St. Ingbert war zum Gruseln

Nachdem Blieskastel auf „offizielle“ Halloween-Aktivitäten verzichtete, hatte sich das St. Ingberter Stadtmarketing des nordamerikanischen Gruselspaßes angenommen. Mit Erfolg: Viele Innenstadt-Geschäfte machten mit, und zahlreiche große und kleine Fans des Spektakels kamen.

Während anderswo scheinbar aus dem Nichts auftauchende Clowns für Angst und Schrecken sorgen, gab es das Halloween-Special des St. Ingberter Stadtmarketing, bei dem der Grusel salonfähig gemacht wurde, mit Ansage. Es spukte in St. Ingberts Fußgängerzone am letzten Oktobertag erstmals offiziell und kleine Monster, Vampire und Hexen trafen sich zum Stelldichein. Und das bereits ab dem Mittag. Dabei war dieses Event eigentlich dem Umstand zu verdanken, dass Blieskastels Halloween-Spektakel in diesem Jahr ausfiel. "Wäre das dort gewesen, hätten wir es in St. Ingbert nicht gemacht. Wir wollten keine Konkurrenzveranstaltung sein", sagte Wirtschaftsförderer Thomas Debrand, dessen Dienstkleidung am Montag der schwarze Umhang war.

Es schien fast so, als hätten die St. Ingberter auf so etwas gewartet. Die Fußgängerzone mit ihren Geschäften und Gaststätten wurde zur Gruselmeile mit Gräbern am Wegesrand, spinnwebenverhangenen Pflanzkübeln und Bäumen, in denen Gerippe hingen. Ein Hundebesitzer hatte seinen Vierbeiner gar als Kürbis verkleidet. Das, was unter normalen Umständen zu einem Kopfschütteln veranlasste oder den Angstschweiß auf die Stirn trieb, gehörte an Halloween zum guten Ton. Es gab Riesenspinnen mit haarigen Beinen als Deko, blasse Zombies und blutende Geister, Sensenmänner und "Verletzte" mit einem Beil im Kopf, was aber nicht einmal die Rettungssanitäter interessierte. Genauso wenig wie das passend in Szene gesetzte vierrädrige Verkaufsobjekt eines Autohauses, in dem das hinter dem Steuer sitzende "Unfallopfer" gleich Teil der Werbeaktion war. Gastronomen und Gewerbetreibende hatten sich einiges einfallen lassen, In- und Outdoor. Während die einen den ersten Glühwein oder eine Gruselbowle probierten, schmeckten den anderen im Freibereich Sitzenden noch die Sommermixgetränke.

Es sei entspannter als in Blieskastel, meinte ein Besucher, wie beim Stadtfest ein anderer. Spaß hatten auf jeden Fall die Kinder, die in alle Geschäfte stürmten, um Süßes zu ergattern. Kurz vor 17 Uhr mussten einige Läden kapitulieren, die Süßigkeiten waren alle. Hier gab es die Anregung, doch die "zeitlich begrenzte Geisterstunde" einzuführen, damit mit dem "Süßkram" besser gehaushaltet werden kann. In einem Geschäft wurden Mandarinen gruselig angemalt und unter den kleinen Horrorgestalten verteilt. Auch hier griffen die Schreckgespenster gern zu. Der Geist von heute lebt gesund. Gemüse gab es in Form von 170 Kürbissen, die Schüler des Albertus-Magnus-Gymnasiums zuvor ausgehöhlt hatten und die die Kinder kostenlos mit dem zum Anlass passenden Gesicht verzierten.

Beim Lichterumzug durch die Innenstadt waren auch viele dunkle Gestalten unterwegs.

Bei der Gruselwerkstatt der Dengmerter Narrezunft wurden kleine Geister gebastelt und in einer Gruseltastkiste unter anderem Schneckenschleim und das verlassene Nest einer Kreuzspinne zum Erfühlen "freigegeben". In der Buchhandlung Friedrich versammelten sich alle kleinen Schauergestalten, fast 40 an der Zahl, um einträchtig nebeneinander der Geschichte vom Spukhaus zu lauschen. Später kam Bewegung in die Spukgesellschaft, denn die Zauberinnen und Teufelinnen der Tanzschule Srutek zeigten ihre "Kunststücke" vor der Alten Kirche. Im Schein von Kürbislampen und Laternen startete dann der Lichterumzug, gefolgt von einer Feuershow. Nach dem Programm unter freiem Himmel ging es bei Partys in den Lokalen weiter. Und auch wenn längst nicht alle mit dem aus Amerika herübergeschwappten Brauch happy sind, das St. Ingberter Halloween hat viele, unabhängig vom Alter, beGEISTert.

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