Staatstheater auf der Schmelz

Knapp zwei Monate lang wird die Industriekathedrale Alte Schmelz zur festen Spielstätte für das Saarländische Staatstheater. Für die rund 30 Aufführungen wurde das historische Ambiente der Veranstaltungshalle in St. Ingbert theatertauglich aufgemöbelt. Zwei „große Premieren“ erwarten dort die Besucher: ein Märchen-Schauspiel und eine Oper.

Dagmar Schlingmann, die Generalintendantin des Staatstheaters (oben) mit einem Plakat, auf dem Starkoch Christian Rach für die Aufführungen in der Industriekathedrale Alte Schmelz in St. Ingbert (unten) wirbt. Fotos: Oliver Dietze/dpa/Stadt St. Ingbert.

. Das Große Haus des Saarländischen Staatstheaters (SST) in Saarbrücken wird noch bis November grundsaniert. Deshalb wird das Programm des Theaters bis dahin "außer Haus" an verschiedenen Spielstätten in der Region aufgeführt. Für die Wochen bis zur Sommerpause ab Anfang Juli hat das Staatstheater aber einen festen Spielort: die Industriekathedrale Alte Schmelz in St. Ingbert. Für die Zeit als große Bühne des Saarlandes wurde die Industriekathedrale in den vergangen Tagen aufwendig ausgestattet. Die ehemalige Mechanische Werkstatt ist derzeit in zwei Spielflächen geteilt - eine für das Schauspiel, eine für das Musiktheater. Zu beiden Hallenhälften gehört jeweils eine große Stahltribüne. Diese bieten beide etwa 500 Besuchern Platz (zum Vergleich: das Große Haus des SST hat 900 Plätze). Freuen dürfen sich die Theaterfreunde bis zum 7. Juli in St. Ingbert auf etwa 30 Aufführungen, die ein breites Repertoire abdecken, wie Dagmar Schlingmann am Dienstag bei einer Pressekonferenz in der Industriekathedrale ankündigte. Mit im Programm sind nach Angaben der Generalintendantin des Staatstheaters auch "gleich zwei große Premieren". Zu ihnen zählt an diesem Samstag, 18. Mai, um 19.30 Uhr die Uraufführung des Stückes "Das kalte Herz", die allerdings nach Angaben des Staatstheaters schon ausverkauft ist. Dieses Märchen für Erwachsene - von Autorin Rebekka Kricheldorf nach Wilhelm Hauff geschrieben und begleitet von Live-Musik der schwedischen Band "Next Stop: Horizon" - wird jedoch ab 22. Mai noch zwölf Mal in St. Ingbert gezeigt. Die zweite Premierenaufführung in der Industriekathedrale ist am Samstag, 8. Juni, eine Oper: "The Turn of the Screw" mit Musik von Benjamin Britten.

Insbesondere für diese Werke werden die Theatermacher die Spielstätte in St. Ingbert bewusst in ihre Inszenierungen einbeziehen, wie sie gegenüber der Presse betonten. Gerade die "Reibung ist reizvoll, die entsteht, wenn ein Märchenstoff auf einen Industriestandort trifft", sagte Erich Sidler (Regisseur von "Das kalte Herz"). Und auch Beate Baron (Regisseurin "The Turn of the Screw") will das "Pfund der Halle" nutzen: "Hier sind die Zuschauer der Bühne und den Darstellern ohne Orchestergraben ganz besonders nahe." Die Intendantin Dagmar Schlingmann unterstrich aber nicht zuletzt einen lokalen Akzent der St. Ingberter SST-Tage. Bei dem Schlagzeugkonzert "Percussion under construction", das am Sonntag, 9. Juni, 18 Uhr, und am Montag, 24. Juni, 19.30 Uhr, ansteht, wird auch die Bergkapelle St. Ingbert mitwirken. Weitere Aufführungen in der Industriekathedrale sind das Musikkabarett mit Konrad Beikircher am 29. Mai sowie sechs Spieltermine der Operettengala "Lieber reich, aber glücklich" ab dem 25. Mai.

Zur Halbzeit der "außer Haus"-Gastspiele zeigten sich die Verantwortlichen des Staatstheaters rundum zufrieden mit deren bisheriger Resonanz beim Publikum. "Wir merken zudem, dass die Inszenierungen außerhalb unseres Stammhauses Besucher ansprechen, die sonst selten oder gar nicht ins Theater gehen", meinte Dagmar Schlingmann. Und dieses neue Interesse für die Bühnenkunst erhofft man sich auch für die "Spielzeit" in St. Ingbert.

Karten fürs Theater in der Industriekathedrale: Vorverkauf unter Tel. (06 81) 30 92-4 86 oder Online-Kartenverkauf unter www.saarlaendisches-staatstheater.de.