Theater fast mitten im Publikum

Die Erinnerung an Sehnsucht, Liebe und Tod waren die Hauptinhalte der einstündigen Aufführung. Gezeigt wurde ein Schauspiel von Marguerite Duras. Zimmertheater-Atmosphäre des Spielraumes vermittelte Intimität und brachte die Schauspieler dem Publikum näher.

. Bei der Kleinen Bühne der Biosphären-Volkshochschule St. Ingbert stand am zurückliegenden Wochenende ein ganz und garnicht alltägliches Stück auf dem Spielplan. "Savannah Bay", ein Schauspiel von Marguerite Duras . Die 1996 in Paris verstorbene Schriftstellerin zählte zu den bekanntesten Autoren Frankreichs. Das Stück kann man als eine Hommage an die Schauspielerin Madeleine Renaud betrachten. Duras führte bei der Uraufführung in Paris 1983 selbst Regie. Madeleine Renaud und Bulle Ogier waren dabei die Protagonisten.

Die Autorin bleibt auch bei dem in der Villa Martin aufgeführten Werk ihrer Linie treu: Die Erinnerung an Sehnsucht, Liebe und Tod prägten auch hier die einstündige Aufführung. Die junge Frau wurde von Nicole Haag und Madeleine von Ursula Ochs-Steinfeld gespielt. Madeleine, früher eine berühmte Schauspielerin, kommt mit dem Alter und seinen Begleiterscheinungen nicht zu recht. An vieles erinnert sie sich nicht mehr. An manches nur noch schemenhaft. Eine junge Frau ist es, die ihr hilft, wichtige Details wieder in Erinnerung zu rufen, um sich an die Höhepunkte ihrer Karriere zu erinnern und gleichzeitig die schönen Seiten des Lebens wieder greifbar zu machen.

Den beiden Protagonisten der Kleinen Bühne gelingt dies mehr als gut. Man gewann den Eindruck, bei der gespielten Handlung stellenweise live dabei zu sein und mit den Frauen gemeinsam Freud und Leid zu erleben. Zwei mögliche Gründe dürften hier mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Rolle gespielt haben. Da ist zum einen die Zimmertheater-Atmosphäre des Spielraumes. In Ermangelung einer professionell-erhöhten Bühne wurde diese durch entsprechende Requisiten dargestellt. Und das schafft eine gewisse Nähe zum Zuschauer, die fast schon ein wenig an Intimität grenzt.

Da wären auch die beiden Schauspielerrinnen, bei denen man irgendwann an den Punkt kommt und grübelt, ob das nicht doch Mutter und Tochter sein könnte. Ein Indiz dafür, dass Haag und Ochs-Steinfeld in ihrer beider Rolle aufgehen und diese quasi die Handlung zu leben scheinen. Bei dem Stück bleibt dennoch einiges unklar. Wobei sich die Vermutung aufdrängt, Marguerite Duras habe das so gewollt. Bei allen Rätseln kann es schnell geschehen, dass man die Grenze zur Verwunderung erreicht. Und damit ist man irgendwie nahe an Madeleine. Angesichts der hohen Sprachgewandtheit von Duras, könnte man meinen, dass genau das beabsichtigt gewesen sei.

War der Tod des jungen Mädchens nach der Niederkunft Selbstmord? Handelt es sich dabei um ihre eigene Tochter Savannah? Ist die junge Frau, die sie besucht, ihre Enkeltochter? Lange sollte man sich als Zuschauer damit nicht aufhalten, sonst verpasst man den darauffolgenden Inhalt. Denn das Stück hat auch eine gewisse Dynamik. Schließlich will sich Madeleine ihrer Vergangenheit vergewissern. Die Zeit ist zu schnell vergangen. Madeleine scheint ihr nachzutrauern.

Weitere Mitwirkende: Margit Diehl (Sprecherin), Katrin Fischer (Souffleuse), Arnulf Ochs (Tontechnik) und Albrecht Ochs (Regie).