Urgroßvater Martin Herber kaufte 1919 das Anwesen in Perl

Perl : Das bekannte Saar-Weingut Herber feierte sein großes Jubiläum

Seit 100 Jahren produziert die Familie am saarländischen Ufer der Obermosel edle Tropfen auf einer Anbaufläche von elf Hektar.

Vorbei die Zeit, dass Obst- und Weinbau die Landwirtschaft nur ergänzt haben. Zwölf Rebsorten gedeihen auf elf Hektar an der Obermosel – vom Auxerrois bis zum Weißburgunder, vom Chardonnay bis zum Grauburgunder. Diese edlen Tropfen werden im Keller des stattlichen Bauernhauses in der Apacher Straße 11 bis 17 in Perl ausgebaut.

„Das Gebäude ist ein Lothringerhaus aus dem Jahre 1830, damals als Herberge und Pferdewechselstation erbaut“, verriet Hausherr Helmut Herber bei der Feier am Samstag. Der Anlass war ein echtes Jubiläum: Seit 100 Jahren ist das Anwesen in Familienbesitz.

Martin Herber, Urgroßvater des Ökonomierates, hatte es von Bürgermeister Leo Schneemann erworben – „für 30 000 Goldmark“, wie der ehemalige Winzerpräsident Helmut Herber erzählte. Datiert ist der Kaufvertrag auf den 24. Juli 1919 – ein Grund für die Familie, jetzt mit Freunden und Bekannten das Jubiläum zu feiern.

Perls Bürgermeister Ralf Uhlenbruch gratulierte, ebenso Ortsvorsteher Werner Lenert, Landesbauernpräsident Peter Hoffmann und der jetzige Winzerpräsident Gerd Petgen sowie Franz-Josef Eberl, Präsident der Landwirtschaftskammer. Und Umweltminister Reinhold Jost, der mit Partnerin Dunja Sauer kam, outete sich als „Freund der Familie“.

Gespannt hörten die Gäste zu, als der Hausherr Vergleiche zwischen damals und heute zog. Lag der Hof mit rund einem halben Hektar Land nach den Worten von Helmut Herber vor 100 Jahren am Ortsrand, so gehört das Anwesen, in dem die vierte bis sechste Generation lebt, mittlerweile zur Ortsmitte. Ein paar Mal habe sich auch im Laufe der Zeit der Straßenname geändert, seit der Gebiets- und Verwaltungsreform heißt sie Apacher Straße.

Herber gab einen Einblick in den damaligen landwirtschaftlichen Alltag, ebenso schilderte er die Schrecken des Zweiten Weltkrieges und die zweimalige Evakuierung. 1979 habe er mit Ehefrau Gertrud dann den ersten eigenen Weinberg gekauft, den Hof Anfang der 80er Jahre übernommen und ihn ganz auf Weinbau umgestellt.

Was ihn mit Stolz erfüllte, war die Ernennung zum Ökonomierat, verriet der Mann, der nach 25 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit das Amt des Winzerpräsidenten an Gerd Petgen abgab. Mittlerweile hat er auch das Weingut übergeben. Mit Sohn Matthias ist jetzt die fünfte Generation im Betrieb. Und die sechste schickt sich an, ebenfalls das Erbe anzutreten: Enkelin Emely (vier Jahre). „Sie hat schon gesagt, dass sie das machen will, was Papa und Opa machen“, verriet Kimberly Herber, Ehefrau von Matthias Herber, am Rande der Feier. Mit von der Partie waren auch die übrigen vier Enkelchen: die Zwillinge Luca und Noah sowie Lina und Theo, der Nachwuchs von Tochter Ruth und Ehemann Moritz Motschall.

Derweil geriet Reinhold Jost, der „Minister für Hundsärsch, Viehzucht und Geheischnis“, wie er sich bezeichnete, über die edlen Tropfen von der saarländischen Obermosel ins Schwärmen. Es seien zwar nur 150 Hektar, auf denen im Saarland Wein angebaut werde. Doch auf dem wenigen Platz werde hervorragende Arbeit geleistet. Den Wein von der saarländischen Obermosel nannte er eine „tolle Visitenkarte“ für das Land. Natürlich sei der Wein ein Getränk für bessere Tage, doch man könne jeden Tag zu einem besseren Tag deklamieren, sagte Jost und hatte die Lacher auf seiner Seite. Er lobte die Gastfreundschaft der Familie und ihre tolle Arbeit im Weinberg – nicht nur leckere Tropfen zu produzieren, sondern auch auf Chemie zu verzichten. Neben seinem Engagement als Winzerpräsident habe Herber als Gründungsmitglied und Vizepräsident der „Vereinigung Charta Schengen Prestige“, der ersten europäischen Drei-Länder-Charta für Wein, Grenzen überschritten. Überhaupt muss es laut Jost mehr Europa geben, nicht weniger. „Europa ist die Lösung“, sagte er. Er sei davon überzeugt, dass der Weinbau an der saarländischen Obermosel eine gute Zukunft habe.

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