Kirchen in St. Ingbert Vorsicht und Rücksichtnahme sind gefragt

St. Ingbert · Der St. Ingberter Pfarrer Daniel Zamilski ist in einer Zwickmühle. Einerseits freut er sich auf den ersten Gottesdienst nach den Ausgangsbeschränkungen, andererseits kann er sich diesen kaum unter den aktuell geltenden Hygienemaßnahmen vorstellen.

 In Kürze wieder in St. Josef stattfindende Gottesdienste wird es nur mit strengen Hygieneauflagen geben, unter anderem mit Mundschutz und Händedesinfektion.

In Kürze wieder in St. Josef stattfindende Gottesdienste wird es nur mit strengen Hygieneauflagen geben, unter anderem mit Mundschutz und Händedesinfektion.

Foto: Cornelia Jung

Eigentlich gibt es schon seit dem 3. Mai wieder die Möglichkeit, offiziell zu Gottesdiensten in die Kirche zu laden, die einige Gemeinden auch schon ergriffen haben. Doch solch eine Zusammenkunft muss im Vorfeld reichlich durchdacht sein, damit eine Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus gegen Null tendiert. Pfarrer Daniel Zamilski spricht von großen privaten und beruflichen Herausforderungen, vor denen die Gemeinde, die Pfarrgremien und er selbst als Pfarrer der Pfarrei Heiliger Ingobertus in den vergangenen Wochen standen. Trotz täglicher Impulse im Internet, einer funktionierenden Seelsorge per Telefon oder virtuellen Treffen im Internet, blieb der Schmerz, dass es nicht möglich sei, gemeinsam zu feiern.

Gerade an Ostern haben das viele Christen vermisst. Noch mag niemand in St. Ingbert einen Termin für einen ersten Gottesdienst „nach Corona“ nennen, auch wenn Pfingsten als Termin für einen ökumenischen Gottesdienstes sehr wahrscheinlich ist. Noch gibt es aber mehr Fragezeichen als Klarheiten.

So müssen viele Dinge geregelt werden, denn das von Speyer und der Landesregierung ausgearbeitete Schutzkonzept ist streng. „Die Hygiene- und Sicherheitsauflagen sind sehr hoch und haben starke Auswirkungen auf die Art und Weise des Feierns“, heißt es dann auch in einer Formulierung der Pfarrei Heiliger Ingobertus an die Presse. So wird eine Teilnahme am Gottesdienst nur für eine begrenzte Anzahl St. Ingberter und dann auch nur nach vorheriger telefonischer Anmeldung möglich sein. „Und da sind wir mit St. Josef noch bevorzugt, weil wir eine große Kirche haben“, so Zamilski.

Wenn es aber bei den Abstandsregelungen bleibt, können auch dort lediglich 120 Gläubige gleichzeitig anwesend sein. In den Regelungen für die Zusammenkünfte in den Gotteshäusern steht außerdem, dass „Menschen, die zu einer der Risikogruppe gehören, aus Gründen des Eigenschutzes nicht an den Gottesdiensten teilnehmen“ sollten. „Jesus hat sich für die Kranken und Schwachen eingesetzt, und dann darf nur ein kleiner exklusiver Kreis, die Starken und Gesunden, kommen? Ausgerechnet diejenigen, die das am meisten vermissen, sollen nicht kommen? Ist eine würdige und angemessene Feier unter diesen Bedingungen überhaupt möglich? Und wenn jeder auf Abstand geht, wird der Sinn des Gottesdienstes, der für Gemeinschaft steht, konterkariert“, wirft der Pfarrer alle Bedenken „in den Ring“.

Und was ist, wenn sich trotz aller Vorsicht jemand in der Kirche ansteckt? Aktuell scheint der Fragenkatalog länger zu sein als die Liste mit Antworten. Und da in der Kirche Mund-Nasen-Maskenpflicht vorgeschrieben ist, sieht es auch mit erkennbaren Emotionen schlecht aus. „Ich bin da noch zögerlich. Bei einer Messe steht die Gemeinschaft im Vordergrund. Wenn das nicht mehr erfahrbar ist, wird das eine seltsame Feier. Eine Kommunion mit Mundschutz kann ich mir nur schwer vorstellen. Da ist man sicher auch als Zelebrant unsicher und aufgeregt“, sagt der St. Ingberter Pfarrer. Und doch werden er, seine Kollegen, die Pfarrgremien und die Gläubigen in absehbarer Zeit diese Herausforderung annehmen.

Zamilski bittet um Geduld: „Bitte rufen Sie nicht im Pfarrbüro an. Wir werden zu gegebener Zeit in den Pfarr- und Gemeindebriefen, auf der Homepage und in der Presse über das Prozedere informieren.“ Aussagen über eine genauen Gottesdiensttermin ließen sich sowieso nur treffen, wenn alle relevanten Fragen geklärt sind und die entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen getroffen wurden. Wenn es soweit ist, wird nichts mehr so sein wie vor Corona. So wird es zum Gottesdienst Einlasskontrollen geben, die Hände sind im Eingangsbereich zu desinfizieren, beim Kommen und Gehen gelten Einbahnregelungen und es dürfen nur die markierten Sitzplätze eingenommen werden. Mehr als ungewohnt wird auch der Verzicht auf den Gesang sein, „da ansonsten Aerosole weit verbreitet und das Infektionsrisiko erhöht würden“.

Schon jetzt sind die Weihwasserbecken leer und die Gesangsbücher weggeschlossen. Unabhängig von den Gottesdiensten. Und trotzdem sehne man sich aus ganzem Herzen nach ihnen. Nach den „richtigen Gottesdiensten“, die mit Liedern und einem Lächeln, das nicht durch Masken verdeckt ist, Mut machen und die Gemeinschaft spüren lassen. Bis es soweit ist, müssten aber noch viele Einschränkungen und eine reduzierte Anzahl der Gottesdienste in Kauf genommen werden, so Zamilski.

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