Von den Kreuzzüge bis in die Gegenwart

Spannende Historie : Aus einem Kreuzfahrer-Hospital wird ein Ordensritter-Staat

Die Geschichte des Deutschordens war im Mittelalter auch eine kriegerische Geschichte. In Saarbrücken gibt es noch Spuren des Ordens.

Die Ursprünge des Deutschen Ordens gehen auf die Kreuzzüge zurück: Kaufleute aus Bremen und Lübeck gründeten um 1190, als während des Dritten Kreuzzugs im „Heiligen Land“ die Stadt Akkon von Kreuzfahrern belagert wurde, ein Feldhospital, betreut von einer Spitalgemeinschaft. Diese wurde 1199 in einen geistlichen Ritterorden umgewandelt, der auch Pilger beschützen sollte – der zunächst rein karitative Zweck wurde dadurch auch um militärische Ziele erweitert.

Der Orden gewann an Einfluss und hatte im Laufe der Zeit und von unterschiedlicher Dauer eine ganze Reihe von Niederlassungen in den Kreuzfahrer-Staaten (bis zum Fall der letzten Kreuzfahrer-Bastion Akkon 1291), im Mittelmeerraum, im Heiligen Römischen Reich und in Siebenbürgen. Im Bereich des heutigen Saarlandes gab es 1227 eine Schenkung der Grafen von Nassau-Saarbrücken an den Orden, auf dem Gelände entstand vermutlich zwischen 1236 und 1248 die noch heute erhaltene Deutschherrenkapelle, die damals auch als Hospital diente.

Nicht zuletzt beteiligte sich der Orden an der sogenannten Ostkolonisation – der Einwanderung deutschsprachiger Siedler während des Hochmittelalters in die östlichen Randgebiete des Heiligen Römischen Reiches. So konnte der Orden Ende des 13. Jahrhunderts in einem Teilbereich des späteren Preußens und bis ins Baltikum hinein einen eigenen, militärisch starken Staat gründen (in „Ostpreußen“, heute ein Teil Polens, sowie im Gebiet des heutigen Lettland und Estland): Der Deutschordensstaat war zur Zeit seiner größten Ausdehnung am Ende des 14 Jahrhunderts etwa 200 000 Quadratkilometer groß (zum Vergleich: Die Bundesrepublik ist knapp 360 000 Quadratkilometer groß). Zur damaligen Zeit ungewöhnlich: Kein Erb-König oder -Fürst war Staatsoberhaupt, sondern der vom Generalkapitel gewählte Ordens-Hochmeister. Hauptniederlassung war (nach Akkon und Venedig) ab 1309 die Marienburg (heute gehört sie zur polnischen Stadt Malbork / Marienburg), die Burganlage ist der größte Backsteinbau Europas und inzwischen Unesco-Weltkulturerbe.

Das Ende der weltlichen Macht des Ordens nahm seinen Anfang mit der Niederlage gegen die Polnisch-Litauische Union im Sommer 1410 in der Schlacht von Tannenberg, eine der größten Schlachten mittelalterlicher Ritterheere. Sie war Höhepunkt eines hundert Jahre schwelenden Konflikts wegen Gebietsstreitigkeiten zwischen dem Ordensstaat und dem Königreich Polen, der immer wieder zu militärischen Auseinandersetzungen geführt hatte. Es folgten langwierige Konflikte mit dem preußischen Adel. Schließlich wurde der verbliebene Ordensstaat im Zuge der Reformation säkularisiert (der damalige Hochmeister wurde 1525 Protestant) und zum weltlichen Herzogtum. Zu dieser Zeit residierte der Hochmeister, nachdem die Marienburg verloren war, bereits seit 1457 in Königsberg. Nach dem Verlust des Ordensstaates war von 1526 bis 1809 Mergentheim in Württemberg Sitz der Regierung des Ordens.

Der politische Einfluss des Ordens war nach Tannenberg und nach dem Ende des Ordensstaates geschwunden, es blieben große Grundbesitze innerhalb des „Heiligen römischen Reiches Deutscher Nation“, insbesondere in Süddeutschland und den Ländern der habsburgischen Krone. Teils später rückgängig gemachte Enteignungen gab es durch die Französische Revolution und Napoleon, zudem in Folge des Ersten Weltkriegs und durch die Nationalsozialisten komplett in Österreich. Zudem war der Adel nach dem Ersten Weltkrieg abgeschafft worden, der Deutsche Orden konnte also auch kein Ritterorden mehr sein – bis dahin mussten die Ordensritter über mindestens vier Generationen adeliger Abstammung sein. Der Orden wurde zum rein klerikalen Orden, das Institut der Ritter mit Gelübden, das den Orden Jahrhunderte geprägt hatte, lies man auslaufen (der letzte Ritter starb 1970), und der Brüderzweig wird heute zu den „regulierten Chorherren“, beziehungsweise zu „Regularkanonikern“ gezählt.

Die Deutschherrenkapelle in Saarbrücken. Das Gelände war eine Schenkung der Grafen von Nassau Saarbrücken an den Deutschen Orden, der hier einst auch ein Hospital betrieb. Foto: Traudel Brenner

Der Hauptsitz des Ordens ist seit 1809 das Deutschordenshaus in Wien. Verwaltungstechnisch unterteilt sich der Orden in die überwiegend unabhängig agierenden sechs Ordensprovinzen Deutschland, Österreich, Südtirol, Tschechien, Slowakei und Slowenien, zudem gibt es Familiaren des Ordens über die genannten Gebiete hinaus etwa auch in Sizilien und Belgien. Insgesamt hat der Orden heute rund 1100 Mitglieder, darunter 900 Familiaren.

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