Wahlnachlese in St. Ingbert aus Sicht der Wahlhelfer

Wahlnachlese in St. Ingbert : Wahlhelfer mit reichlich Schweiß auf der Stirn

Warum diesmal die Stimmenauszählung länger dauerte als je zuvor: die SZ im Gespräch mit zwei „alten Wahl-Hasen“.

„Doo machschde was mit.“ Dieser Satz könnte über dem vergangenen Sonntag thronen, der in St. Ingbert 352 Wahlhelfer und deren Strapazierfähigkeit auf die Probe stellte. Aber: die meisten von ihnen – Routiniers – gerieten nicht oder kaum in Wallung ob der großen Herausforderungen und hatten noch tags darauf ein fröhliches Lächeln zu bieten. Zwei „alte Hasen“ im Dienste der Demokratie, das sind der Wahl-Organisator Thomas Schöben, der seinen Job seit 32 Jahren versieht, und Christiane Heib. Am 26. Mai war sie als Wahlvorstand im Briefwahlbezirk 3 (Ortsteile) tätig. Die Frau, die sich kurz vor dem Ruhestand befindet und Gelassenheit ausstrahlt, hat, wie sie erzählt, in 45 Jahren im St. Ingberter Rathaus noch nicht eine einzige Wahl verpasst. Und deshalb sei sie auch „selten mit etwas überfordert“.

Andere wiederum kämpften am Wahlsonntag mit mehr oder weniger lustigen Vorkommnissen. Im Gespräch mit der SZ gehen Heib und Schöben auf die kleinen und großen Hindernisse der Mammut-Wahl ein, die diesmal mehr Zeit in Anspruch nahm als je zuvor. Nehmen wir beispielsweise mal den Europa-Wahlzettel her. Der ist knapp ein Meter lang und wurde ob seiner Ausmaße bei der Auszählung der Stimmen nach 18 Uhr aus praktischen Gründen gern auch mal über eine Stuhllehne gehängt. Denn manchmal machte er sich – mit seinen 40 Parteien und politischen Vereinigungen – auf den Tischen selbstständig und geriet ins Rutschen, woraufhin der ein oder andere Wahlhelfer ihn wieder am Boden einsammeln musste.

Was wiederum die Briefwahl angeht, so gab es diesmal einen regelrechten Boom. Von 29 634 wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürgern bevorzugten 6243 Männer und Frauen diese Art der Stimmabgabe. Das heißt: Unzählige Umschläge öffnen. Nicht eben erquicklich, wenn der Brieföffner sich seinen beschwerlichen Weg bahnen muss durch reichlich verwendetes Klebeband, das die Papiere mit den Kreuzchen zuverlässig zusammenhielt. Mancher Wähler liebt’s eben gründlich. Und wenn der Teufel schon mal im Detail steckt, so doch vornehmlich bei den fünf verschiedenfarbigen Wahlzetteln, die in wiederum farblich zugeordnete Umschläge gehörten. Mit dieser Vorgabe klappte es aber längst nicht immer. „Die Bürger waren da großteils überfordert“, meinte zu diesem Thema verständnisvoll Christiane Heib, die auch noch einen ganz wichtigen Aspekt erwähnt: die dringend erforderlichen, aber in einigen Fällen fehlenden Unterschriften der Briefwähler.

Solche Dinge erschwerten ein ums andere Mal die Arbeit der Helfer in den Wahllokalen. Bei so viel Papier nebst zu beachtenden Feinheiten schleicht sich die Furcht vor Fehlern ein. Und so werden in einigen Fällen mehrmals die Ergebnisse überprüft, bis alles stimmt. Denn sich verzählen – das geht auf gar keinen Fall. All dies und anderes mehr führte dazu, dass die Auszählung am Abend sich diesmal ein bisschen hingezogen hat. So war etwa die OB-Wahl, die mit der Stichwahl am Pfingstsonntag ihre Fortsetzung findet, um 21.36 Uhr vorbei.

Christina Heib und Thomas Schöben im Rathaus vor einem Teil der Wahlboxen, die am vergangenen Sonntag zum Einsatz kamen.  . Foto: Michele Hartmann

Thomas Schöben jedenfalls – nachdem alle Ergebnisse bis hin zum Ortsrat feststanden – schnürte um 0.34 Uhr sein Bündel und machte sich auf den Heimweg. Die Stichwahl am 9. Juni? Für ihn und seine Mitstreiter einfach ein Klacks.

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