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„Tote Hose“ war in Rohrbach gestern

„Tote Hose“ war in Rohrbach gestern

Kerwesingen, Krammarkt, Bobby-Car-Rennen, Kunstausstellung im Bürgerhaus, Fahrgeschäfte – in Rohrbach steppt seit Samstagabend der Bär. Die Kirmes ist am Laufen, und mit ihr kam natürlich auch die Kerweredd von Günter Weiland, der es diesmal mit dem Ortsvorsteher hatte – und mit Wildschweinen.

Günter Weiland hielt die Rohrbacher Kerweredd.

"Rohrbach ist im Ausnahmezustand. Die Siedlung ist nur noch im Hubschrauber zu erreichen. Gestern gab es sogar gar kein Geld mehr auf der Bank", scherzte Martin Biedermann am Samstagnachmittag. Die Aussage des Traditionsmoderators des 16. Kerwesingens, das der Männerchor (MC) 1860 Rohrbach wieder im Hof der ehemaligen Wiesentalschule veranstaltet hatte, war natürlich nur bedingt ernst zu nehmen. Doch ein Teil der Worte brachten es auf den Punkt: Neben dem Bobby-Car-Rennen fand auch noch die Kerb im St. Ingberter Stadtteil statt. Und anlässlich selbiger auch noch die Kunstausstellung im Bürgerhaus, der Krammarkt an der Rohrbachhalle, und auf dem Festplatz befanden sich die die Kirmes-Fahrgeschäfte.

Ortsvorsteher Roland Weber erinnerte in seiner Rede, nachdem zuvor Männerchorvorsitzender Heinz Regel um 15.30 Uhr das Kerwesingen für eröffnet erklärt und das Anschießen des Schützenvereins abgenommen hatte, an die Situation vor rund 20 Jahren. "Tote Hose" sei das damals gewesen. Die Kirmes hätte sich fast vor dem Aus befunden. Der Männerchor habe mit dem Singen die Trendwende geschafft. Von daher blieb Weber nur eine Frage: "Wem ist die Kerb? - Unser. Unn wer kriet se nit? - Dingmert" - dann war eigentlich alles beantwortet, und der Gesangsmarathon konnte starten.

Eisbrecherfunktion hatten dieses Mal die Kinder von der Städtischen Kindertagesstätte (Kita) Detzelstraße. Ihnen folgten die Katholische Kita St. Johann, die Pfadfinder St. Georg, die Stammtischfrauen vom MC 1860, die Turnerfrauen "Fit und flott" des Kneipp-Vereins, die Becker Bier-Buwe und die 90er Bier Buwe.

Zur Tradition in Rohrbach gehört auch der Umzug, der dem Singen vorausgeht. Er wurde von den Rohrentalmusikanten angeführt. Mit Spannung erwartet wurde auch dieses Mal wieder die Kerweredd von Günter Weiland. Der ließ kaum ein gutes Haar am Oberbürgermeister. Hans Wagner mache alles allein und vor allem zu wenig für Rohrbach . "Ach, wenn ich mol OB bin", sei ein Satz, der immer wieder vor der Wahl gefallen sei, dem aber - laut Weiland - die Taten fehlten. Immerhin habe ein SZ-Leserbrief dafür gesorgt, dass der Bahnhofsmülleimer geleert worden sei. Und dann dieser Ortsrat. Ein Refugium, wo man nur saarländisches Hochdeutsch mit Streifen sprechen würde. Kritisch setzte sich Weiland auch mit dem geplanten Verkauf der Rohrbacher Mühle, der Decke in der Schulturnhalle, dem zu kleinen Feuerwehrhaus und dem fehlenden Lärmschutz an der Autobahn auseinander. Und dann der neue Ortsvorsteher. Der wisse echt alles, habe "bombige Kontakte" und beziehe seine Weisheiten aus der Zeitung. Dabei könne die ehemals selbstständige Gemeinde doch stolz auf sich sein. Da müsse man einfach auch das erhöhte Verkehrsaufkommen akzeptieren. Die anderen Stadtteile hätten ja nichts zu bieten. Gut, vielleicht Wildschweine, die aus Saarbrücken vertrieben worden sind. Rohrbach hingegen habe einfach alles.