Teklu will endlich durchstarten

Teklu Temesgen ist glücklich, in Deutschland zu sein. Er floh vor der Diktatur in Eritrea und will so schnell wie möglich eine Ausbildung beginnen und einen Sprachkurs machen. Doch die Entscheidung über seinen Asylantrag steht immer noch aus.

"Hier ist Frieden." Mit einem einzigen Satz macht Teklu Temesgen, 28, aus Eritrea klar, warum er die lange Flucht auf sich genommen hat. Im Saarland will er neu anfangen. Geflohen sei er vor dem diktatorischen Regime und dem Militärdienst in seiner Heimat. In Eritrea wisse man nie, wie lange dieser Dienst dauert. Auch die Meinungsfreiheit sei stark eingeschränkt. Deshalb sind viele Eritreer auf der Flucht.

Sein Vater starb beim Militär, als er noch sehr klein war, sagt Temesgen. Mit seiner Mutter habe er schon vor einigen Jahren seine Heimat verlassen. Über Äthiopien landeten sie zunächst im Sudan. In dem muslimischen Land sei es für Christen aber nicht einfach, sagt Temesgen. Also ging die Flucht über den Tschad und Libyen weiter. Dort habe er vier Jahre lang gearbeitet und sich das Geld für die Überfahrt mit dem Schiff nach Italien verdient. Inzwischen war auch seine Mutter tot. Der Vollwaise musste sich alleine durchschlagen. In Italien und Frankreich habe er auf der Straße geschlafen, berichtet Temesgen. Schließlich sei er vor 18 Monaten in Saarbrücken, dann in der Landesaufnahmestelle Lebach gelandet.
Berufsziel: Automechaniker

Er ist einfach sehr dankbar, ein Dach über dem Kopf zu haben. Jetzt wohnt er in einem Haus in St. Ingbert mit anderen Eritreern und Syrern zusammen und hat ein eigenes Zimmer. Sein Ziel ist klar: "Ich will eine Ausbildung machen, am liebsten als Automechaniker. Es ist langweilig, nur zuhause zu sitzen." Sein großes Problem: Er warte immer noch auf die Anerkennung seines Asylantrags. Deshalb dürfe er weder arbeiten noch einen Integrationskurs machen. Wenigstens als Ein-Euro-Jobber könne er zurzeit in St. Ingbert ein wenig Gartenarbeit machen.

Auch ohne Integrationskurs spricht er schon ganz gut Deutsch. Dabei hat unter anderem der Sport geholfen. Temesgen ist ein begeisterter Läufer und hat sich der Laufgemeinschaft (LAG) Saarbrücken angeschlossen. Dienstags und samstags fährt er zum Training im Stadtwald extra von St. Ingbert nach Saarbrücken. Bei der LAG kümmert sich Jürgen Tubbesing um Temesgen und einige seiner Landsleute, ebenfalls sehr talentierte Läufer. "Jürgen ist wie ein Vater für mich", sagt der Eritreer. Wenn es ein Problem gibt, helfe er sofort. Temesgen fühlt sich nicht nur in dem Verein sehr gut aufgenommen: "Die Saarländer sind sehr nett. Ich bin sehr froh, hier zu sein." Deshalb wolle er auch im Saarland bleiben.

Der junge Mann möchte jetzt so schnell wie möglich Arbeit finden, irgendwann eine eigene Wohnung haben - und natürlich hofft er auf die große Liebe. Eine Rückkehr nach Eritrea ist für ihn ausgeschlossen. Das friedliche Leben hierzulande schätzt er sehr. "Zuhause würden sie mich sofort festnehmen", meint der 28-Jährige ernst.

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