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Verflochten: Neue Ausstellung im Kunstraum Doris T. in St. Ingbert

Ausstellung in St. Ingbert : „Verflochten“: Fotografien oder Gemälde?

Auch die neue Ausstellung im „Kunstraum Doris T.“ in St. Ingbert fällt schon wenige Tage nach der Eröffnung den Corona-Auflagen zum Opfer.

Auch wenn die Zeiten schwierig sind, gelingt es der St. Ingberter Galeristin Doris Tabillion doch immer wieder, frischen Wind ins St. Ingberter Kulturleben zu bringen. So zeigt sie seit letztem Montag in ihrem Kunstraum die sehenswerte Gemeinschaftsausstellung „Verflochten…Der geteilte Blick“.

Schon im Treppenhaus stellen die Werke von Isolde Stein die Besucher vor die Frage, ob es sich hier um Fotografien oder um Gemälde handelt - allzu realitätsfern wirken die Posen, die Kleider und die Accessoires der porträtierten Personen. Und dann ist da noch dieser starke Kontrast zum meist dunklen Hintergrund und die intensive Ausstrahlung, die irritierend in Bann zieht. Doch in der Tat handelt es sich um auf Leinwand gedruckte Fotografie, um inszenierte Wirklichkeiten, welche die Saarlouiser Fotografin in ihrem Atelier ganz bewusst in Szene gesetzt hat. „Ich bin fasziniert von der Wandelbarkeit des Menschen, von den Metamorphosen, die er im Laufe seines Lebens durchläuft“, gesteht sie und dass sie mit ihrer Kamera momenthafte Stimmungen einfangen möchte. So fällt der Blick auf märchenhafte Frauen, auf geheimnisvolle Männer, auf utopische Wesen aus scheinbar anderen Welten. Sie kommen einher mit kunstvollen Masken, unterschiedlichen Körperbemalungen, surrealen Utensilien und wundersamen Kleidungsstücken. Die Farbe ist auf ein Minimum reduziert und der Fokus auf den Ausdruck gelegt. „Dabei lasse ich mich von meinem Bauchgefühl leiten“, erzählt sie und redet von den besonderen Momenten, die es mit jedem Modell aufs Neue zu erspüren und festzuhalten gilt.

Unter anderem sind auch Aufnahmen ihres Mitausstellers Gaetano Franzese zu sehen. Von dem Tänzer, Regisseur und Theatermaler, der seit vielen Jahren seine fröhlich-heiteren Gemälde im In- und Ausland erfolgreich präsentiert. Ihrem, in Neapel geborenen „Seelenverwandten“ (Isolde Stein), der Gemälde in vielen unterschiedlichen Formaten und Objektkunst präsentiert. Seine Gemälde in Mischtechniken kommen locker, leicht und beschwingt einher. Aufgebaut sind sie auf Acrylfarben, die mit viel Wasser in mehreren Schichten auf leicht strukturierte Untergründe aufgetragen werden. Mit ihrer Transparenz und der leichten Struktur wirken sie wie zarte Reliefs. Bisweilen sind sie mit Collagen durchsetzt oder komplett als Collage auf Holzgründe aufgebracht. All das erzeugt den Eindruck einer gewissen Offenheit, die im weiteren Arbeitsprozess mit Stiften und Kreide eine passende zeichnerische Ergänzung findet. Schriftzüge, mitunter zum Thema Corona, stilisierte Blumen oder Frauenköpfe und neuerdings auch Flügel verleihen den Werken eine große Leichtigkeit, die seinem künstlerisch schwingenden Naturell Ausdruck verleiht.

Doch Gaetano hat nicht nur seine eigenen Bilder und Objekte mit nach St.Ingbert gebracht, sondern auch die Fotografien seines in Barcelona lebenden Bruders Michele. Einem Grafiker, der vor vielen Jahren seine Faszination für die Fotografie entdeckte und hier nun zehn beeindruckende farbige Stillleben-Fotografien im Treppenaufgang zeigt.

Da eine Vernissage im üblichen Sinne aufgrund der aktuellen Situation nicht möglich ist, sind die Künstler am Samstag, 31. Oktober von 10 bis 14 Uhr anwesend und stehen für Fragen zur Verfügung. Dann wird der „Kunstraum“ wegen der neusten Corona-Auflagen vorerst schließen müssen.