Tagesmütter schließen Versorgungslücke

Tagesmütter schließen Versorgungslücke

In den St. Ingberter Kinderkrippen ist es voll – so voll, dass nicht einmal 35 Prozent aller ein- bis dreijährigen Kinder einen Platz finden, obwohl sie per Gesetz ein Recht darauf hätten. Was Eltern tun können, wenn sie für ihr Kind keinen Platz bekommen, und wie der Saarpfalz-Kreis als übergeordnetem Träger den Engpass beseitigen will, erklärt Klaus Ruffing, Leiter des Kreisjugendamtes.

An der gesetzlichen Vorgabe, für 35 Prozent der ein- bis dreijährigen Kinder in ihrem Beritt einen Krippenplatz zur Verfügung zu stellen, ist die Stadt St. Ingbert vorbei geschrammt. Die Plätze in den städtischen, kirchlichen und privaten Einrichtungen decken nur 29 Prozent ab, auch wenn die Tendenz steigend ist (wir berichteten).

Was ist eigentlich, wenn der dringend benötigte Krippenplatz nicht verfügbar ist? "Dann", sagt Klaus Ruffing, Leiter des Kreisjugendamtes, verschicken wir einen negativen Bescheid, gegen den die Eltern Widerspruch einlegen können. Doch so weit muss es nicht kommen. Ruffing erklärt, wie ein Kind trotzdem den ihm zustehenden Betreuungsplatz finden kann. "Wir schauen zunächst mit den Trägern vor Ort, ob es einen Platz gibt." Für den Fall, dass in der Kinderkrippe alle Plätze belegt sind - was laut St. Ingberter Stadtverwaltung derzeit Fakt ist, bekommt das Kreisjugendamt eine Frist gesetzt. Ruffing: "Wir haben dann zwischen zwei und sechs Monaten Zeit, um dem Kind einen Platz zur Verfügung zu stellen." Dabei setzt der Kreis auch auf Tagesmütter. "Alle bisher erstellten Gutachten gehen davon aus, dass ein Platz in der Tagespflege einen Krippenplatz ersetzen kann. Dieser Ansicht sind wir auch, obwohl um den gleichen Stellenwert derzeit gestritten wird."

Beim Stichwort Tagespflege prüft das Kreisjugendamt nach Ruffings Angaben alle Umstände ganz genau. "Wir müssen darauf achten, dass das Kind auch zu der Tagesmutter passt. Die Erziehungsmethoden der Pflegeperson und der Eltern müssen übereinstimmen. Andernfalls droht das Kind die Orientierung zu verlieren." Sechs Tagesmütter will der Kreis demnächst fest anstellen, sie sollen bis zu vier Kinder aufnehmen dürfen, wenn es die räumlichen Gegebenheiten zulassen. "Fünf wären erlaubt", sagt Ruffing, "aber so weit wollen wir aus Qualitätsgründen nicht gehen." Sehr wohl habe der Kreis darauf geachtet, dass Mütter, die eines oder mehrere Kinder zu Hause betreuen, entsprechend geschult wurden. Alle haben eine 160-stündige Schulung erfolgreich abgeschlossen und eine Pflegeerlaubnis des Kreises in der Tasche.

Damit sieht Ruffing den Saarpfalz-Kreis als übergeordneten Träger und die ihm zugehörigen Kommunen gut aufgestellt. Im Laufe des kommenden Jahres würden die Probleme ohnehin kleiner. Allein in St. Ingbert kommen durch die Neu- und Umbaumaßnahmen in Rohrbach (St. Johannes) und Mitte (St. Hildegard Plätze) 30 neue Plätze hinzu. "Wir gehen davon aus, dass wir mit der Tagespflege und den Plätzen, die derzeit entstehen, bis 2014 den Bedarf decken", so Ruffing.

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