Stückeauswahl zum Reger-Jahr

Vor 100 Jahren starb der Komponist Max Reger. Das Repertoire eines seiner Konzerte in Saarbrücken wurde beim Neujahrskonzert in der St. Ingberter Christuskirche erneut gespielt. Auch die Zugabe stellte eine Beziehung zu Reger her.

Das Neujahrskonzert in der Christuskirche, zu dem der Förderverein für Kirchenmusik eingeladen hatte, war wie ein musikalisches Überraschungsei. Die Veranstaltung bot zwar nichts zum Spielen und Naschen, aber es lohnte sich für die Gäste ebenfalls in mehrfacher Hinsicht. Die drei Schweizer Künstler, Sopranistin Muriel Schwarz, Violinistin Noëlle Grüebler und Pianist Raimund Wiederkehr waren durch ihr Können schon Grund genug, das Konzert zu besuchen. Die Stückauswahl tat ihr Übriges, das Konzert zu einem Erfolg werden zu lassen. Dabei war sie alles andere als zufällig. 2016 ist Reger-Jahr, denn der Komponist Max Reger verstarb vor 100 Jahren. Er gab nur vier Monate vor seinem Tod noch ein Konzert in den heutigen Räumen des Landtags in Saarbrücken. Eines, bei dem er mit zwei befreundeten Musikern eben jenes Repertoire, sogar in derselben Reihenfolge, spielte, wie es am Sonntag zu erleben war. Reger selbst hatte die heutige Landeshauptstadt als damaliges Tourneeziel aktiv ins Gespräch gebracht, nachdem ihn 1912 die Schritte erstmals in die Pfalz und nach Saarbrücken führten und er die Auftritte als "großen durchschlagenden Erfolg" wahrnahm.

Der saarpfälzische Organist Christoph Jacoby hat das Programm des damaligen Konzerts rekonstruiert und bezahlte die geladenen Künstler für den Sonntagabend aus eigener Tasche. Aus Liebe zur Musik, aber auch, weil das Benefiz-Konzert mit Spenden der Schnappacher Kirchengemeinde finanziell unter die Arme greifen soll.

Die Sonate für Violine und Klavier G-Dur op. 78 von Johannes Brahms spielte Grüebler sehr gefühl- und dennoch kraftvoll, seine Lieder wie "Da unten im Tale", "Der Jäger im Walde" und "Erlaube mir fein's Mädchen" sang Schwarz empfindsam, wie es der Hochromantik eigen ist. Die Darbietung Robert Schumanns "Lied der Suleika" nach einem Goethe- und "Schneeglöckchen" nach einem Rückert-Text ließen die Zuhörer musikalisch in eine Epoche eintauchen, für deren späteste Phase, die Spätromantik , Reger exemplarisch stand. Zum Jubiläumskonzert in der Christuskirche erklangen seine Sonate für Violine und Klavier c-Moll op. 139, die ein Jahr vor Regers Tod in seiner Wahlheimat Jena uraufgeführt wurde, und vier Lieder.

Sonate für Violine und Klavier

Christoph Jacobi stellte den Komponisten vor, ließ dessen Lebensstationen vorbei ziehen, gab Einblicke in dessen Charakter und seinen speziellen Humor und beschrieb dessen Musik als teilweise "schwere Kost für Instrumentalisten, aber auch für Zuhörer". Selbst die Zugabe stellte eine Verbindung zu Reger her, weil das Stück von einem wichtigen Vertreter der Schweizer Spätromantik , Othmar Schoeck, stammte, der Regers Schüler war. Die musikalische Mischung, die laut Jacoby dem Publikum "einen Eindruck davon vermitteln sollte, wie damals Kammermusik zusammengestellt wurde", fand großen Anklang bei den Gästen.

Diese gaben 1030 Euro, mit denen das strukturelle Haushaltsdefizit der Kirchengemeinde Schnappach, die vom Pfarramt Christuskirche mitbetreut wird, ausgeglichen werden kann. Die Spende der Benefizkonzert-Besucher, für die sich deren Presbyter Frank Reppert bei Gästen und Musikern gleichermaßen bedankte, macht ein Viertel des Gesamthaushaltes der Schnappacher Kirchengemeinde aus. Das Defizit ergibt sich wesentlich aus der neuerlichen Auflage der Landeskirche, dass Kirchengemeinden eine "Investitionsrücklage" für unvorhergesehene Ausgaben bilden müssen. Schnappach ist eine der kleinsten Kirchengemeinden der Pfälzischen Landeskirche. "Wir müssen uns als große Schwester was einfallen lassen, um sie am Leben zu halten", so Pfarrer Fred Schneider-Mohr im Anschluss an das Konzert.