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Tänzer bringen Närrinnen zum Kreischen

Tänzer bringen Närrinnen zum Kreischen

Bombenstimmung herrschte bei den Besucherinnen und Akteuren der „Stampesse“. Der Rohrbacher Carnevalsverein hatte zur Frauensitzung eingeladen. Für einen gelungenen närrischen Abend sorgte dabei vornehmlich das männliche Geschlecht.

Es ist schwierig, Stimmungen und Geräusche zu beschreiben. Doch wer sich ein Bild von der Frauensitzung des Rohrbacher Carnevalsvereins (RCV) "Die Stampesse" am Freitagabend machen will, stelle sich einfach hunderte Frauen vor, die schreien, als hätten sie gerade ein Paket von Zalando bekommen. Und das von Anfang an. Es war nicht unbedingt der Menstrip von Kenzo, weshalb die weiblichen Narren außer Rand und Band waren. Vielmehr schafften das die tanzenden, zum Teil wohlbeleibten Männer , wie die aus Bliesmengen-Bolchen mit den bunten Röckchen, die das Publikum auf eine Reise nach Mallorca mitnahmen.

Als Pam "Vambos" Anderson vor Moderatorin Christiane seinen "Knackarsch" zeigen musste, wäre so manche Frau blaß geworden, hätte sie ihr Gesicht nicht hinter einer Maske verborgen. Für die Zuschauerinnen auch immer wieder unfassbar, auf welch hohen Schuhen sich Nico Heib alias Angy sicher bewegt, diesmal nach dem Genuss von "Griechischem Wein" im "Bett im Kornfeld".

Angy begrüßte Tante Euli auf der Bühne, die gerade aus dem Schwimmkurs kam, der aber für sie eher zum Tauchkurs wurde, weil die Schwimmflügelchen nicht an den Armen, sondern einen Meter weiter unten saßen. Sie schwärmte immer wieder von einem Rosenblätterduftölcremepflegebad, in das sie auf einer ihrer Reisen stieg. Das Reisemitbringsel, eine Möwe, prangte quasi als Beweis auf ihrem Haupt. "Die ist Klasse", schwärmte eine Zuschauerin später von der alten Dame. Was wäre das Thema Sommer, Sonne, Strand und Meer ohne durchtrainierte Körper.

Die Betzebummler zogen tanzend als Boxer in den (Bühnen-)Ring und fast blank. Wenn sich die Närrinnen fragten, wie Tänzer "ge(n)macht" werden, mussten sie nur beim Losheimer Männerballett genauer hinschauen. Dessen Auftritt zeigte den Werdegang eines einfachen Urmannes zum grazilen Darsteller, mit Umwegen über Cancantänzerin, sterbende Schwäne und Holzhackerbuam. "Wenn ihr wollt, kommen wir nächstes Jahr nochmal wieder", so das Versprechen nach dem Schlussbild mit Mammut. Was für eine Frage! So etwas mögen die Mädels. Und sie wollten singen. Das konnten sie mit Wolfgang aus Rohrbach , der den Anton aus Tirol gab.

Schwieriger wurde es mit der Nachahmung bei den "Magic Artists". Feuerspucken, Akrobatik, Menschenpyramiden bauen und sportliche Tanzeinlagen begeisterten die Frauen, die hier lieber zuschauten als mitzumachen. Und schon war die ursprüngliche Sommer- zur Jubiläumsparty geworden, denn die Artisten feierten ihren 20. Geburtstag. "Wir sind bei eurer Sitzung schon mindestens 15 Jahre dabei", erinnerte sich Frontfrau Katja an die Anfänge bei der Frauensitzung, "wir sind sozusagen mit Rohrbach aufgewachsen." So wie Christiane Heib, deren Verein in dieser Session die dreimal elf Jahre voll macht. "33 Jahre, und ihr werdet es nicht glauben, ich war immer dabei."

Deshalb war der RCV auch in "extremer" Feierlaune, was sich nicht nur im Tanz der Stampesstrampler widerspiegelte. Zum Gratulieren kamen auch die Flowerboys aus Bebelsheim als Offiziere in ihrer "Ausgehuniform", die Danz-Deiwel aus dem "Wilden Westen" und das "Chaos (im Olymp)" machten die Windboys aus Herxheim komplett. An diesem Abend drückten die Besucherinnen in der Halle die Augen angesichts dieses "Durcheinanders" zu. Denn Männern, die tanzen können, wird so manches verziehen. Und jenen, die singen können, so wie Giovanni von "Da Vinci", lagen die Frauen zu Füßen. Nicht nur an Fasenacht.

Zum Thema:

Auf einen BlickAkteure auf der Bühne: Tanz/Show: Los Vambos von "Die Neandertaler" Bliesmengen-Bolchen, Betzebummler aus Humes, Stampesstrampler und Angy vom RCV "Die Stampesse", Magic Artists, Männerballett Losheim, Windboys vom Karnevalsverein Herxheimer Wind, Danz-Deiwel von den "Daalern" aus Neunkirchen, Flowerboys aus Bebelsheim, Menstrip von Kenzo; Bütt: Eulalia Schippenstiel; Musik: Wolfgang Heib vom RCV, Humba Buwe von der Stadtgarde Kaiserslautern, Giovanni Burgio von "Da Vinci", Volker Klein und Werner Fünffrock als "Der gute Ton". con