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Ulli Meyer als Kurzzeitpraktikant im Barbaraheim in St. Ingbert

Barbaraheim : Ulli Meyer schnuppert in die Pflegearbeit

Um sich über die Arbeit in der Pflege zu informieren, arbeitete der Ortsvorsteher mit. An zwei Tagen tauscht er den Anzug gegen Dienstkleidung. Erste Station war das Barbaraheim. Nächste Woche geht’s ins Bruder Konrad-Haus.

Ulli Meyer hat bereits bei seinen Gratulationstouren, die ihn als Ortsvorsteher zu den Jubilaren führen, und durch Erzählungen seiner Frau, einer Notärztin, Einblicke in Altenheime und Krankenhäuser bekommen. Nun wollte er sich vor Ort im Barbara-Heim durch seine aktive Teilnahme am Betreuungsgeschehen selbst einen Eindruck davon verschaffen, welche Aufgaben die Mitarbeiter zu leisten haben. Einrichtungsleiter Paul Lösch freute es, dass Meyer eine Idee, die am Rande eines offiziellen Termins geboren wurde, in die Tat umsetzte.

„Kurzzeitpraktikant“ Ulli, wie Lösch den Politiker nannte, der knapp fünf Stunden einen kleinen Anteil an der Pflege hatte, entledigte sich zu Beginn seines Einsatzes seines gewohnten Anzuges. Dafür bekam er ein weißes T-Shirt mit Caritas-Logo, das ihn als zum Haus zugehörig „auswies“. Eingangs informierte Lösch über das Haus, die dortige Betreuungssituation sowie die Pflege im Allgemeinen. Im Pflegeversicherungsgesetz von 1995 sei man davon ausgegangen, dass die Pflege „eine körperkonzentrierte Veranstaltung ist“, wie Lösch sagt. An- und Ausziehen, Waschen, Essen reichen, die Inkontinenz versorgen – und fertig. „Damals hat man die Behandlungspflege vergessen“, so der Einrichtungsleiter. Nun habe Bundesgesundheitsminister Spahn 13 000 Stellen dafür „ausgerufen“.

Die Falle bei den sogenannten „Spahn-Stellen“ sei aber, dass die Einrichtungen, die daran partizipieren wollen, eine Fachkraftquote von mindestens 50 Prozent haben müssten. Bei dem heutigen Fachkräftemangel in der Pflege sei das fast unmöglich zu erreichen. Im Barbara-Heim habe man gerade so den geforderten Anteil. Demnächst werde man die Antragsformulare bekommen und dann sehen, inwieweit das Seniorenheim profitieren kann. 75 Prozent der Pflegebedürftigen seien in verschiedenen Stadien der Demenz, weshalb sich nicht nur für diese Bewohner des Heims die Frage stelle, was mit ihnen passiert, wenn sie pflegerisch versorgt sind. „Da hat man etwas erfunden, nämlich zusätzliche Betreuungskräfte. Wir nennen sie Alltagsbegleiter“, erzählt Lösch.

Derzeit sei das Verhältnis dieser wichtigen Mitarbeiter zu den Bewohnern 1:20. Im Barbara-Heim gebe es dafür knapp sechs Stellen. Mit einer dieser Alltagsbegleiterinnen, Stephanie Jungfleisch, lief Ulli Meyer am vergangenen Mittwoch mit. Diese Betreuer machen Angebote in Hauswirtschaft, führen Gespräche, springen zur Seite, wenn es nötig ist, versuchen durch das Anschauen von Fotos oder Büchern Erinnerungen bei den Senioren zu wecken und noch vieles mehr. Kommunikation und Beschäftigung sei enorm wichtig, um das Gedächtnis zu fordern und keine Langeweile aufkommen zu lassen. Noch bevor Meyer beim Kaffeenachmittag zum Einsatz kam, kam er im zweiten Stock auf der „Kommunikationsbank“ mit einigen Bewohnerinnen ins Gespräch. Schnell war man mittendrin im gegenseitigen Vorstellungsgespräch.

Wie Lösch einführend gesagt hatte, sei hier besonderes Einfühlungsvermögen gefordert. Man müsse „eine spezielle Form der Sprache sprechen“, denn die verschiedenen Menschen hätten jeweils ihre „ganz eigene Wahrnehmung der Wirklichkeit“. Meyer sah, wie schwer dies mitunter ist. Er nimmt bleibende Eindrücke von der Begleitung „seiner“ Tagesbetreuerin Stephanie mit: „Die Kräfte in St. Barbara erbringen eine unglaubliche Leistung: Sie pflegen die Bewohnerinnen und Bewohner mit viel Herz. Ich habe gesehen, wie wichtig es gerade bei Dementen ist, diese mit Herz und Einfühlungsvermögen zu begleiten. Ganz beeindruckend ist, wie die unterschiedlichen Realitäten Demenzkranker akzeptiert und moderiert werden. Ob Leben in Phasen der Kindheit, Jugend, Familiengründung oder Sprache des Herkunftslandes – die unterschiedlichen Perspektiven brauchen bei dem Zusammenleben viel Geschick, um gemeinsame Kommunikation zu ermöglichen.“ Deshalb hat die Tagesbetreuerin auch einen Wunsch: „Dass die Betreuungskräfte und deren Arbeit durch die Gesellschaft stärker anerkannt werden!“