St. Ingbert ist als Wohnstadt mehr als beliebt

Mehr Baugrundstücke - das wär’s : Alle Welt will in St. Ingbert wohnen

Steigende Mieten und eine gewaltige, aber nicht stillbare Nachfrage nach Baugrundstücken. Junge Familien wandern ins Umland ab.

Attraktivität liegt oft nicht im Auge des Betrachters, sondern schlägt da auf, wo dem Mensch etwas geboten wird. Und schon sind wir bei der Stadt St. Ingbert. Die Nachfrage nach Wohnraum ist seit vielen Jahren in weiten Teilen der Kommune ungebrochen. Nun hat vor wenigen Tagen der Vorsitzende des Immobilienverbandes IVD West, Burkhard Blandfort, öffentlich mitgeteilt, dass eben hier die Immobilienpreise und die Mieten ganz schön gestiegen sind (SZ vom 29./30. Juni). Nimmt man etwa beispielsweise Eigentumswohnungen mit einfacher sowie auch guter Ausstattung her (drei Zimmer, zirka 70 Quadratmeter Wohnfläche, ohne Pkw-Stellplatz), so stellt der Immobilienverband gemäß seinem neuesten Preisspiegel fest, dass man fünf Prozent mehr zahlen muss – im Vergleich zum Vorjahr. Bei Einfamilienhäusern sind es, bei einfacher Ausstattung, ganze sieben Prozent. Untersucht wurden hier die Preise für freistehende Eigenheime inklusive Garage und ortsüblich großem Grundstück.

Im Gespräch mit Andreas Gaa, seit 33 Jahren Immobilienmakler in St. Ingbert, erfährt die SZ mehr zum Thema. St. Ingbert sei zum Wohnen hochinteressant, sagt er, vor allem wegen der guten Autobahnanbindung und wegen der Nähe zur Universität. Allerdings sei durch den Zuzug von rund 1000 Flüchtlingen der Wohnungsmarkt quasi leergefegt. Die Mieten seien hoch, weil in den vergangenen Jahrzehnten nur wenig zugebaut worden sei.

Ein Mietpreis-Beispiel: 2015 habe man für eine Wohnung mit 75 Quadratmetern bei einfacher Ausstattung 4,50 bis 5,50 Euro Miete (kalt) bezahlen müssen, heute 5 bis 6 Euro. Bei mittlerer Ausstattung (ISO-verglaste Fenster, Laminat, relativ neues Bad) seien es 5 bis 6 Euro gewesen, heute 5,50 bis 7 Euro. Und bei guter Ausstattung (alles modernisiert und das nicht eben billig) müsse man heute 9 Euro pro Quadratmeter zahlen statt ehemals 7 Euro.

Bei Neuvermietungen (Erstbezug) gelange man heute schon an 10 Euro. Berücksichtigen müsste man dabei aber die geringeren Nebenkosten durch Energieeffizienz, wie sie heute üblich ist. Nach wie vor teuer weil sehr gefragt seien die kleinen Wohneinheiten, bei Appartements komme man locker auf 10 Euro pro Quadratmeter.

Was die begehrtesten Lagen angeht, so nennt Andreas Gaa das Südviertel – wegen der guten Verkehrsanbindung, wegen Schulen, Einkaufsmöglichkeiten und Sportstätten. Im Übrigen gebe es wohl auch Bestrebungen, innerstädtisch Wohnungen zu errichten. In Frage komme da etwa die Freifläche neben Kaufland oder auch das Stadtgärtnerei-Gelände.

Was die gewerblichen Immobilien (Ladenflächen) angeht, so nehme da die Nachfrage deutlich ab: „Der Online-Handel macht sich bemerkbar.“ Wenige Ladenlokale, in der Regel fünf bis zehn, stünden leer, wobei aber kaum Nachfrage bestehe hinsichtlich Flächen in der Größenordnung von 50 bis 150 Quadratmeter. Und wenn, dann nur im gastronomischen Bereich. Wenn jemand etwa eine Kebab-Bude betreiben will. Doch nur wenige Immobilien eigneten sich hierfür. Ein schwieriges Pflaster sei mittlerweile auch das Textilgeschäft. Eine Aussage zu Mietpreisen in diesem Segment sei nur schwer zu treffen, je nach Zuschnitt und Größe der Fensterfront, ob mit Stufen oder ohne, ob gute Lage oder eher nicht – zwischen 10 und 20 Euro sei da alles denkbar.

Ein großes Thema: Baugrundstücke. Die gebe es kaum noch, „und deshalb weichen die Leute auf umliegende Gemeinden aus“. Etwa nach Spiesen oder Mandelbachtal. Die Nachfrage nach Grundstücken in St. Ingbert sei sehr hoch, „weil viele junge Familien gern hier wohnen würden“. 130 Euro pro Quadratmeter müsse man beim Kauf veranschlagen in einer „einfachen und belebten Wohngegend“. In mittlerer Wohnlage seien es 170 und in guter Wohnlage 250 Euro – mit Tendenz nach oben. Wenige neuwertige Häuser seien im Angebot, aber ältere in bevorzugter Wohnlage: beispielsweise im Mühlwald oder auf dem Roten Flur. Hier stünden etliche modernisierungsbedürftige Reihen- und Doppelhäuser aus den 50er und 60er Jahren zum Verkauf (Generationenwechsel). Die Immobilien seien sehr begehrt. Für einfache Häuser hier müsse man 100 000 bis 130 000 Euro zahlen, bei mittlerer Ausstattung (teils renoviert) schon 135 000 bis 180 000 Euro, und im guten Zustand, weil komplett modernisiert, komme man auf 190 000 Euro aufwärts.