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St Ingberter Geschäfte drüfen unter Auflagen wieder verkaufen

Läden öffnen wieder : „Neustart“ mit vielen Herausforderungen

Endlich dürfen die Geschäfte in St Ingbert wieder öffnen – allerdings müssen die Betreiber viele Auflagen beachten und teilweise sogar umbauen.

Ein Montagmorgen, wie er bisher wohl noch nie in St. Ingbert stattgefunden hat. Seit letzter Woche Mittwoch gilt die neue „Corona-Verordnung“, die nun Geschäften bis zu 800 Quadratmetern erlaubt zu öffnen. „Beschlossen wurde das schon Mittwochabend (15. April) letzte Woche. Aber erst Donnerstag bzw. Freitag hatten wir konkretere Informationen“, erklärt Matthias Koch von der städtischen Gewerbeaufsicht. „Das war aber nicht für den ‚Otto Normalverbraucher’ geschrieben. Deshalb haben wir jetzt selbst einen Handzettel zusammengestellt mit den Regeln, an die sich nun jeder Händler halten muss“, ergänzt Martina Quirin, von der Stabsstelle Wirtschaft.

An diesem kühlen, aber sonnigen Morgen hat sie sich zusammen mit Matthias Koch vom Gewerbeamt, dem OB Ulli Meyer, dem 1. Beigeordneten der Stadt, Markus Schmitt und Wolfgang Blatt vom Verein Handel und Gewerbe in der Kaiserstraße verabredet, um sich ein Bild von den Eröffnungen zu machen und die Merkzettel zu verteilen. Auch ihre Mitarbeiterin Nicole Rauber und der Pressesprecher der Stadt, Florian Jung, sind mit von der Partie. Die kleine Gruppe läuft heute noch die komplette Innenstadt ab – natürlich mit Mundschutz und in Abstand zueinander – betont aber, dass es weniger um Kontrollen geht, als darum zu zeigen, dass sich die Verwaltung, um ihre Händler in St Ingbert kümmert und „voll hinter ihnen steht.“ Es gelte das Motto: Beraten statt bestrafen, denn die Auflagen seien für alle neu und die Unsicherheiten, was denn nun erlaubt sei, haben im Vorfeld schon zu einigen Anrufen Gewerbebetreibender im Rathaus geführt. Die äußeren Bereiche der Inestadt sollen dann am Dienstag begangen werden und das Ordnungsamt wird außerdem in den kommenden Wochen stichprobenartig Kontrollen durchführen.

Jeder einzelne Laden in der Kaiserstraße wird heute von der kleinen Gruppe besucht und es zeigt sich schnell, dass die lokalen Unternehmen dies sogar begrüßen: „Ich bin wirklich froh darüber, dass die von der Stadt hier vorbei gekommen sind. Ich finde, dass es Aufgabe der Stadt ist uns lokalen Geschäften zur Seite zu stehen und darüber zu informieren, wie wir unser Gewerbe weiter betreiben dürfen“, meint Gudrun Hohlfeld, die Inhaberin des Schlüsseldienstes in der Kaiserstraße 13. „Ich hab jetzt erst mal nur mit Farbe markiert, wo die Kunden stehen müssen, um Abstand zu halten, da kommt noch eine richtige Bodenmarkierung hin. So kann halt leider immer nur einer rein, sonst ist der Abstand nicht gegeben“, erläutert sie und zeigt auf eine rot markierte Stelle vor der Theke. „Das ist alles hervorragend“, lobt Quirin von der Wirtschaftsstabsstelle die Vorkehrungen.

Bereits seit 25 Jahren arbeitet Petra Merscher im Modeladen „Nuova Moda“: „Ich hab jetzt überlegt, ob ich meine Kunden anrufe und Termine vergebe. Die Meisten sind ja Stammkunden, aus dem ganzen Saarland. Aber ein bisschen seltsam komme ich mir dabei schon vor, so als ob ich sie damit bedrängen würde auch etwas kaufen zu müssen. Diesen Eindruck möchte ich natürlich nicht erwecken.“ Aufgrund der geringen Fläche des Geschäfts ist klar, dass höchstens zwei Kunden gleichzeitig rein dürfen. „Ich halte das mit den Terminen für eine gute Idee . Es ist doch besser, als wenn nachher zu viele Kunden da sind und sie womöglich vor der Türe warten müssen“, berät Markus Schmitt die langjährige Mitarbeiterin. Termine sind auch die Strategie vieler Geschäfte, die aktuell nicht regulär öffnen. Oft hängt im Fenster ein Schild mit der Telefonnummer, um die Kunden nach Vereinbarung hereinzulassen oder auch Ware zu liefern. Petra Merscher hat sich viele Gedanken gemacht und hofft, dass auch wirklich Leute kommen: „Ich hoffe sehr, dass die Leute nicht alle online bestellen. Wir hatten ja noch kaum Einnahmen und im Juli müssen wir schon wieder die Wintermode finanzieren. Das ist wirklich keine leichte Situation.“

In größeren Geschäften gilt es natürlich auch die Grenze von 800 Quadratmetern einzuhalten. Martina Quirin kennt die betroffenen Läden zwar auswendig, aber das Ordnunsgsamt hat sich zur Sicherheit mit einer „Flächenliste“ ausstatten lassen. In einem der größeren Warenhäuser in der Kaiserstraße wird jeder Kunde schon am Eingang einzeln begrüßt und mit einem Körbchen ausgestattet, in das er seine ausgesuchten Artikel hereinlegen kann. Kleiderständer wurden mit Plastikplanen verkleidet und fungieren nun als Absperrung, um den Laden auf die vorgeschriebene Größe zu beschränken. Begehbar sind nun nur die vorderen Regale, falls jedoch Kunden vermehrt etwas aus den hinteren Bereichen benötigen, kann eine Mitarbeiterin die gewünschten Artikel nach vorne bringen. „Vorne sind natürlich die Waren, die viel nachgefragt werden“, erklärt die Filialleitung, „aber da muss man als Geschäftsmann flexibel sein und jetzt erst mal abwarten, wie die Kunden die Artikel annehmen, und sehen, was vielleicht noch nach vorne geräumt werden muss.“ Der Plexiglasschutz an der Kasse sowie Desinfektionsmittel, Mundschutz für Mitarbeiter und die Abstandsmarkierungen werden auch hier „vorbildlich umgesetzt“, bemerkt OB Ulli Meyer und ermuntert: „Ist ja auch schön, dass man hier nun einzeln begrüßt wird. Das schafft ja auch ‚Nähe‘, die gerade im Alltag fehlt. Und Veränderungen wie das Plexiglas sind auch nach der Krise noch sinnvoll. So bleiben vielleicht auch manche Veränderungen durch die Krise als positive Neuerung erhalten.“