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St. Ingberter Grundschulen starten Digitalisierungs-Offensive an Südschule

Modellprojekt : Digitaloffensive in St. Ingberter Grundschulen

Ein regionales Bündnis will das Lernen an Grundschulen zukunftsfest machen. Das Projekt startet an der Südschule.

An der Südschule in St. Ingbert ist am Mittwochmorgen das Projekt „digitale Grundschule“ vorgestellt worden. Ziel des Projekts ist es, die Medienkompetenz von Kindern zu stärken, digitale schulische Abläufe zu vereinfachen und Möglichkeiten des Unterrichtens und Lernens auf Distanz zu schaffen. Mit dabei waren unter anderem Oberbürgermeister Ulli Meyer, die Beigeordnete Nadine Backes, Vertreter von ortsansässigen IT-Unternehmen sowie Verantwortliche des Vereins Lernwelt Saar. All diese Akteure haben sich zusammengeschlossen, um den Schulalltag von Grundschülern mit den Mitteln des 21. Jahrhunderts aufzuwerten.

Initiatorin des Projekts ist Katrina Simon, die für das St. Ingberter Software-Unternehmen SAP SE arbeitet. Dieses engagiert sich in Form sogenannter Schulbotschafter ehrenamtlich in lokalen Bildungseinrichtungen. Während der Schulschließungen zu Jahresbeginn mussten auch Simons Kinder per digitalem Ersatzunterricht beschult werden. „Da habe ich mit eigenen Augen gesehen, wie groß der Unterschied zwischen meiner eigenen voll-digitalisierten Arbeitswelt und dem Schulalltag ist“, sagt die Informatikerin. Diese Lücke wollte sie schließen.

Die Tragweite des Projekts war jedoch so groß, dass die Südschule allein nicht weiter kam. Deshalb wandte Simon sich an die St. Ingberter Stadtverwaltung. Diese stampfte innerhalb von nur zwei Monaten ein funktionierendes W-Lan an allen Grundschulen aus dem Boden. Außerdem fördert die Mittelstadt das Projekt finanziell, weitere Gelder kommen vom Land hinzu.

Der Verein Lernwelt Saar stellt die Bildungsplattform, die von dem St. Ingberter Unternehmen IMC (Information Multimedia Communication AG) professionell ausgebaut und weiterentwickelt wird. Die IMC hat erst kürzlich den Auftrag erhalten, die digitale Infrastruktur für Schulunterricht in ganz Neuseeland zu entwickeln. In St. Ingbert gehe es nun darum, „die Lernplattform mithilfe von künstlicher Intelligenz auf die individuellen Bedürfnisse von Kindern weiterzuentwickeln“, sagt Christian Wachter, Executive Board Member bei IMC. So könnten etwa Stärken und Schwächen einzelner Schüler gemessen und ihrem Niveau angemessene Übungsaufgaben vergeben werden. „Damit haben Lehrer eher Freiräume für die individuelle Betreuung“, sagt Wachter. Zudem übernimmt die IMC auch die Schulung des Lehrpersonals.

Die Firma Implement-IT GmbH kümmert sich als Apple Systemhaus um die Einrichtung der Hardware an den Schulen. Alle Lehrer und Kinder sollen künftig iPads erhalten. „Uns war wichtig eine Lösung zu finden, mit der jeder arbeiten kann“, sagt OB Meyer. Deshalb habe man sich auf das leicht bedienbare Apple-Produkt geeinigt. „Dadurch wollen wir auch die Hemmschwelle bei Lehrern senken, die neue Technik zu nutzen.“ Neben den öffentlichen Trägern und den beteiligten Unternehmen sind viele digital affine Eltern unterstützend mit an Bord. „Es wäre sträflich, diese Synergieeffekte nicht zu nutzen“, sagt Katrina Simon. Durch die vielen IT-Unternehmen in St. Ingbert und Umgebung habe man auch viele Elternteile, die sich mit der Materie auskennen. Durch die digitalen Bausteine und die gebündelte Kompetenz vor Ort lasse sich erreichen, „dass wirklich alle Familien auf der digitalen Überholspur landen“.

Dem stimmt auch Uli Meyer zu. „Man kann nicht zukunftsfähig werden mit Arbeitsmitteln aus dem 19. Jahrhundert“, sagt der Oberbürgermeister. Deshalb sei es geboten – auch jenseits von Corona und einem möglichen zweiten Lockdown – die „Stärke St. Ingberts als Nummer-eins-Digitalstandort im Saarland“ auch in die Schulen zu übertragen. „Eine moderne Schule muss sich ändern, weil auch die Möglichkeiten andere sind. Mit unserem Modell garantieren wir außerdem Teilhabe in allen sozialen Schichten.“