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Überlieferte Rezepte machten Appetit

Überlieferte Rezepte machten Appetit

Ein Jahr lang sammelte Künstler Arpad Dobriban in unserer Region alte Rezepte, um sie mit denen nachzukochen, die die Vorschläge lieferten. Von der kulinarischen Vielfalt überzeugten sich am Sonntag rund 50 „Testesser“.

. Begriffe wie "Biosphärenreservat Bliesgau" oder darin angesiedelte "Leader-Projekte", ein Regionalentwicklungsprogramm der EU, das innovative Projekte im ländlichen Raum fördert, bleiben Worthülsen, wenn sie nicht mit Leben gefüllt werden. Wie kann man Biosphäre besser erfahren als sie zu erleben oder zu "schmecken"?

Das Bewahren alter Rezepte unserer Region stand im Vordergrund des einjährigen Projektes "KochKunst und EssKultur", das die Stadt St. Ingbert in Zusammenarbeit mit dem Künstler Arpad Dobriban in Angriff nahm. Dabei kochte er mit Einheimischen über Generationen vererbte Rezepte nach.

Zur ersten "Veröffentlichung des Geschmacks" nahmen am Sonntag 50 Gäste an den gedeckten Tafeln im Kuppelsaal des St. Ingberter Rathauses Platz. Dreieinhalb Stunden gemeinsam speisen und genießen standen auf dem Programm. Dobriban, dessen mobiler Küchentruck vorm Rathaus parkte, erläuterte zwischen den Gängen deren "Geschichte" und gab Auskunft über die "Rezepte-Zulieferer", von denen einige in der Runde saßen. Das Essen mundete, und auch die Getränke, vom Apfel-Secco, Apfel-Quitten-Saft aus der Biosphäre, über ausgesuchte Weine und ein auf Dobribans Reisen entdecktes Bier aus dem Ruhrgebiet, zauberten manchem Gast ein Lächeln ins Gesicht. Genau das war der Zweck - sich Zeit nehmen, um die Genüsse in fester und flüssiger Form auf sich wirken zu lassen. Jedes Gericht war auf der Speisekarte ein "eigenes Kapitel".

Zum Auftakt gab es Ziegenfrischkäse an Wildkräutersalat, der mit "Essbare Landschaft" überschrieben war. "Das habe ich das letzte Mal mit elf Jahren gegessen", wurden beim 66-jährigen Horst Diehl Erinnerungen wach. Sich alten Rezepten anzunähern, sei nicht immer einfach, wie Dobriban sagte, denn Zutaten und deren Zubereitung ändern sich. Manchmal macht auch der Koch-Künstler Fehler, wie der Ideengeber der Bärlauchsuppe, Michael Zemann-Wahle, beim Abschmecken bemerkte. Statt süßer Sahne wurde Crème fraîche verwendet, weshalb dieser Gang zwar gut, jedoch anders schmeckte als gedacht. Weiter ging's mit "Kartoffelscheißer", ein Gericht einer jüdischen Familie, mit Mangoldgemüse und Gelleriewestampes sowie Offgebäggelten und Kalbsbäckchen. Letztere stellten eine eigene Herausforderung für den Koch dar, ist es doch heutzutage schwierig, überhaupt einen Kalbskopf zu bekommen. Zum "Küchenschluss" versüßten "Rostige Ritter" mit Zimt und Zucker den Heimweg.