Ungewöhnliche Wege in der Passionsmusik

Ungewöhnliche Wege in der Passionsmusik

Die Martin-Luther-Kirche in St. Ingbert war am vergangenen Sonntag gut besucht. Eingeladen hatten die Evangelische Kantorei zu einem nicht alltäglichen Kirchenkonzert. Die Zuhörer waren begeistert.

Die Passionszeit gehört hier zu Lande traditionell der Kirchenmusik. So hat die Evangelische Kantorei St. Ingbert ihre Konzertaktivitäten der Saison 2015 am vergangenen Sonntag in der gut besuchten Martin-Luther-Kirche auch ganz bewusst mit einer nicht alltäglichen, besonderen Passionsmusik gestartet. Dabei beschritt Kantorin Carina Brunk wie schon in der Vergangenheit erneut ungewöhnliche Wege der Programmgestaltung, indem sie es abseits ausgetretener Pfade anerkennenswerter Weise vermied, etwa mit der Aufführung sattsam bekannter Bach'scher Passionen lediglich eine der landauf landab zahllosen kirchenmusikalischen Repertoire-Doubletten zu reproduzieren. Mit Bachs fünfteiliger Leipziger Kirchenkantate für Soli Chor und Orchester aus dem Jahr 1723 "Jesus nahm zu sich die Zwölfe" (BWV 22) und dem Miserere c-Moll des aus Böhmen stammenden Bach-Zeitgenossen (und Dresdner Hofkapellmeisters) Jan Dismas Zelenka wurde sinnreich der Bogen geschlagen vom mitteldeutschen Barock lutherischer wie katholischer Prägung zur neapolitanischen Tradition, in der Tommaso Traettas von der italienischen Barockoper inspirierte Stabat-Mater-Vertonung steht, die im Todesjahr J. S. Bachs (1750) entstand. In den Mitgliedern der Deutschen Radiophilharmonie Saarbrücken-Kaiserslautern fanden Chor und Vokalsolisten wiederum verlässliche wie rundum gewohnt professionell musizierende instrumentale Partner - mit ganz apartem Streichertimbre. Carina Brunk ließ die Continuogruppe zudem bisweilen leicht nach einem Gamben-Consort klingen und verlieh der Musik dadurch eine besonders innige, kammermusikalische Note. Erfreulich und professionell agierte durchweg auch die gut ausgesuchte vokale Solistenriege. Susanne Fetik gestaltete einen luziden, teils brillanten Solosopran, kontrastiert durch den charaktervoll-warmen Alt Angela Löschs. Alexander Wendts sicher geführter, baritonal gefärbter Tenor harmonierte hier bestens mit dem kernig-voluminösen Bass von Vinenz Haab; dies ebenso auch in ausgewogener solistischer Quartettbesetzung. Die Evangelische Kantorei präsentierte sich auch diesmal erneut in sängerischer Bestform, indem sie einen ebenso präsenten wie prächtigen barocken Chorklang gestaltete. Auch dafür gab es sehr reichlichen bis herzlichen Applaus seitens des sich überaus begeistert zeigenden Publikums.

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