"Vollendet ist das große Werk"

St. Ingbert. "Vollendet ist das große Werk, der Schöpfer sieht's und freut sich", so klang es am vergangenen Samstagabend aus gut hundert Kehlen durch die wieder errichtete Josefskirche in St. Ingbert. Der Text war durchaus doppeldeutig: Ursprünglich brachte Haydns Librettist damit Gottes Zufriedenheit mit seiner Erschaffung der Welt zum Ausdruck

St. Ingbert. "Vollendet ist das große Werk, der Schöpfer sieht's und freut sich", so klang es am vergangenen Samstagabend aus gut hundert Kehlen durch die wieder errichtete Josefskirche in St. Ingbert. Der Text war durchaus doppeldeutig: Ursprünglich brachte Haydns Librettist damit Gottes Zufriedenheit mit seiner Erschaffung der Welt zum Ausdruck. Gleichzeitig hätte die Zeile auch gut auf Pfarrer Arno Vogt gepasst, dem die Freude über die von ihm vorangetriebene und gelungene Renovierung der Kirche nach wie vor ins Gesicht geschrieben steht.Ein üppig besetztes Orchester, die Solisten Anne Kathrin Fetik (Sopran), Jevgenij Taruntsov (Tenor) und Vinzenz Haab (Bass) sowie zwei Chöre hatten sich des Oratoriums angenommen. Dabei forderte Kantor Markus Schaubel, dem die Leitung oblag, die Chöre vor allem in ihrer voluminösen Kraft, verlangte ihnen aber auch Wendigkeit und Präzision ab. Christian von Blohn, der die Chöre mit einstudiert hatte, zauberte als begleitender Cembalist lautmalerische Akzente in die Rezitative, so beispielsweise zur Passage "Er schuf die Sterne gleichfalls". Text ausdeutende Pointen bereicherten auch Vinzenz Haabs Darstellung des Erzengels Raphael vor allem in der Nummer "Gleich öffnet sich der Erde Schoß". Zunächst als Erzengel Gabriel bezauberte Anne Kathrin Fetik mit virtuosen Koloraturen in der Arie "Der Herr ist groß", ehe sie dann als Eva gemeinsam mit Vinzenz Haab als Adam im dritten Teil des Oratoriums ein schönes erstes Menschenpaar bildete.

Opernhafte Elemente

Auch der Tenor zeigte sich den Anforderungen des Stückes stimmlich mehr als gewachsen, betonte jedoch die theatralischen und opernhaften Elemente seiner Partie als Uriel stärker, als man es von einem geistlichen Werk her gewohnt ist.

Eine Freude für die Zuhörer war außerdem das unter Schaubels souveränem Dirigat aufmerksam musizierende Orchester, zumal Haydn ihm auch längere Passagen ohne begleitenden Gesang anvertraute, so zum Beispiel die Darstellung des Sonnenaufgangs, die Erschaffung der verschiedenen Tiere und die Beschreibung des Tohuwabohu, ehe Gott aus dem Chaos einen Kosmos erschafft.

Für den begeisterten Applaus des Publikums dankte Markus Schaubel mit der Zugabe "Die Himmel erzählen die Ehre Gottes", das alle Beteiligten - Chor, Solisten und Orchester - noch einmal in voller Prachtentfaltung vereinigte. red

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