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Und der Metzger reimt über Wurst und Schnitzel

Und der Metzger reimt über Wurst und Schnitzel

Vier Mal vor ausverkauftem Haus spielte die Theatergruppe der katholischen Frauen Rentrisch das Stück „Ein Dorf ohne Tratsch“. Das konnte natürlich nicht so im Raum stehen bleiben. Und so ging's auf der Bühne ganz schön rund mit dem Künstler und anderen Darstellern.

In Rentrisch wird nicht (mehr) getratscht. Zumindest suggerierte dies die neueste "Produktion" der Theatergruppe der Katholischen Frauengemeinschaft Rentrisch , die gleich vier Mal hintereinander vor ausverkauftem (Kultur-)Haus gespielt wurde. Und dass angeblich im Dorf nicht mehr "geräddscht" wird, hat mit der Geschichte zu tun, die drei Handvoll Leute in drei Akten erzählten. Denn die Dörfler haben ihre Lektion aus einer Aktion gelernt, die reichlich schief ging.

Aber von Anfang an. "Ein Dorf ohne Tratsch" heißt das Lustspiel von Christa Bilzer, das den Laienschauspielern wie auf den Leib geschneidert schien. So gut wie in diesem Stück waren die Rentrischer noch nie. Ob die Postangestellte Heidi Laber (Margret Schumacher), die schon mal die Post (vor-)liest, der schlitzohrige Briefträger Uwe Berg (Christoph Alt), Putzfrau Ayse Übegün (Rosemarie Bethscheider), der von sich eingenommene Künstler Leonardo Wortelhöfer (Kai Nikola) oder auch der gutmütige Metzger Harald Kleber (Leonardo Mongiat), der über Wurst und Schnitzel reimte, was das Zeug hielt, sie alle und ihre Schauspielkollegen sorgten für mehr als kurzweilige zwei Stunden.

Ausgangspunkt ist der Dorfplatz, wo ein heruntergekommenes Haus leer steht. Krimhilde Lückhausen (Ulli Lieser), die Frau des Ortsvorstehers Bernd Otto (Martin Lauer/ Josef Mischo), die mehr darstellen will, als sie wirklich ist, will sich mit einem Künstler schmücken und ihm das Haus anbieten, während ihr Mann dort den Metzger einmieten will.

Mit einem Künstler schmücken

Währenddessen versucht die Heidi von der Post gemeinsam mit der Vorsitzenden des Gesangvereins Käthe Kleber (Ruth Krämer), die gerade den Mitgliedsbeitrag eintreibt und so in die Häuser "schnuppert", herauszufinden, wer der Gewinner der Lotto-Millionen ist. Und Ayse, die eigentlich nur auf der Suche nach einem Job ist, vom Bankangestellten Herr Spar (Toni Wittmer-Braun) für eine solvente Kundin gehalten wird, nebenbei von manchem Hasch-Keks nascht und viel über die deutsche Tratsch-Kultur lernt, resümiert, dass sie noch nie einen so schönen Job hatte, wo so viel los war. Ihre Sprachschwierigkeiten sind es auch, die zusätzlich die Gerüchteküche anheizen. Leonardo Winkelhöfer, der daran scheitert, der Dorfbevölkerung Kunst näher zu bringen, und Harald, der ständig seine Wurst isst und die mal in der Thermoskanne, mal in der Brillenhülle vor seiner Frau versteckt, damit sie nicht merkt, dass er von der verordneten Diät abgefallen ist, bekommen beide keinen Fuß in die Tür der zu veräußernden Immobilie mitten im Dorf. Und während noch vermeintliche Intrigen und Liebschaften aufgedeckt sowie Gerüchte in Umlauf gebracht werden, spielt der wahre Gewinner des Lottospiels, Briefträger Uwe, mit und lacht sich ins Fäustchen. Zum Schluss hat Herr Spar mit dem Erzählen abstruser Geschichten zwar nicht für den Neuabschluss von Versicherungen gesorgt, aber das gewonnene Geld ist das Startkapital für eine neue Kneipe im Ort.

Alle haben ihre Lektionen gelernt und tratschen nicht mehr. Doch ein Dorf ohne Klatsch ist kein Dorf, so Ortsvorsteher Lückhausen, und so wird wohl am Tresen der im Stück geplanten Kneipe doch wieder dafür gesorgt werden, dass das Dorf "informationstechnisch" wieder zu dem Ort wird, der er mal war. Es war eine Geschichte, wie sie sich so oder etwas anders in Rentrisch zugetragen haben könnte. Einfach köstlich.

Heidi (Margret Schumacher) und selbst die am Anfang vom Künstler so begeisterte "Frau" Ortsvorsteherin Krimhilde (Ulli Lieser), können mit der Kunst von Leonardo Wortelhöfer (Kai Nikola, von links) nicht viel anfangen. Foto: Cornelia Jung