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"Tom & Sue" zu Gast im Hof der ehemaligen JVA in St. Ingbert

Kultursommer in St. Ingbert : Internationale Hits und deutsche Evergreens

Der brütenden Hitze war es wohl geschuldet, dass das musikalische Gastspiel von „Tom & Sue“ im Hof der JVA nicht mehr Zuhörer fand.

„Ich weiß, wo ich war“ schallte es am Freitagabend durch den Hof der ehemaligen Justizvollzugsanstalt (JVA) in der Alten Bahnhofstraße. Die Person, die diese Worte von sich gab, hatte mit dem alten Knast nichts zu tun. Vielmehr sang die Heusweiler Künstlerin Sue Lehmann gerade im Rahmen der Reihe „Kultursommer in der JVA“ des Kulturamtes einen Titel aus dem Musical „Hairspray“. Die ungewöhnliche Kombination von Musical-Titeln, Evergreens und das Ganze im Rahmen eines Open Air bei sommerliche Hitze lockte eine überschaubare Anzahl in den Ex-JVA-Hof.

„Wir sind froh, dass wir wieder singen dürfen“, teilte Sue Lehmann ihre Freude über das Ende des Lockdown für die Kultur von vor einigen Wochen mit, ehe sie „Welcome to the Cabaret“ („Cabaret“) schmetterte. Denkt man an Musical-Songs, dann kommt man schnell auf den Namen des weltberühmten Komponisten Andrew Lloyd Webber. Auch Sue Lehmann, die bei diesem Konzert von ihrem Mann Tom (Keyboard/Gesang) begleitet wurde, kam nicht an ihm vorbei. Auch mit der deutschen Version „Mondlicht“ („Memory“) aus dem Musical „Cats“ erfreute die Lehmann die Fans im Ex-JVA-Hof. „Jetzt wird’s romantisch hier“, kündigte Sue Lehmann einen Titel von Frank Sinatra an.

Evergreens kamen an diesem Abend keinesfalls zu kurz. So rief die Sängerin den Klassiker von Hildegard Knef „Für mich soll‘s rote Rosen regnen“ und „Nur nicht aus Liebe weinen“ (Zarah Leander) in Erinnerung. „Er verfolgt mich bereits seit 30 Jahren“, kommentierte die Künstlerin das Werk. So ganz war nicht klar, ob sie damit nicht auch ihren Ehemann meinte. Auch ihn kennt sie schon so lange. Seit 28 Jahren machen sie gemeinsam Musik, teilte die Sängerin mit. Tom Lehmann griff vor allem bei diesem Titel so richtig leidenschaftlich in die Tasten. „Wenn es in den Füßen juckt, muss es oben raus“, meinte Sue Lehmann scherzhaft und forderte das Publikum nicht nur einmal auf mitzuklatschen. Ein Angebot, das nur wenige der Besucher ablehnten. Und eine gute Grundlage, um „Weine nicht um mich Argentinien („Evita“) genauso zum Besten zu geben wie „Ich gehör‘ nur mir“ („Elisabeth“). Mit Letzterem sorgte die Lehmann für Gänsehaut. Der tosende Applaus war dem Duo danach mehr als sicher.

Es folgte bei „So ein Mann“ (Margot Werner) ein engagiertes Fingerschnippen und Mitklatschen. Wenn man die klassischen, deutschen Schlager wieder in Erinnerung ruft, kommt man irgendwann an einem erst recht nicht vorbei: „Ich will keine Schokolade“ von Trude Herr. Für diese Leckerei wäre es, angesichts der hohen Temperaturen, auch viel zu heiß gewesen. „Bravo!“-Rufe erzielte das Lied an diesem Abend dennoch. Hätte man die Augen beim nächsten Titel geschlossen, so hätte man das Großstadtfeeling von „New York, New York“, dem Frank Sinatra-Klassiker, durchaus spüren können. Neben deutschen gab es auch etliche englische Titel zu Gehör, die längst in Vergessenheit geraten sind. So Tina Turners „Simply the Best“, „Freedom“ (Blues Brothers) und „Tanz ins Licht“ („Dancing Queen“, Abba). Bei Letzterem sprang bei einem Pärchen der Funke so sehr über, dass es die beiden auf die Tanzfläche zog. „Die Paare dürfen ihre Figur üben, wir haben ja keine Decken“, scherzte Sue Lehmann, als sie „Time of my Live“ („Dirty Dancing“) ankündigte und dabei auf die Hebefigur aus dem Kino-Tanz-Film mit Patric Swayze und Jennifer Grey anspielte. Als nach „I will always love you“ („Bodygoard“) Ovationen im Stehen folgten, musste das Duo mit „Non, je ne regrette rien“ (Edith Piaf) noch eine Zugabe geben. „Sie hat ja ganz schön Temperament. Ich mag es, wie sie singt“, gestand Erika Lehmann aus Homburg in der Pause ihre Begeisterung gegenüber unserer Zeitung.“