Nacht der Kirchen: „Volles Haus“ in der Martin-Luther-Kirche

Nacht der Kirchen : „Volles Haus“ in der Martin-Luther-Kirche

Recht unterschiedliche Musik und Kabarett waren eine Mischung, die viele Gäste zur „Nacht der Kirchen“ in die Martin-Luther-Kirche lockte.

Die „Nacht der Kirchen“ ist ein fester Bestandteil des Jahresprogramms nicht nur der evangelischen Gemeinde geworden. Die St. Ingberter genießen es, ihr Gotteshaus mal anders zu erleben. Am Pfingstsonntag „war die Hütte voll“, könnte man salopp über die vielen Besucher in der Martin-Luther-Kirche sagen. Oder wie es eine Mitspielerin des Kabaretts „Wollläuse“ ausdrückte: „Ich bin erstaunt, dass es im Saarland so viele Sonntagskirchgänger gibt. Es wäre zu überlegen, ob man die Gottesdienste nicht generell auf den Abend verlegt.“ Aber Gottesdienste und solche kulturellen Veranstaltungen wie an Pfingsten sind nur bedingt vergleichbar.

Doch den Bogen zur Kirche und zum Glauben schlugen alle drei „Acts“. „LimBlech“ aus Limbach präsentierte moderne geistliche Lieder und Choräle. Es ist recht neues Bläserensemble, das sich vor dem Reformationsjubiläum 2017 zusammen gefunden hat. Bei der „Nacht der Kirchen“ waren sie demzufolge noch nie dabei, aber die Musiker fanden es „super“, genauso wie die Zuhörer, die die fünf Instrumentalisten nicht ohne eine Zugabe entließen. Sie hatten sich Stücke ausgesucht, die neben den Chorälen Werke von drei zeitgenössischen Komponisten beinhalteten. Michael Schütz lehrt in Berlin Popmusik, Richard Roblee kommt aus dem Jazzbereich, Traugott Fünfgeld, Bezirkskantor in Offenburg, schreibt viele Stücke für Posaunenchor. Sein Spiritual „Come and go“ war eingängig und deshalb als Zugabe eine gute Wahl. „Wir haben Musik ausgewählt, die gut hörbar ist“, so Wilhelm Meier von „LimBlech“, „die Choräle als traditionelle Kirchenlieder gehören hierher und auch die populäre Musik tut den Kirchen gut.“

Mit dem Kirchenkabarett „Wollläuse“ aus Iggelheim wurde es recht deftig und nicht jeder Besucher war einverstanden mit der überspitzten Darstellung von dem, was Martin Luther heute, 500 Jahre nach seiner Reformation, zu sehen bekäme. Bei einer gespielten Theologie-Prüfung wusste die Studentin nicht, wer Luther war, dafür kannte jeder die Merchandising-Produkte wie Luther-Kekse, Luther-Nudeln oder Luther-Luftballons. Das Niveau der Prüfung müsse gesenkt werden, hieß es dann. Szenenapplaus bekam ein „Pfarrer“, der im Zwiegespräch mit Luther feststellte: „Schuld bist du an alledem, Pfarrer sein war vor dir herrlich bequem.(...)Wenn du uns mit der Reformation verschont hättest, wäre ich jetzt katholisch und ein Star, stünde auf dem Hochaltar.“

Das mussten einige Besucher erstmal sacken lassen, doch der begeisterte Applaus zeigte, dass die meisten die Satire einzuordnen wussten. „Scheldeborn“, ein Mimbacher Ensemble, dass sich des Repertoires deutscher Liedermacher angenommen hat, lud mit Musik unter anderem von Reinhard Mey, Konstantin Wecker und Klaus Hoffmann zum Träumen und Nachdenken ein. Es wurde mitgeklatscht oder mitgesungen. Presbyterin Angelika Hauptmann war für die Auswahl des Programms zuständig und froh, dass es so gut ankam. Die „Wollläuse“ kannte sie nicht, eine Bekannte hatte eine Kabarettistin im Urlaub kennengelernt. Man engagierte sie vom Fleck weg. „Die sind schon beim Evangelischen Kirchentag aufgetreten. Die können nicht schlecht sein, habe ich mir gedacht“, so Hauptmann. Die drei Musiker von „Scheldeborn“ waren bekannt, „LimBlech“ hatte Hauptmann bei der „Nacht der Reformation“ gehört. Zusammen waren die drei Ensembles eine gute Mischung, die der „Nacht der Kirchen“ harmonische Würze und etwas Schärfe verliehen.