Feuerwehr bereitet sich auf Unwetter vor: Unwetter-Szenario kaum berechenbar

Feuerwehr bereitet sich auf Unwetter vor : Unwetter-Szenario kaum berechenbar

Feuerwehren stellen sich auf eine dauerhaft veränderte Einsatzlage ein. Gespräch mit dem Kreisbrandinspekteur.

Die Sommer 2017 und 2018 hatten und haben es in sich. Und damit sind – leider – nicht nur die teils hohen Temperaturen gemeint. Denn: Heftige Unwetter mit starker lokaler Ausprägung haben in den zurückliegenden Wochen und Monaten massive Schäden verursacht. In der vergangenen Woche waren Stadtteile Blieskastels betroffen, aber auch mehrere Ortsteile der Gemeinde Mandelbachtal und St. Ingbert traf es in der Nacht von Fronleichnam zum 1. Juni und danach hart (wir berichteten).

Nun waren Gewitter im Sommer eigentlich noch nie etwas Besonderes. Verändert hat sich aber der Charakter dieser Gewitter, ihre geringe Geschwindigkeit führt dazu, dass innerhalb kürzester Zeit auf engem Raum unverhältnismäßig viel Regen niedergeht. Und pötzlich droht dann Überflutungsgefahr an Orten, die man nie mit dem Begriff „Überschwemmung“ in Verbindung bringen würde. Dieses neue Einsatzszenario mit den Eigenschaften „extrem schnelle Entwicklung“ und „kaum berechenbar“ fordert die Rettungskräfte, allen voran die Feuerwehren. Im Gespräch mit unserer Zeitung machte Kreisbrandinspekteur Uwe Wagner deutlich, dass man sich tatsächlich in den Löschbezirken auf eine sich wohl dauerhaft verändernde Lage einstellen müsse.

„Im Moment ist das Ganze natürlich noch etwas ungewohnt, weil ein solcher Einsatz nicht mit einer Hochwasserlage zu vergleichen ist. Zum einen steckt bei solchen Gewitter-Starkregen durch das Fließwasser eine enorme Dynamik dahinter, das Wasser kommt schneller und heftiger, das sieht man ja an den Schäden.“ Zum anderen sei die Situation zeitlich und örtlich kaum vorhersehbar – anders als bei einem klassischen Hochwasser, das den Einsatzkräften schlicht mehr Zeit lasse. „Zudem sind nicht die üblichen Hochwasserflächen betroffen, sondern plötzlich auch Menschen, die an einem Berg wohnen – weil sich das Wasser seinen Weg sucht.“ Eine weitere Problematik bei solchen Starkregen-Ereignissen bestehe darin, so Wagner, dass durch die starke Verdichtung und die hohe Geschwindigkeit des Wassers viel Unrat mitgetragen werden – und die Ablüsse verstopfe. „Selbst wenn die Kanalisation es schaffen könnte, blockiert dies das Abfließen. Das ist die Krux an der Geschichte.“

Was bedeutet nun diese Entwicklung, gerade mit Blick auf die Urlaubszeit, für die Wehren in Sachen Personalbelastung? „Man muss dann eben mehr nachalarmieren und, was im normalen Tagesgeschäft nicht unbedingt üblich ist, auch auf Nachbar-Wehren zurückgreifen.“ Ganz praktisch gehe es für die Wehren in Zukunft auch darum, verdeutlichte der Kreisbrandinspekteur, sich auf diese neuen Szenarien einzustellen, „sowohl materiell als auch personell. Es geht also um ein Vorhalten von mehr Pumpen, vor allem Tauchpumpen, und von gefüllten Sandsäcken. Wir haben zwar Sandsäcke, aber bei solchen Ereignissen keine Zeit, diese zu füllen – anders als bei ‚üblichen Hochwasserlagen‘.“ Zudem benötige man entsprechende Logistik-Fahrzeuge für den Transport. Und auch in Sachen Ausbildung müsse man sich Gedanken machen, denn „ein solches Starkregenereignis mit Überflutung ist um ein vielfaches gefährlicher als ein ‚normales‘ Hochwasser“.

Der Kreisbrandinspekteur wies auch darauf hin, dass man sich angesichts der Unwetter-Szenarien der vergangenen Monate auch Gedanken hinsichtlich der Raum- und Bauplanung machen müsse. „Man muss solche Ereignisse in Zukunft berücksichten, das wird viel mehr an Bedeutung gewinnen müssen, um Schäden zu verhindern.“ Und noch in einer anderen Angelegenheit sieht Wagner gerade die öffentliche Hand in der Pflicht: Beim regelmäßigen Reinigen der Auffangkörbe in den Abflüssen von Straßen und Plätzen. Diese Arbeit stehe, nach seiner Einschätzung und Feststellung, nicht mehr in allen Kommunen auf der To-Do-Liste.

„Früher sind diese Körbe, die eigentlich den Kanal freihalten sollen, regelmäßig gereinigt worden. Das ist nun nicht mehr Standard.“ Dies bedeute aber, dass das Wasser nicht mehr richtig abfließen könne. „Und was wird dann im Notfall gemacht? Dann zieht die Feuerwehr den Korb. Und dann landet bei einem Starkregen-Ereignis der Unrat im Kanal. Und das ist am Ende viel teurer, als die Aufangkörbe regelmäßig zu reinigen.“ Geschehe dies nicht, dann werde sich das bei zukünftigen Unterwetterlagen rächen. „Das ist der Punkt.“

Kreisbrandinspekteur Uwe Wagner sieht angesichts der zunehmenden Unwetterlagen eine veränderte Einsatzsituation für die Wehren. Foto: Thorsten Wolf

Wagner mahnte auch die Bürger an, sich über entsprechende Wetter-Dienste rechtzeitig zu informieren und sich gegebenenfalls auch entsprechend selbst vorzubereiten. „Denn wir können nicht überall gleichzeitig sein.“