Dankesfahrt nach Verdun: Versöhnung ist der Schlüssel zu Europa

Dankesfahrt nach Verdun : Versöhnung ist der Schlüssel zu Europa

Der „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge“ organisierte eine Dankesfahrt nach Verdun. Auch Schüler des Saarpfalz-Gymnasiums waren dabei. Sie waren dankbar, dass sie heute die deutsch-französische Aussöhnung erleben.

() „Wer an Europa verzweifelt, der sollte Soldatenfriedhöfe besuchen!“ Dieses bekannte Zitat von Jean-Claude Juncker, dem Präsidenten der Europäischen Kommission, stammt aus seiner Rede im Deutschen Bundestag zum Volkstrauertag am 16. November 2008, in der er weiter ausführte: „Nirgendwo besser, nirgendwo eindringlicher, nirgendwo bewegender ist zu spüren, was das europäische Gegeneinander an Schlimmstem bewirken kann. Das Nicht-Zusammenleben-Wollen und das Nicht-Zusammenleben-Können haben im 20. Jahrhundert 80 Millionen Menschen das Leben gekostet. Jede Stunde des Zweiten Weltkrieges hat 1045 Tote gebracht.“ 22 Millionen Euro muss der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK) jährlich aufbringen, um die 2,7 Millionen Kriegsgräber auf 833 Friedhöfen in 46 Ländern zu pflegen. Diese Kosten sind nicht von der Bundesrepublik Deutschland gedeckt, in deren Auftrag der VDK die Kriegsgräber pflegt. Mitgliedsbeiträge, Spenden, Nachlässe und Sammlungen tragen dazu bei, dass alle Gräber im Ausland eine würdige Ruhestätte für die Kriegstoten sind und bleiben.

Viele freiwillige Helfer sind auch im gesamten Saarland bei der Haus- und Straßensammlung des VDK unterwegs. Für ihren selbstlosen Einsatz hat sich die Landesgeschäftsstelle in Riegelsberg kürzlich bei den jugendlichen Sammlerinnen und Sammlern sowie ihren Betreuern bedankt mit einer Tagesfahrt nach Verdun, begleitet vom VDK-Landesvorsitzenden Werner Hillen, der als Reiseleiter fungierte, Landesgeschäftsführer Carsten Baus sowie Bildungs- und Jugendreferentin Lilian Heinen. Mit dabei war auch eine neunköpfige Schülergruppe des Saarpfalz-Gymnasiums mit ihrem Geschichtslehrer Eberhard Jung. Bei einem Zwischenstopp in St. Avold auf dem größten amerikanischen Militärfriedhof in Europa entdeckten sie auf der Gedenkwand der Vermissten den eingravierten Namen des Piloten Warner H. Marsh jr., der im Zweiten Weltkrieg ums Leben kam. Er war – wohl infolge von Flakbeschuss – am 5.11.1944 bei einem Bombenangriff auf ein Munitionsdepot nordöstlich von Homburg mit einem anderen amerikanischen Jagdbomber zusammengestoßen und nach der Explosion beider Maschinen bei Eichelscheid abgestürzt.

Am späten Vormittag steuerten die beiden Busse, die auf Vermittlung des Jugendoffiziers Michael Heim von der Bundeswehr zur Verfügung gestellt wurden, die deutsche Kriegsgräberstätte Hautecourt, kurz vor Verdun, an. Dort legten zwei Schüler des Saarpfalz-Gymnasiums, Manuel Kammerer und Laurin Seichter aus der Klasse 7b, für den VDK einen Kranz nieder und Werner Hillen sprach das Totengedenken.

Nach einem vom VDK spendierten zünftigen Imbiss auf einem Waldrastplatz war man gestärkt für die weiteren Besichtigungen: im Fort Douaumont, im Beinhaus (u.a. Filmvorführung) mit Kapelle und französischem Soldatenfriedhof sowie auf dem Gelände des „zerstörten Dorfes“ Fleury-devant-Douaumont.

Es hatte während der grauenvollen Materialschlachten des Ersten Weltkrieges (1914-18) sechzehnmal den Besitzer gewechselt, glich Ende 1916 einer Mondlandschaft und ist – wie weitere acht Dörfer – nicht wiederaufgebaut worden. Allein beim Kampf um die Festung Douaumont gab es 700.000 Opfer, 300.000 davon starben. „Hölle von Verdun“ oder „Schmelztiegel von Verdun“ sind Bezeichnungen, die nur erahnen lassen, welchen körperlichen und psychischen Strapazen die Soldaten ausgesetzt waren.

Vor Ort erfuhren die interessierten Besucher von den unerträglichen Zuständen in diesem Fort, das mit 4000 Soldaten fast fünffach überbelegt war. Ständige Granateinschläge, Mangel an Wasser und frischer Luft, Giftgas, unerträgliche hygienische Zustände zermürbten die Soldaten, von denen bei einer Explosion mehr als 1000 ums Leben kamen. 679 sind in einem Massengrab im Fort seit 1916 beigesetzt. Nach acht Monaten unerbittlicher Kämpfe eroberten die Franzosen das Fort am 24. Oktober 1916 wieder zurück. 700 000 Opfer – aber keine Geländegewinne, die Sinnlosigkeit eines Vernichtungskrieges wird hier jedem begreiflich.

Als Hillen in der Kapelle der Gedenkstätte Feldpostbriefe eines deutschen und eines französischen Soldaten vorlas, wurde es still. Alle Teilnehmer zeigten sich von den Eindrücken der Fahrt sehr betroffen und sie verstanden die Botschaft dieser Exkursion: „Wir müssen aus der Vergangenheit lernen, damit wir die gleichen Fehler in Gegenwart und Zukunft nicht noch einmal machen. Nicht Nationalstaaten sichern den Frieden, in dem wir schon über 72 Jahre leben, sondern ein vereintes Europa.“

Die Schülergruppe des Saarpfalz-Gymnasiums mit ihrem Lehrer Eberhard Jung auf dem französischen Soldatenfriedhof vor dem Turm des Beinhauses von Douaumont. Foto: Eberhard Jung
Manuel Kammerer (l.) und Laurin Seichter aus der Klasse 7b nach ihrer Kranzniederlegung auf dem deutschen Soldatenfriedhof Hautecourt. Foto: Eberhard Jung
In der „Welthauptstadt des Friedens“, Verdun: die Homburger Schülergruppe mit ihrem Lehrer Eberhard Jung vor einem Ehrenmal für die französischen Soldaten des Ersten Weltkriegs. Foto: Eberhard Jung
Die Homburger Schülergruppe aus dem Saarpfalz-Gymnasium im ehemaligen Waschraum der Festung Douaumont. Foto: Eberhard Jung

Spätestens bei der abschließenden Einkehr in der Stadt Verdun, die 1987 von der UNO als „Welthauptstadt des Friedens“ ausgerufen wurde, konnte man erleichtert feststellen, dass der frühere Hass der sogenannten „Erbfeinde“ inzwischen einer Atmosphäre der Versöhnung und Freundschaft zwischen Deutschen und Franzosen gewichen ist.