Verdis Zauber wirkt auch in der Orangerie

Verdis Zauber wirkt auch in der Orangerie

Giuseppe Fortunino Francesco Verdi würde in einem Monat 200 Jahre alt werden. Unglücklicherweise ist der italienische Komponist schon seit 112 Jahren Tod. Doch sein kulturelles Erbe lebt noch immer.

. Nicht nur in Verona, auch in Blieskastel wird der 200. Geburtstag Verdis, des berühmtesten Opernkomponisten Italiens, gebührend gefeiert. Ihm zu Ehren fand am vergangenen Sonntag in der Orangerie ein Konzertereignis der besonderen Art statt. Die Erwartungen des Publikums richteten sich vor allem auf die Sopranistin Elizabeth Wiles vom saarländischen Staatstheater Saarbrücken, die als Gast in ihren Glanz- und Paraderollen, Violetta und Gilda zu sehen und zu hören war.

Das Programm, das Franz Biet zusammenstellte, konzentrierte sich auf den "mittleren" und den späten Verdi. Nach den sogenannten Galeerenjahren - zehn Jahre nach dem "Nabucco" (1841) - komponierte Verdi Werke, die zum Inbegriff italienischer Oper in der ganzen Welt wurden: Rigoletto, Traviata, Troubadour oder Maskenball. Die Sänger dürfen im Belcanto schwelgen. Dem Geist der Canzone hielt Verdi nach wie vor die Treue, nun freilich ausgestattet mit dem, was er für den Inbegriff von Musik hält: Melodie, Harmonie, Koloratur und Orchesterwirkung. Mit "Don Carlos" (1867) kündigte sich eine neue Schaffensperiode an, die ihren Höhepunkt im "Falstaff" (1892) fand. Auch diese Opern waren Bestandteil der Soiree. Das "Recordare", ein überirdisch schönes Duett aus dem Requiem (1874), Verdis "neuester Oper im Kirchengewande", rundete das Programm ab.

Es verwundert kaum, dass die Verdi-Soiree in Blieskastel zum Fest der schönen Stimmen wurde - allen voran Elizabeth Wiles, die mit zwei Arien aus "La Traviata" ("È strano - Es ist seltsam") und "Rigoletto" ("Caro nome" - teurer Name) nicht zuletzt in den Höhen brillierte. Lobend hervorgehoben seien aber auch Karin Biet (Ballade aus dem "Maskenball", Siciliana aus der "Sizilianischen Vesper") und Vinzenz Haab, ein wohltönender Bass-Bariton (Arien aus "Maskenball" und "Don Carlos") - nicht zu vergessen der legendäre Joseph Schmidt, der die Stretta des Manrico aus dem Troubadour schmetterte, und der unvergleichliche Dietrich Fischer-Dieskau mit dem Monolog des Falstaff - leider waren sie nur aus der Konserve (CD) zu hören.

Ein aufrichtiges Lob sei aber auch dem Geiger Vsevolod Starko, dem Cellisten Gregor Berg (beide vom Homburger Sinfonieorchester) und Markus Schaubel am Klavier gespendet - und es sollte nicht übergangen werden: Es ist Karin Biet zu danken, dass aus Klavierauszügen und Partituren der Opern eine spielbare kammermusikalische Begleitung hergestellt wurde.

Dem Sprecherteam Karin Biet (anstelle der verhinderten Angelika Kauffmann), Klaus Völker, Gerd Schlaudecker (packend im Monolog des Fallstaff aus "Heinrich IV.") und Franz Biet gelang es, das Bild des Menschen und Musikers Verdi nachzuzeichnen: Bach und Beethoven flößen den Menschen Ehrfurcht ein. Den göttlichen Mozart verehren, Wagner bewundern sie. Verdi aber lieben sie als einen ihresgleichen. Stellt man sich schließlich die Frage, welches Werk der Komponist selbst für sein Bestes hielt, so lautet schlicht und ergreifend seine Antwort: "mein Altersheim für Musiker in Mailand!" - Viva Verdi!

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