Stadtrat vertagt Abriss-Debatte

Der Schornstein mit dem „Becker“-Schriftzug soll nach dem Willen von Innovationspark-Geschäftsführer Stefan Braun fallen. Abplatzende Splitter seien gefährlich. Der Stadtrat aber hat eine Genehmigung vertagt, weil er die Argumente des Denkmalschutzes hören will.

Der St. Ingberter Stadtrat hat die Hoffnungen Stefan Brauns nicht erfüllt. Der Geschäftsführer des Innovationsparks Am Beckerturm hatte in der Sitzung am Dienstagabend (die SZ berichtete bereits) keinen Zweifel daran gelassen, dass er einen Abriss des Stadtbild prägenden Hochkamins auf dem Becker-Areal als unumgänglich und dringlich ansieht. "Gefahr im Verzug" lautet das Stichwort. Braun hatte Bruchstücke des Schlotes dabei, wie sie nach seiner Auskunft vermehrt seit dem vergangenen Winter von dem 55 Meter hohen Gebilde absplitterten und so eine Gefahr für jeden Passanten darstellten.

Die Mehrheit des Stadtrates indes will sich in der Frage Abriss oder Sanierung nicht drängen lassen. Deshalb hat der Rat das Thema mit großer Mehrheit vertagt. Die Landesdenkmalschützer sollen bei einer Sondersitzung ihren Standpunkt erläutern. Eine Tischvorlage aus dem Hause des Kultusministeriums kam so manchem Ratsmitglied nämlich spanisch vor. Erklärte die Denkmalschutz-Behörde darin doch einerseits, sie betrachte den Schornstein als Teil des Brauerei-Ensembles als schützenswert, andererseits schloss sie aber mit der Feststellung, sie sehe "zur Genehmigung des Abbruchs keine Alternative". UCD-Sprecher Markus Gestier empörte sich: "Man stiehlt sich hier offensichtlich aus der Verantwortung." Sein Fraktionskollege, Bürgermeister Rainer Hoffmann, sprach gar von einer "Unverschämtheit", wie die Landesbehörde agiere. Geht es doch letztlich um die Frage, wer bei geschätzten Sanierungskosten von 480 000 Euro welchen Beitrag leisten könnte. Innovationspark-Geschäftsführer Braun jedenfalls sagte: "Das Geld habe ich nicht." Die Möglichkeiten eines Erhalts auszuloten war auch Bestreben von SPD-, CDU- und Grünen-Fraktion. Dabei bekam OB Hans Wagner Schelte für eine im Denkmalamts-Schreiben ausgewiesene Äußerung, er schätze die städtebauliche Bedeutung des Objekts nicht sonderlich hoch ein. Thomas Berrang (SPD) fand die Äußerung "kühn", Markus Hauck (CDU) sagte: "Ich finde das schade." Der Verwaltungschef sah seine Worte aus dem Zusammenhang gerissen. Er habe auf die Haushaltslage hingewiesen und den Turm als wichtiger bezeichnet. Jürgen Berthold (Grüne) kritisierte die Denkmalschützer wegen einer "Kehrtwende innerhalb weniger Tage". Heinz Dabrock (Familien-Partei) fragte nach, ob die Statik des Schlotes in Mitleidenschaft gezogen sei. Braun verneinte dies. Hauck verwies zudem auf den Wunsch des Ortsrates, in Verhandlungen für einen Ensemble-Schutz einzutreten.

Brauns Argumenten schloss sich hingegen die FDP an. Ihr Sprecher Andreas Gaa: "Eine so teure Sanierung ist für einen privaten Eigentümer nicht zumutbar." Ähnlich Reinhard Ottlik (Freie Wähler): "Wir können schon jetzt die Debatte beenden, wir haben kein Geld." Eigenwillig die Äußerung von Oliver Kleis, Linke. Der Schornstein sei schön, um eine rote Fahne daran zu hissen. Da keine Finanzierung erkennbar sei, solle man "das Ding abreißen".