St. Ingberter OB Wagner täuscht Öffentlichkeit bei Nachhaltigkeitspreis

Nachhaltigkeitspreis in St. Ingbert : Die Preisverleihung, die es nie gab

Angeblich hat St. Ingbert schon zwei Mal den Deutschen Nachhaltigkeitspreis gewonnen. Doch das ist nicht wahr.

Es war Mitte Dezember des vergangenen Jahres, als die Sensation aus dem Rathaus die Medien erreichte – inklusive Foto. Mit einem Oberbürgermeister, der vor Stolz fast zu platzen schien. Der Grund: St. Ingbert hatte gerade den Deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie „Stadt mittlerer Größe“ verliehen bekommen, und zwar in Düsseldorf (wir berichteten). Dieser Preis wohlbemerkt ist nicht irgend eine Auszeichnung. Er prämiert – bedacht mit der stolzen Summe von 30 000 Euro – vorbildliche Leistungen in Sachen Nachhaltigkeit - beispielsweise in der Forschung, in Wirtschaftsunternehmen und eben auch in Städten und Gemeinden. Es ist die größte Auszeichnung ihrer Art in Europa – mit Hunderten von Bewerbern und einer Gala-Abschlussveranstaltung mit einer Vielzahl von Gästen.

Ausgelobt wird der Wettbewerb von der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis – in Zusammenarbeit mit der Bundesregierung, kommunalen Spitzenverbänden, Wirtschaftsvereinigungen und Forschungseinrichtungen. Dabei geht es jedes Jahr um die Suche nach kreativen Lösungen. Um Ideen mit Vorbildfunktion für die Herausforderungen von morgen.

OB Wagner zeigte sich also vor einem halben Jahr als Gewinner „stolz auf seinen Mitarbeiterstab, der im Rathaus für Biosphären- und Nachhaltigkeitsangelegenheiten zuständig ist und stolz auf St. Ingbert und auf die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt“. Zum guten Schluss weist Wagner noch darauf hin, dass bei allem wirtschaftlichen Streben die Nachhaltigkeit stets im Blick zu behalten sei, denn: „Wir haben nur einen Planeten.“ Wobei: Das mit dem „einen Planeten“ ist so ziemlich das einzige, was in dieser Presseerklärung der Wahrheit entspricht.

Denn wie gerüchteweise schon länger zu hören war, kann sich der Mann im Chefsessel des St. Ingberter Rathauses lediglich mit bisher zwei Nominierungen schmücken. Das bestätigte diese Woche auf Nachfrage der Saarbrücker Zeitung die Pressestelle der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis. Dass St. Ingbert zwei Mal nominiert wurde, das sei aber auch nicht wenig, heißt es aus Düsseldorf. Es verhält sich im Grunde wie beim Filmpreis Oscar. So wurde etwa der Schauspieler Peter O’Toole (Lawrence von Arabien) acht Mal nominiert und hat nicht ein einziges Mal gewonnen.

Interessant auch zu wissen: Bei der ersten von bisher zwei Nominierungen fuhr Wagner mit Entourage nach Düsseldorf – mit Recht. Weil erst auf der dortigen Abschluss-Gala mit viel Glanz und Glamour die Sieger in den einzelnen Kategorien bekannt gegeben wurden. Ein Jahr später jedoch wurden die Modalitäten geändert, so dass die Bewerber schon etwa drei Monate vor der Preisverleihung erfuhren, ob sie Sieger oder Verlierer würden. Und obwohl St. Ingbert nicht den ersten Preis erhielt, ging’s erneut nach Düsseldorf zum Mitfeiern. Zur Gala Ende 2018 am Rhein fuhren laut Stadt-Pressestelle insgesamt fünf Leute. Kostenpunkt, inklusive Unterbringung und Verpflegung: 2800 Euro.

Nicht ohne Grund habe man zwei Mal den Deutschen Nachhaltigkeitspreis gewonnen, kommunizierte OB Wagner noch im Mai auf Facebook. Foto: mh

Die SZ hat natürlich auch mit Hans Wagner geredet. Und gefragt, warum er die Öffentlichkeit täuscht. Das sei falsch, sagte er, es seien immer drei Städte, die den begehrten Preis erhielten, und man habe sich nun mal „unter den nachhaltigsten Städten“ platziert. Und dafür habe man auch eine kleine Kristall-Stele erhalten. Dass die Fachleute im St. Ingberter Rathaus in den letzten Jahren enorm viel geleistet haben, um hier überhaupt mit vielen anderen Städten auf sehr hohem Niveau konkurrieren zu können, wird niemand ernsthaft bestreiten. Und möglicherweise ist man ja beim neuerlichen, gerade laufenden Nachhaltigkeitspreis 2020 erfolgreich. Und zwar so erfolgreich, dass 30 000 Euro dabei herausspringen. Die wiederum in ein umweltrelevantes Vorzeigeprojekt fließen könnten. Bis dahin aber bleibt es bei dem Sprichwort: Knapp vorbei ist auch daneben.

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