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St. Ingberter feiern Kirmes im Frühjahr

St. Ingberter feiern Kirmes im Frühjahr

Dröhnende Pop-Musik, Sirenen und Hupen von Fahrgeschäften sowie schreiende Kinder und Jugendliche sind seit Freitagnachmittag und -abend in der St. Ingberter Innenstadt unüberhörbar. Das traditionelle Frühlingsfest lockt auch diesmal wieder auf den Marktplatz – vor allem sein Stammpublikum.

Samstagnachmittag auf dem St. Ingberter Marktplatz. Die diesjährige Frühjahrskirmes ist den zweiten Tag im Gang. Es ist zwar etwas kühler als sonst, aber die Sonne kommt ein wenig durch. Die Menschen haben gute Laune. Auf dem Parkplatz rechts vor der Stadthalle bleiben die Menschen stehen. Viele zücken ihre Handykameras. Dort befindet sich das Fahrgeschäft "Jumper". Eine Art überdimensionierter Stahlteller, der am hohen Rand ein zaunartiges Gestänge ausweist und sich in Schräglage zügig dreht. Drinnen sitzen am Rand Jugendliche auf den Polsterbänken und halten sich an den Stangen fest. Naja, sie versuchen es. Nicht jedem gelingt es, sitzen zu bleiben. Die Schwerkraft und die Geschwindigkeit tun ihr Übriges und sorgen dafür, dass immer wieder einige Fahrinsassen in die Mitte des "Jumper" gelangen oder von dort auf die anderen Fahrinsassen gegenüber rutschen. Viele von ihnen haben Spaß. Andere vermitteln den Eindruck, dass sie die Fahrt inzwischen bereuen. Die Menschen, die zusehen, versetzt das in Erstaunen. "Ich hätte den Mut nicht. Vor allem ohne Gurte würden mich da keine zehn Pferde raufbringen", gesteht Alina Beermann aus Niederwürzbach. "Da wird einem ja schlecht vom Zuschauen", sagt ihre Freundin Karina Müller.

Weiter zur Platzmitte hin ist das Kettenkarussell gegen 17.30 Uhr zunächst noch etwas verwaist. Später trauen sich vier Mädchen darauf. "Von hier oben hat man eine ganz andere Perspektive auf die Kirmes", freute sich Clara Schrempgen. Nebenan beim "Miami Beach", einer Art langen Bank mit nebeneinander angeordneten Sitzen, die sich im Kreis nach oben bewegt und dann stehen bleibt, hört man die Schreie der Teenager, als die Bank mit den Menschen plötzlich schnell nach unten fällt. Die Musik mit "Geiles Leben" von Glasperlenspiel scheint dabei genau ihr Lebensgefühl zu treffen.

Gegenüber, vor der Fassade des Landesverwaltungsamtes hat Toni Schrauth seinen Wurfstand stehen. "Es ist kein Unterschied zu sonst. Es kommen meist auch die gleichen Leute. Die waren schon als Kleine hier. Jetzt sind sie älter und haben ihre Gewohnheiten", beschreibt der Schausteller das Verhalten der Kirmesbesucher. Er kann gut vergleichen. Haben doch seine Mutter und seine Oma bereits vor 30 Jahren mit einem Wurfstand auf der Kirmes hier gestanden. "Man merkt, dass die Leute weniger Geld haben. Doch das ist kein St. Ingberter Problem. Das haben wir anderswo auch. Es ist dieses Mal aber etwas besser als im letzten Jahr. Vielleicht wird es ja noch besser", mutmaßt ein älterer Schausteller, der anonym bleiben möchte, mit Blick auf den Montag, an dem die Kirmes fortgesetzt wird.

Am Autoscooter hat man an diesem Nachmittag den Eindruck, dass man in der Disco wäre: Grelle Blitze zucken zum Dolly-Parton-Klassiker "Jolene", während in der Mitte der Bahn zügig Nebel aufsteigt. "Jetzt noch ein Eis, das muss sein", ruft Kevin Basler seinem Freund Michael Schmitt zu, als sie aus ihren Wagen steigen. "Ohne das ist die Kerb keine Kerb."