Utopion-Gelände in Bexbach verliert Rollenspiel-Event „Epic Empires“

„Epic Empires“ wandert aus Bexbach ab : Utopion-Gelände verliert sein Schlüsselevent

Das europaweit bedeutsame Rollenspiel-Event „Epic Empires“ bricht nach zehn Jahren in Bexbach seine Zelte wegen Planungsunsicherheit ab. Hintergrund ist der Ärger zwischen dem Geländepächter und der Stadt.

Das Hobby-Rollenspielevent „Epic Empires“ verabschiedet sich nach zehn Jahren vom Bexbacher Utopion-Gelände. Der veranstaltende Verein Epic Empire e.V. hat auf seiner Website und dem Facebook-Auftritt ein Gesuch für eine neue Veranstaltungsstätte veröffentlicht. Mit über 1200 jährlichen Besuchern gilt das Event als eines der wichtigsten in ganz Europa. Die Fantasy-Fans errichten dort eine detailgetreue Mittelalter-Welt, handeln miteinander oder führen Show-Schlachten durch. Aufhorchen lässt in der Ausschreibung vor allem die letzte Anforderung: „Planungssicherheit für die kommenden Jahre“.

Weil der Veranstalter Utopion diese nicht geben konnte, haben sich die Verantwortlichen erst zu dem Schritt entschlossen. Hintergrund ist der Dauerstreit um das Utopion-Gelände. Ein Bebauungsplan weist nur vier Zeltflächen aus, doch bei der Veranstaltung werden zwölf Lagerplätze benötigt, die voneinander entfernt liegen müssen, wie Matthias Birot, der Marketingverantwortliche von „Epic Empires“ erklärt. Nur Ausnahmegenehmigungen des Umweltministeriums vergrößerten diese Zeltflächen in den letzten drei Jahren auf ein ausreichendes Maß. Doch erstens kam diese Genehmigung 2019 erst wenige Tage vor der Veranstaltung. Und zweitens war es diesmal ungewisser denn je, ob sie überhaupt wieder erteilt wird, schildert Julian Blomann, Geschäftsführer der Agentur Erlebnisraum, die den Geländepächter Gregor Hoch vertritt.

Denn das Ministerium zweifelt offenbar an, dass die Stadt Bexbach an der Veranstaltung, und damit an der Erteilung der Ausnahmegenehmigung, überhaupt ein Interesse hat. Geländepächter Hoch will schon länger das Utopion-Gelände umgestalten, dort unter anderem eine Taverne und Hobbithöhlen errichten. Doch die Bexbacher Stadtverwaltung zieht nicht mit. Einen alten Bebauungsplan wollte die Stadt sogar im Frühjahr aufheben – was sämtliche Veranstaltungen dort sofort illegal gemacht hätte. Unmittelbar vor der Kommunalwahl hatte eine Stadtratsmehrheit dafür gestimmt zu prüfen, dass der bestehende B-Plan nach Hochs Vorstellungen umgestaltet wird – gegen den Willen der Verwaltung, die unter anderem Probleme mit dem Landschaftsschutz sieht. Die Stadtverwaltung legte den Stadtratsbeschluss der Kommunalsicht zur Prüfung vor. Die sah zwar keine Probleme damit – doch dürfte dies in den Augen des Umweltministeriums kein Indiz dafür gewesen sein, dass man hinter dem Vorhaben steht.

Im B-Plan-Verfahren habe es seitdem keine sichtbaren Fortschritte gegeben, wie Julian Blomann berichtet. Man habe den B-Plan-Entwurf im März an die Verwaltung geschickt. „Wir können durch Unterschriften auf Rückscheinen belegen, dass sie in der Verwaltung angekommen sind“, sagt Blomann. Und Vertreter einer kritischen Bürgerinitiative hätten die Utopion-Vertreter laut Blomann schon bei einer von der SPD initiierten Begehung im August mit Details aus den Bebauungsplänen konfrontiert. Nach seinem Amtsantritt habe Bürgermeister Christian Prech (CDU) behauptet, die Pläne lägen im Haus nicht vor. Das bestätigt er auch auf unsere Nachfrage. Daher habe er sie vor zwei Wochen angefordert – und Hoch sie ans Bexbacher Rathaus geschickt. Nun sei man laut Prech an dem Thema dran, „aber wir müssen das mit sämtlichen Behörden begutachten“. Er spricht von „enger Abstimmung“ mit Hoch. Auch eine Bürgerinformationsveranstaltung in Oberbexbach solle zeitnah stattfinden. Eine schon für den 24. Oktober terminierte war nach unseren Informationen kurzfristig geplatzt.

Prech nennt den Verlust des „Epic Empires“ „ sehr traurig für Bexbach“ und bestätigt „spürbaren“ Druck, den er von der Bürgerinitiative erhalte. „Aber ich kann mich nicht erpressen lassen, sehe das Thema völlig wertneutral. Ich hatte noch nie Probleme mit dem Gelände.“ Dabei sei er Anwohner. Und manche davon sehen den Lärmpegel von Veranstaltungen dort kritisch.

Der Verein „Epic Empires“ indes wird seine Zelte wohl abbrechen. Denn dass sich eine kurzfristige Lösung ergibt, die dem Veranstalter Planungssicherheit gibt, ist unwahrscheinlich. Man wolle „so schnell wie möglich“ einen Alternativstandort finden, sei etwa wegen des Ticketverkaufs für das Event vom 19. bis 23. August an Fristen gebunden, so Marketingverantwortlicher Matthias Birot. „Wir würden gerne im Saarland bleiben, weil wir mit den Leuten gute Erfahrungen gemacht haben, der Umzug leichter fiele.“ Die abgebauten Lager mit ihren Verteidigungsanlagen befinden sich nebst Deko und anderen Requisiten in Abstellplätzen rund um Bexbach. „Wir fahren jedes Jahr mit großen Sprintern zehn bis 20 Mal, um diese auf das Gelände zu transportieren“, so Birot. Daher wäre eine Lösung nahe Bexbach den Machern am liebsten.

Doch wenn es hier keine Option gebe, müsse man das Saarland verlassen. Viele Mitspieler kämen ohnehin aus Gesamtdeutschland und dem Ausland. Viele verschiedene Vorschläge seien schon eingegangen. Einen Ort bei München habe man aber etwa aussortiert.

Auch für den Geländepächter Gregor Hoch ist der Weggang des Epic Empires ein harter Schlag, dennoch wolle man am Standort und den Plänen für das Gelände festhalten. Wie Julian Blomann von der Agentur Erlebnisraum berichtet, macht das Epic mit 15 000 Übernachtungen etwa ein Drittel des Jahresumsatzes aus. Seien in den früheren Jahren etwa 30 Veranstaltungen auf dem Utopion-Gelände gebucht gewesen, seien es für 2020 bisher erst sechs. Dass eine bedeutende vor Jahren abziehen musste, hatte Blomann selbst miterlebt: Er war damals Veranstalter des Toughrun, der seine Zelte in Bexbach auch nach Ärger mit der Verwaltung unfreiwillig abbrechen musste.

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