Suche nach des Stifters letztem Willen

Suche nach des Stifters letztem Willen

St. Ingbert. Für Ex-Oberbürgermeister Georg Jung ist es offensichtlich eine Frage der Ehre und der Selbstachtung. "Ich habe Herrn Bläse das Versprechen gegeben, die Stiftung auf einen guten Weg zu bringen", sagt Jung zu Gast in der SZ-Redaktion. In eigener Sache fügt er hinzu: "Ich habe keine Lust mehr, zerrissen und durch den Dreck gezogen zu werden

St. Ingbert. Für Ex-Oberbürgermeister Georg Jung ist es offensichtlich eine Frage der Ehre und der Selbstachtung. "Ich habe Herrn Bläse das Versprechen gegeben, die Stiftung auf einen guten Weg zu bringen", sagt Jung zu Gast in der SZ-Redaktion. In eigener Sache fügt er hinzu: "Ich habe keine Lust mehr, zerrissen und durch den Dreck gezogen zu werden." Sein Versprechen will er gegen alle Widerstände durchziehen. Unterstützung erfährt er dabei von Bärbel Kreft-Bootz, die seine Sicht der Dinge untermauert.Die "Erich-Ferdinand-Bläse-Stiftung für Wohlfahrtspflege Sankt Ingbert" mit einem Stiftungskapital von über drei Millionen Euro besteht seit März 2010. Der im Juli 2010 verstorbene Stifter war gebürtiger St. Ingberter, der seiner Heimatstadt im Alter etwas Gutes tun wollte. Die nötigen finanziellen Mittel dazu hatte er, mit dem ehemaligen OB, der ihn mehrfach in Wiesbaden besuchte, wurde er einig. Die Kommunalpolitik sprach zunächst von einem Glücksfall für St. Ingbert. Aber je näher der Oberbürgermeister-Wahlkampf im vergangenen Jahr rückte, desto mehr wurde auch die Bläse-Stiftung zu einem Politikum und Zankapfel. Zuletzt sorgte für große Aufregung, dass Jung durch eine Satzungsänderung bei der Stiftung Chef im Ring bleiben sollte für mindestens zehn weitere Jahre - auch ohne das Amt des Verwaltungschefs zu bekleiden, wie dies die erste Satzung vorsah. Der neue OB Hans Wagner sah darin ein infames Vergehen gegen den Stifterwillen, der die Stiftung doch in die Hände der Stadt, und nicht einer Privatperson habe legen wollen. Die Stiftungsaufsicht ist derzeit mit der Sache betraut. Um die Nebel zu lichten, die sich um die Stiftung und den Willen des großzügigen Stadtsohnes gelegt haben, hat Ex-OB Jung Bärbel Kreft-Bootz mit in die Redaktion gebracht. Sie hat Bläse in seinen letzten Lebensjahren begleitet und nach eigenen Worten auch die finanziellen Dinge geregelt. Keinen Zweifel lässt die Dame daran, was der Stifter gewollt habe: "Die Stiftung war sein Lebenswerk. Er hätte sie nie einer Person übergeben, die er nicht kennt." Bläse habe eine "Vertrauensvision" gehabt. Sein großes Vermögen anzulegen, habe den mit 97 Jahren verstorbenen Stifter sehr gefordert. Mit Georg Jung habe in seinen letzten Lebensjahren dieses Vertrauensverhältnis verbunden, das er sich für die Stiftung gewünscht habe. Die Bläse-Vertraute sagt weiter, weder der Stifter noch sie hätten einen Gedanken daran verschwendet, dass Jung keine weitere Amtszeit bekommen könnte. Deshalb habe sich auch niemand an der ersten Satzungsversion der Stiftung gestört, die den "jeweiligen Oberbürgermeister" zum Vorsitzenden des Stiftungsrates bestimmte. Jung fügt hinzu, Bläse habe die Stiftung aus "politischem Gezänk" heraushalten wollen und deshalb auch einer privatrechtlichen Stiftung den Vorzug gegeben. Er spricht von "Hybris" im Rathaus. Verblendung sei demnach, wenn sich Dritte anmaßten, besser als er oder eben Bärbel Kreft-Bootz zu wissen, was des Stifters Wunsch und Wille gewesen sei.

Aus einem Gutachten von Professor Rudolf Wendt zur Satzungsänderung der Bläse-Stiftung geht hervor, dass Kreft-Bootz ihre Haltung mit einer "eidesstattlichen Versicherung" bekräftigt hat. Ein weiteres Gutachten - vom Innenministerium im Stiftungsstreit gewünscht - kommt zu dem Schluss, die Satzungsänderung sei zulässig. Georg Jung geht davon aus, die Stiftungsaufsicht, beim Innenministerium angesiedelt, werde in den kommenden Wochen über die Rechtmäßigkeit der Satzungsänderung entscheiden.

Hintergrund

In der Präambel zur veränderten Satzung der Bläse-Stiftung heißt es: "Aus der Begegnung zwischen Erich Ferdinand Bläse und Georg Jung erwuchs Vertrauen und eine Freundschaft, in deren Konsequenz sich E.F. Bläse entschloss, in Sankt Ingbert eine Stiftung der Wohlfahrtspflege zu gründen, deren Geschicke er in die Hände Georg Jungs legte." mbe