Vor den Pompfen auf der Hut

Eine Halbzeit dauert nur drei Minuten, trotzdem ist auch der Sportlichste außer Atem: Cool sei das Spiel bei den Jugger-Tagen, findet Markus Trick, der das Spektakel nach Rohrbach holte. Wetterbedingt geht der Wettbewerb in der Schulturnhalle am Wochenende weiter.

Jugendsekretär Markus Trick vom Christlichen Verein junger Männer (CVJM ) ist immer offen für Neues, wenn es darum geht, Kinder und Jugendliche in ihrer Freizeit sinnvoll und aktiv zu beschäftigen. Seit der Pfälzer vor mehr als drei Jahren nach St. Ingbert kam, hat er bereits eine Speed-Stacking-Gruppe ins Leben gerufen, mit anderen Akteuren das Open-Air-Kino in Rohrbach aus der Taufe gehoben und im Herbst 2015 die Jugger-Wettbewerbe gestartet, die auf große Resonanz stießen.

Bei dem bewegungsintensiven Sport muss das Ovale ins Runde befördert werden. Der ovale Ball, der etwas an einen Football erinnert und Jugg heißt, muss von zwei Mannschaften, die aus je fünf Spielern bestehen, ins jeweils gegnerische "Tor", das Mal, befördert werden. Es gibt pro Mannschaft je einen "Läufer" ohne Verteidigungsmittel, aber auch "Pompfer" mit einer Art gepolstertem Schlagstock, den Pompfen, sowie maximal einen "Kettenspieler" mit einem an einer Kette befindlichen Ball. Pompfer und Kettenspieler versuchen, mit ihren Utensilien die Spieler der anderen Mannschaft zu berühren, die dann eine kurze Auszeit nehmen müssen. "Das Spiel ist cool", so Markus Trick, der das Spiel beim Funsportbeauftragten des CVJM kennen lernte und es nach Rohrbach holte, wo sich für den Jugger-Tag am vergangenen Samstag 18 Kinder und Jugendliche anmeldeten. Die Jugger-Tage, die am nächsten Samstag, 30. April, von 14 bis 17 Uhr fortgesetzt werden, finden in Kooperation mit der Gemeinschaftsschule Rohrbach , in deren Turnhalle das Spiel wegen des schlechten Wetters vom Sportplatz verlegt wurde, mit der Stadt sowie dem Saarpfalz-Kreis statt. Die Schilde, Pompfe, Kettenbälle, der Jugg und das Mal wurden selbst gebaut. Obwohl die Halbzeit immer nur drei Minuten dauerte, waren selbst die Sportlichsten außer Atem. Temporeich ist das Spiel, das etwas von Football , Fechten, Ringen und Harry Potters Quidditch hat.

Als Spieler hat man seine Augen überall. Der eigene Läufer muss verteidigt werden und man selbst muss aufpassen, von den Pompfen nicht berührt zu werden. Denn der Berührte ist fünf Sekunden zum Nichtstun verdammt und der Jugg muss fallen gelassen werden.

Chance für anderes Team

Das ist dann die Chance für die andere Mannschaft. Als erste spielten am Samstag die "Mannschaft ohne Namen" und die "Zerstörer" gegeneinander. Auch wenn dieser Name Böses ahnen lässt, gehen die Spieler fair miteinander um. Hin und wieder wird ein Wort der Entschuldigung gerufen. Trotzdem gab es kleinere Blessuren, bei denen die Kühlakkus zum Einsatz kamen. Das Spiel wurde Ende der 80er Jahre von einem Regisseur für seinen recht blutrünstigen Film "Jugger - Kampf der Besten" erfunden. "Hier spielen umherziehende Mannschaften um ihren kargen Lebensunterhalt, viele mit dem Ziel vor Augen, einmal in die sagenumwobene Liga aufgenommen zu werden, in der, Gladiatorenwettkämpfen gleich, zur Belustigung der Wohlhabenden Wettkämpfe ausgetragen werden. Im Film wird äußerst brutal gespielt, so dass Knochenbrüche und Platzwunden die Regel sind. Das reale Spiel hingegen ist ungefährlich", heißt es in einem Internet-Eintrag. Seit 1998 wird das Spiel in Deutschland gespielt, es gibt mittlerweile sogar Bundesliga-Kämpfe. Die Spielidee überzeugte auch die Rohrbacher Jugger, die zeigten, dass aus einem ursprünglich martialischen Kampf ein alltagstauglicher Mannschaftssport werden kann.