Verstehen, wo's Patienten fehlt

Fachkräfte sind derzeit rar. Qualifizierte Menschen aus dem Ausland können die Lücke schließen, brauchen dazu aber über ihre berufliche auch die sprachliche Kompetenz. Die Volkshochschule St. Ingbert hilft ihnen dabei. Mediziner und Altenpfleger sind die ersten Personenkreise, für die es spezielle Kurse gibt.

Die Volkshochschule St. Ingbert macht weitere Schritte auf ihrem Weg zu einem Bildungskonzern. Neben dem offenen Programm für jedermann wächst ihr berufsbezogenes Angebot. Seit Jahren bietet die VHS Integrationskurse und berufsbezogene Sprachkurse für Menschen, die aus dem Ausland kommen. In diesem Jahr sind spezielle Deutschkurse für medizinisches Fachpersonal und Altenpfleger dazugekommen. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und Europäischer Sozialfond (EFS) finanzieren die Kurse, die für die Teilnehmer kostenlos sind.

Der Hintergrund ist eine Diskussion, die in jüngerer Vergangenheit an Fahrt aufgenommen hat und so ziemlich jedem bekannt ist, der einen Krankenhausaufenthalt hinter sich hat: Die Verständigung gerade mit den Ärzten wird zunehmend schwierig. Während deutsche Mediziner verstärkt ins Ausland gehen, haben ausländische Ärzte an deutschen Kliniken oft mit der Sprache des Gastlandes zu kämpfen.

Elke Walgert, bei der VHS St. Ingbert für den Bereich "Deutsch für Migranten" zuständig, erläutert: "Das Problem ist akut." Dabei sei das Saarland mit 25 Prozent ausländischem Ärzteanteil lange nicht so stark betroffen wie die Bundesrepublik insgesamt. Denn deutschlandweit spreche jeder zweite Arzt Deutsch nur als Fremdsprache. Die Schwierigkeiten liegen auf der Hand. Die Kommunikation unter Kollegen, mit dem Pflegepersonal und nicht zuletzt dem Patienten läuft nicht immer optimal. Das soll sich ändern. Die St. Ingberter VHS betreut für die BAMF/EFS-Kurse das komplette östliche Saarland, also den Saarpfalz-Kreis, Neunkirchen und das St. Wendeler Land. Und der Bildungsträger ist auch für die Ärzte- und Pflegepersonalkurse über die Stadtgrenzen hinaus zuständig. Der erste Kursus läuft in Homburg. Neben Medizinern der Universitätskliniken sind auch Ärzte des St. Ingberter Kreiskrankenhauses an Bord. Insgesamt, berichtet Weigert, lernten 16 Männer und Frauen Deutsch auf hohem Niveau. Neben dem Sprechen pauken sie die Schriftsprache und nehmen darüber hinaus an einem interkulturellen Seminar teil. Denn nicht nur die Sprache, auch kulturelle Unterschiede können zu Missverständnissen auf der einen wie auf der anderen Seite führen. Für die verschiedenen Jobs habe die VHS die passenden Dozenten, sagt VHS-Leiterin Marika Flierl. Dem Bildungsträger komme zugute, dass er in den vergangenen Jahren sein Angebot modular ausgerichtet habe und deshalb für ganz verschiedene Bereiche vom Sprachtraining bis zum Verhaltenstrainer je nach Bedarf auf Experten zurückgreife.

Ebenfalls in Homburg läuft seit März der erste Beschäftigtenkursus in der Altenpflege. Sieben Rumänen nehmen daran teil. Der berufsbezogene Deutschunterricht könne durchaus weiter wachsen, sagt Elke Walgert.