St. Ingberter üben harsche Kritik am Heiligabend-Einkauf

Shoppen an Weihnachten? : Deutliche Kritik am Heiligabend-Einkauf

Festtag am Sonntag: St. Ingberter bringen wenig Verständnis dafür auf, die Geschäfte an diesem Tag zu öffnen.

Diskussion um den Einkauf an Heiligabend: Denn diesmal fällt dieser Termin, den so manch einer ohnehin bereits als kompletten Feiertag verbucht, auf einen Sonntag. Einige würden gern dennoch an diesem Tag zwischen 9 und 14 Uhr öffnen. Gewerkschaften laufen Sturm. Die SZ startete eine Umfrage bei Bürgern und Händlern in St. Ingbert. Wie stehen sie dazu? Würden sie gar selbst diese Stunden nutzen, um letzte Weihnachtseinkäufe zu erledigen?

Der Vorsitzende von Handel und Gewerbe in St. Ingbert, Nico Ganster, sagte gestern auf Anfrage unserer Zeitung: „Bei aller Kommerzialisierung sehe ich es so, dass die Mitarbeiter es verdient haben, an diesem Heilig Abend wie 90 Prozent der Bevölkerung frei zu haben.“

Auch Christina Wieth, Initiatorin der Flüchtlingshilfe in St. Ingbert und hiesiges Stadtratsmitglied, sagte: „Grundsätzlich bin ich der Meinung, es ist unnötig an solch einem Tag zu öffnen. Man kann seine Sachen vorher kaufen und so können auch die Einzelhandelskaufleute in Ruhe feiern.“ Außerdem habe ein Freund, der im Einzelhandel arbeitet, berichtet, dass es in den vergangenen Jahren an Heilig Abend immer ruhiger wurde und die Kunden ihre Einkäufe überwiegend am 23. Dezember erledigt hätten.

Der gleichen Meinung ist auch die in Rentrisch lebende Tina Lessmeister-Bastian. „Diese Einzelhandelskaufleute freuen sich, an solch einem Tag auch mal frei zu haben. Wenn man was vergessen hat, improvisiert man eben oder bittet den Nachbarn um Hilfe.“ Das sieht auch ihre Mutter Inge Lessmeister so.

Stadtmarketing-Mitarbeiterin Julia Haberer-Settele schließt sich dem an. „Es sei jedem gegönnt, an diesem Tag mal frei zu haben.“

Juwelier Johannes Huber bezeichnet die Situation als „zweischneidige Sache“. Er sagte: „Der Händler, der aufmachen würde an solch einem Tag, um für seine Kunden da zu sein, gelte sicher als gierig. Der, der nicht mitmachen würde, würden es die anderen tun, dem würde man nachsagen, er habe es nicht nötig.“ Alles in allem betonte aber auch Huber, dass es für die Mitarbeiter schön sei, an diesem Tag frei zu haben. Er glaubt auch, wenn jemand öffnen würde, dass dann nicht viel los sein. Unter dem Strich besteht für den Juwelier letztlich keine Notwendigkeit, dass Geschäfte an diesem Tag öffnen.

Christina Wieth. Foto: Rolf Ruppenthal
Julia Haberer-Settele. Foto: Haßdenteufel
Johannes Huber. Foto: Jung
Tina Lessmeister-Bastian. Foto: handschuher
Noch letzte Besorgungen an Heiligabend erledigen, auch wenn dieser auf einen Sonntag fällt? Daran scheiden sich die Geister. Foto: dpa/Caroline Seidel

Auch Ortsvorsteher Ulli Meyer hat sich in dieser Sache zu Wort gemeldet: „An Weihnachten sollten die Lebensmittelgeschäfte in St. Ingbert geschlossen bleiben“, appelliert er an die Supermärkte in St. Ingbert. Auch wenn dem Lebensmittelhandel gesetzlich die Möglichkeit zusteht, am Morgen des Heiligen Abends die Geschäfte geöffnet zu lassen, sollten sie aus Sicht des Ortsvorstehers geschlossen bleiben. Hierfür gäbe es zwei Gründe: zum einen gehöre Mama oder Papa am Sonntagmorgen an Weihnachten nicht an die Kasse im Supermarkt, sondern der Familie zu Hause. Zum anderen verdiene Weihnachten als eines der bedeutendsten christlichen Hochfeste eine besondere Achtung. Nachdem nun Rewe und Lidl erklärt hätten, am Morgen des Heiligen Abends (Sonntag) die Geschäfte nicht zu öffnen, appelliert Ortsvorsteher Ulli Meyer die übrigen Lebensmittelgeschäfte in St. Ingbert, diesem positiven Beispiel zu folgen.

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