St. Ingbert ist schon eine Reise wert

Tourismus : St. Ingbert ist schon eine Reise wert

St. Ingbert hat es verdient, dass ihm als Reiseziel mehr Aufmerksamkeit zuteil wird. Dieser Meinung sind immer mehr Gäste.

Manch ein St. Ingberter weiß gar nicht, wie schön er wohnt. Der Heimatort ist oft zur liebgewonnen Selbstverständlichkeit geworden. Lob wird auch in den sozialen Netzwerken spärlich geäußert, Grund zur Kritik findet sich dagegen häufiger. Touristen oder Besucher, die mit einem unverstellten Blick in die Mittelstadt kommen, sind dagegen oft begeistert, finden die Fußgängerzone mit ihren Restaurants, den Cafés und der barocken Kirche schön, die Wanderwege, das viele Grün und und und...Ja , es ist eine schöne Stadt „inmitten grüner Wälder“, wie deren Lage mal beworben wurde. Was St. Ingbert aber ebenso attraktiv für andere macht, ist die Geschichte und deren Relikte aus Bergbau, Industrialisierung oder die baulichen Zeugnisse verschiedener Epochen. Wir haben uns Anfang Juli an die Fersen einer Reisegruppe des Veranstalters „Monumente-Reisen“ geheftet. Es ist ein „Ableger“ der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, die ihre Ziele in ganz Deutschland handverliest. Das Programm der einwöchigen Saarland-Tour mit Übernachtung in Saarlouis beginnt mit dem Besuch der Stiftskirche in St. Arnual. Auf der Liste der Orte, die man im Saarland gesehen haben muss, stehen auch die Saarbrücker Innenstadt, das Römermuseum Schwarzenacker, die Dorfkirche in Blieskastel Mimbach, die Benediktinerabtei Tholey, die Wendalinusbasilika St. Wendel, die Kirche St. Peter in Merzig, Villeroy und Boch in Mettlach, die Saarschleife, das Weltkulturerbe Völklinger Hütte, Perl mit dem Besuch der Kapelle in Wochern, die Martinskirche in Kölln und am letzten Tag als krönnender Abschluss und Höhepunkt die Alte Schmelz in St. Ingbert. Diese Einschätzung ist nicht etwa ironisch gemeint, sondern sie resultiert aus den Reaktionen der Reiseteilnehmer, die aus allen Teilen des Landes kommen. Eine Stunde haben die Reiseleiter und die 25 Besucher, um sich gemeinsam mit der Historikerin Susanne Nimmesgern einen Überblick über das Ensemble Deutschlands ältester existenter Arbeitersiedlung zu verschaffen. „Bedauerlicherweise nur eine Stunde, wo es doch hier so viel zu entdecken gibt“, sagt ein Besucher, der in dieser Meinung von einer der Mitreisenden bestätigt wird. Die Initiative „Alte Schmelz“ ist ein hervorragender Gastgeber. Die Möllerhalle ist nicht nur geöffnet, sondern Florian Laubach erklärt auch am „lebenden“ Modell die Funktionsweise einer Walzstraße. „Ganz großartig“ finden das die Männer, denen man gemeinhin Technikaffinität zuschreibt, aber es waren in dieser Runde die Frauen, die sich gerade in die Details des in mühevoller Kleinarbeit entstandenen Unikats verguckten. Andere Mitstreiter der Initiative luden zum Imbiss ein, sorgten für das Rundum-Wohlfühlpaket. Dreimal im Jahr steuert „Monumente Reisen“ seit 2018 St. Ingbert an. Meist mit dabei ist Reiseleiter Jan Ermel, der Mittlere und Neuere Geschichte, Kunstgeschichte sowie Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie studierte. In diesem Jahr begleitet er die Tour, die St. Ingbert noch einmal im August und September ansteuern wird, nur zweimal. Danach übernimmt ein Kollege, der bei der aktuellen Fahrt dabei war, das Ruder. Beiden gefällt, was sie zu sehen und geboten bekommen. Das Reiseziel Saarland ist beliebt, das Interesse „durchaus gut“, wie Ermel findet. Bis zu 40 Personen hat er schon pro Gruppe über die Alte Schmelz begleitet. Bevor die Tour ins Saarländische in den Katalog aufgenommen wurde, hat er viel gelesen, sich vor Ort selbst ein Bild gemacht und auch mit Einheimischen und Kennern der Gegend gesprochen. Führerin Susanne Nimmesgern erklärt nicht nur Möllerhalle, die Wohngebäude und das Herrenhaus, sondern versteht es mit einigen Fakten und Geschichten, das Leben und Arbeiten auf der Alten Schmelz lebendig werden zu lassen. Mit dabei hatte sie eine Kopie eines Gemäldes von Dryander, das die Herren des Eisenwerkes, die Familie Krämer, zeigt. „Das ist alles so interessant“, sagt eine Frau aus Meppen, die im Saarland aufwuchs, aber nun bei dieser Reise Vieles sah, was sie noch nicht kannte. Solche „Destinations“ wie die Alte Schmelz sind es, die einer Besucherin so gut gefallen, dass sie dem Reiseveranstalter die Treue hält. „Da lernt man soviel. Ich bleibe dabei“, versichert sie. St. Ingbert machte sie neugierig auf „mehr Saarland“. Die Stadt hat Potenzial findet auch Susanne Nimmesgern, die selbst in ihrer Freizeit immer wieder gern dorthin kommt. Auch dass andere Reiseveranstalter St. Ingbert besuchen, sei für die Mittelstadt „ein Ritterschlag“. Immer wieder gebe es für die Besichtigung der Alten Schmelz Anmeldungen von politischen Gruppierungen und Unternehmen, aber auch den Wunsch von Privatleuten, dort ihren Geburtstag verbringen zu können. Das Interesse vor allem an der Alten Schmelz hat zugenommen. Und auch andere Angebote sollen vor allem für Auswärtige mehr in den Fokus rücken. Deshalb beschloss vor kurzem der Stadtrat, dass die Kulturabteilung am ADAC-Vorteilsprogramm teilnimmt. Der Automobilclub hatte bei der Stadt angefragt, weil die Attraktivität des Saarlandes zunehme und man für Touristen ein interessantes regionales Angebot vorhalten will, welches sich an das bestehende bundesweite anlehnt. Wunsch des ADAC war es, in erster Linie die St. Ingberter Pfanne aufgrund der überregionalen Bedeutung als Partner ins Boot zu nehmen und prozentuale Vergünstigungen für ADAC-Mitglieder anzubieten. Doch welches St. Ingberter Zugpferd ins Rennen geschickt wird, ist letztlich egal, denn Gäste, die einmal hier waren, kommen meist wieder oder empfehlen die Stadt als Reiseziel weiter. „St. Ingbert hat diese Aufmerksamkeit einfach verdient. Hier gibt es so viele interessante Ecken“, sagt Susanne Nimmesgern, die es als „Insiderin“ wissen muss.

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