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Tegist Kraus wollte nie eine Sonderstellung

St. Ingbert : Tegist Kraus wollte nie eine Sonderstellung und ist gut integriert

Als "ein Beispiel absolut gelungener Integration" bezeichnete kürzlich eine Lehrerin des St. Ingberter Albertus-Magnus-Gymnasiums die Geschichte einer jungen gebürtigen Äthiopierin.

Tegist Kebede Kraus ist mittlerweile 19 Jahre alt. Und schon seit 15 Jahren - am 27. Januar jährte sich das Datum - lebt sie in einer St. Ingberter Familie. Tegist besuchte hier den Protestantischen Kindergarten Christuskirche, verbrachte ihre Grundschulzeit in der Schillerschule und ging dann aufs AMG, wo sie dieses Jahr ihr Abitur macht. Auch in verschiedenen Vereinen engagiert sich Tegist Kraus. Eine ganz normale Geschichte eines ganz normalen Mädchens. Tegist Kraus ist es eigentlich nicht so recht, wenn man im Zusammenhang mit ihr von "gelungener Integration" spricht, denn "die beste Integration ist die, die man gar nicht merkt", sagt sie mit Nachdruck. "Wenn man sich jeden Tag bewusst wäre, dass man sich integrieren muss, dann wäre das sehr hart", gibt Tegist zu bedenken. Sie habe nie Probleme, als dunkelhäutiges Adoptivkind hellhäutiger Eltern Anschluss und Freunde zu finden. "Ich selbst hatte nie Hemmungen, Menschen mit einer anderen Erscheinungsform zu begegnen. Das ist ja auch irgendwie klar, weil ja auch meine Eltern hellhäutig sind", erinnert sich Tegist. Selbstverständlich sei ihr im Kindergartenalter die normale Neugierde der Kinder begegnet. Doch sie vergleicht das eher mit der Neugierde, "wie man auch auf ein Kind mit Brille, mit orangenen Haaren oder Zahnspange zugeht." Wenn dann doch mal ein beleidigender Kommentar bezüglich ihrer Hautfarbe gekommen sei - was sie natürlich sehr verletzt habe -, habe ihr die Mutter geraten, genau so zurückzuschießen. "Doch ich bin da als Kind wohl in einer richtigen Zwickmühle gewesen. Denn wenn ich etwas zur hellen Haut der anderen Kinder gesagt hätte, hätte ich ja auch meine Eltern und meinen Bruder beleidigt." Doch dank der Unterstützung ihrer Familie habe sie nie wirkliche Probleme gehabt. "Ich bin selbst relativ aufgeschlossen. Das macht es auch für das Gegenüber einfacher. Ich habe nie eine Sonderstellung eingenommen." Wie gut Tegist integriert ist, zeigt sich in ihren zahlreichen Aktivitäten. Sie ist musisch sehr begabt und ein wichtiger Part etlicher Musik-, Musical- und Theaterprojekte ihrer Schule. Und das zieht sich durch ihren Lebenslauf wie ein roter Faden. Sie lernte Blockflöte in der musikalischen Früherziehung, schloss mit neun Jahren Keyboard-Unterricht an und wechselte dann zum Klavier. Bis sie 17 war erhielt sie Unterricht, spielt aber immer noch regelmäßig. Tegist schauspielert leidenschaftlich, tanzt und sie singt auch - "hauptsächlich im Chor von Herrn Bleimehl". Selbstredend, dass Tegist auch etwas im Bereich Musik und Schauspiel studieren möchte. "Das Ziel ist klar, nur der Weg dorthin noch nicht so ganz." Doch nach ihrem Abi wird Tegist zunächst für ein Jahr als Au-Pair in die USA gehen, um danach drei Monate bei einer Entwicklungshilfe-Organisation in Äthiopien anzuschließen. "Ich hatte bisher noch nicht die Möglichkeit, wieder zurück ins Land meiner Geburt zurückzukehren. Meine Eltern haben mich zwar immer in dem Wunsch bestärkt, aber erst jetzt nach dem Abi kann ich unbelastet in das Land reisen und auch etwas mitnehmen."