Verwirrte Winzer auf doppelter Hochzeit

Verwirrte Winzer auf doppelter Hochzeit

Gräfinthal. Wenn Theaterfreunde sich trotz frischer Abendtemperatur und leichten Nieselregens aufmachen, die Premiere eines Lustspiel-Klassikers von vor fast 90 Jahren anzusehen, soll das was heißen. So geschehen am Freitagabend, als auf der Gräfinthaler Naturbühne das Stück "Der fröhliche Weinberg" ein weiteres Mal nach 1997 aufgeführt wurde

Gräfinthal. Wenn Theaterfreunde sich trotz frischer Abendtemperatur und leichten Nieselregens aufmachen, die Premiere eines Lustspiel-Klassikers von vor fast 90 Jahren anzusehen, soll das was heißen. So geschehen am Freitagabend, als auf der Gräfinthaler Naturbühne das Stück "Der fröhliche Weinberg" ein weiteres Mal nach 1997 aufgeführt wurde. Der Kultur- und Trachtenverein Bliesransbach hatte sich das Zuckmayer-Stück für sein diesjähriges Gastspiel im Mandelbachtaler Ortsteil ausgesucht. Und weil so viele Hartgesottene den Schauspielern beim ersten Auftritt die Treue hielten, gab es zwei indirekte Dankeshandlungen. Regisseurin Sandra Worthmann-Follmar bedankte sich vorab für den Besuch. Petrus schien das gehört zu haben und beendete spontan den Nieselregen.Die Wirrungen um das Winzer-Milieu rund um das Gasthaus "Landskrone", um Schiffer und Kleinbürger konnten ihren Lauf nehmen. Da ist der alte Winzer Jean Baptiste Gunderloch (Marcel Hensgen), der die Hälfte seines Besitzes verkaufen will, um sich zur Ruhe zu setzen. Er schustert Tochter Klärchen (Jennifer Kempf) den Studenten Knuzius (Stefan Klopp) zu. Dafür ist die andere Hälfte des Besitzes gedacht. Trotz der Mitgift will der Vater sicher sein, dass dem Klärchen das vergönnt ist, was bei ihm nur auf Umwegen klappte: ein eigenes Kind. Er zeugte die Tochter nämlich mit einer anderen Frau und adoptierte das Klärchen dann. Doch die Nachfahrin hat ganz andere Pläne, findet den eitlen Fatzke von Knuzius ziemlich doof. Das macht aber nix, da der Augen auf ihre beste Freundin, auf Babettchen (Sandra Limbach), geworfen hat.

Der Klassiker an Beziehungsgeschichten, wie man ihn eben kennt. Winzer Gunderloch bemerkt durch Zufall, dass seine Hausdame Annemarie (Heike Schreiner) nicht happy über seinen geplanten Wegzug ist. Mitkommen will sie nicht. Das zeigt sie ihm auch mit Erfolg. "Seine Stimme ist so rau und kernig", schwärmt sie. Der Witwer verguckt sich in sie. Doppelhochzeit ist angesagt, als Töchterchen nach einigen Wirren, doch ihre Liebe zum Schiffer Jochen (Michael Munkwitz) mit einer weiteren Eheschließung krönen kann. Bis dahin ist es ein weiter Weg. Schlägereien, Saufgelage, Tänze auf der Bühne, verpasste Chancen bei abgesagten Versteigerungen, Beleidigungen von jüdischen Winzern: Es passiert so einiges in dem Dreiakter.

Lacher erzielte das Klärchen etwa, als es von "ein schöner Herbst" sprach. Das Publikum erkannte die Doppeldeutigkeit und den aktuellen Bezug. Herbstlich war es an diesem Abend durchaus. Die Gunderloch-Tochter ist es auch, die dank des Rates ihrer künftigen Stiefmutter dem arroganten Studenten, den sie heiraten soll, den Floh ins Ohr setzt, sie sei bereits schwanger. Doch der Mann, heute würde man ihn als Yuppie bezeichnen, sieht sich als "Camorra"-Opfer und meint, man habe ihn betrogen.

Weitere Termine: 27. und 28. Juli.

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