt im Wald.“ Während er das sagt, schmunzelt er, und meint es doch ernst. Bedarf es ja einer Menge Arbeit, bis aus einem harten Baum das so begehrte weiche Papier wird. Und was empfiehlt der Naturliebhaber in Zeiten des Abstandgebots zu anderen Menschen außerdem? „Auch wenn es seltsam klingt, vielleicht tut es gerade jetzt gut, auch mal einen Baum zu umarmen. Schaden tut es sicherlich nicht, denn der Wald kennt kein Corona.“