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Unendliche Wüstenlandschaft als Teenager-Albtraum

Unendliche Wüstenlandschaft als Teenager-Albtraum

St. Ingbert. "Wie kann man nur in die Sahara fahren?" - diesen Satz wird Elisabeth Kerling bestimmt niemals vergessen können. "In deinem Alter, ohne Dusche und ohne WC", das war eine weitere zweifelhafte Aussage. Die St. Ingberterin hat sich in früheren Jahren einiges über die Wüste anhören müssen

St. Ingbert. "Wie kann man nur in die Sahara fahren?" - diesen Satz wird Elisabeth Kerling bestimmt niemals vergessen können. "In deinem Alter, ohne Dusche und ohne WC", das war eine weitere zweifelhafte Aussage. Die St. Ingberterin hat sich in früheren Jahren einiges über die Wüste anhören müssen. Das sei eine triste, lebensfeindliche Gegend, lautet etwa ein gängiges Vorurteil.Doch die Pharmazeutin und Philosophin mit dem fränkischen Akzent hat sich in frühen Jahren von der Skepsis ihrer Mitmenschen nicht Bange machen lassen und ist wirklich hingefahren. Kürzlich war sie in der Stadtbücherei zu Gast und las aus ihrem Buch "Und immer muss ich mit!" - das klingt wie der Satz eines Kindes, das etwas machen soll, was die Eltern nicht möchten und darauf so was von keinen Bock hat. Richtig, genauso war es auch. Kerling hat nämlich das Reisetagebuch ihrer Tochter Annette als Buch herausgebracht. Die wollte nämlich nicht mit in die Wüste, wo die Eltern 1988 bis 1995 alljährlich für rund zehn Tage an Ostern hingefahren sind.

Ihre Erlebnisse hat sie bei einer späteren Reise in Form eines Tagebuches festgehalten. Darin schreibt sie an ihre Freundin Theresia. Als Annette 16 Jahre alt und somit mitten in der Pubertät war, lesen sich manche ganz banale Dinge durchaus schmunzelhaft. Da werden tunesische Jungs genauso zum Thema wie Kinder, die Familie Kerling beim Essen auf der Hinreise auf den Teller starren oder die Seekrankheit der einzelnen Familienmitglieder auf der Fähre. "Die Wüste ist ein riesiges Paradies mit unendlicher Weite und immenser Freiheit", schwärmte Elisabeth Kerling während der Vorstellung. Nach der algerischen Wüste nahm sich Kerling die libysche Wüste vor. Vor fünf Jahren fasste sie den Entschluss, das Tagebuch der Tochter als Buch herauszubringen. Doch auch Teenager können bekanntlicherweise noch etwas lernen. Tochter Annette legt bei einer erneuten Wüstenreise 2007 ihre Vorurteile nach und nach ab und erfasste das Geheimnis der Wüste. Damit man sich die Lesung noch besser veranschaulichen konnte, zeigte Mutter Kerling Fotos von ihren Reisen. Bis zu 300 Meter können Dünen hoch werden, erfuhr man an diesem Abend. Genießen könne man nicht nur die Stille, sondern auch das "Singen" der Wüste.

Man spüre den Ur-Atem der Schöpfung. Ganz früher, man glaubt es kaum, war das nämlich mal eine blühende Landschaft. 20 000 bis 30 000 Jahre ist das her. Heute hat man üblicherweise am Tage zwischen 35 und 40 Grad und nachts Temperaturen um den Gefrierpunkt. Was früher ohne fachkundige Führung ging, ist heute aus Sicherheitsgründen kaum denkbar: Ohne einen Einheimischen geht es nicht mehr. Elisabeth Kerling las auch aus ihrem 2011 erschienenen Werk "Die Wahrheit liegt im Verborgenen". Darin sind Gedichte enthalten, die die Liebe der 1942 geborenen Autorin zur Wüste beschreiben. Man muss sich schon die Mühe machen, die Naturgeheimnisse zu erkunden. Dann kann man ganz neue Erfahrungen machen. jma