St. Ingbert: Höhere Beteiligung an Pfarrgremienwahl dank Briefwählern

Kostenpflichtiger Inhalt: Bistum Speyer : Gemischtes Interesse an Pfarrgremienwahl

Während Briefwähler in der Pfarrei Heiliger Ingobertus zu einer höheren Wahlbeteiligung führten, konnte man andernorts kaum Wähler mobilisieren.

Die Katholikinnen und Katholiken im Bistum Speyer haben gewählt. Am vergangenen Wochenende wurde an der Wahlurne über die neuen Mitglieder der Pfarreiräte, Verwaltungsräte und Gemeindeausschüsse entschieden. Auch in St. Ingbert waren rund 17 000 Gläubige dazu aufgerufen worden, ihre Stimme abzugeben – dieses Mal auch verstärkt in Form der Briefwahl.

Am Montag, 18. November, verkündete das Bistum schließlich die offiziellen Endergebnisse der Wahl. Rund 54 000 Menschen hatten in den 363 Wahlbezirken von ihrer Stimme gebrauch gemacht. Das entspricht einer Wahlbeteiligung von 11,9 Prozent. „Wir sind froh, dass wir die Wahlbeteiligung von vor vier Jahren damit beinahe wieder erreicht haben“, erklärte Generalvikar Andreas Sturm. Diese hatte bei 12,2 Prozent gelegen. Gleichzeitig dankte der Generalvikar allen Kandiaten und Wahlhelfern, die „aktive Verantwortung für das kirchliche Leben“ übernehmen würden und so zeigten, dass Kirche vom „Mitmachen und Mitgestalten“ lebe.

Rund die Hälfte aller Wähler beteiligte sich dieses Mal per Briefwahl an den Wahlen. In fünf Pfarrein wurde sogar ganz auf die Wahl per Brief gesetzt und die Wahllokale blieben versuchsweise geschlossen. Zuvor hatte das Bistum alle Gläubigen in den entsprechenden Pfarrein über diesen Schritt informiert. „Die Wahlbeteiligung hat sich in diesen fünf Testpfarreien fast verdoppelt“, berichtet Marius Wingerter vom Referat Pfarrliche und überpfarrliche Räte. „Da wurden unsere Erwartungen sogar noch übertroffen.“

Unter den fünf Testpfarrein befand sich auch die Pfarrei Heiliger Ingobertus in St. Ingbert. Hier stieg die Wahlbeteiligung auf 20,55 Prozent (im Vergleich 2015: 10,36 Prozent). In der Pfarrei Heiliger Martin, die ebenfalls zu St. Ingbert gehört, beteiligten sich dagegen nur 6,71 Prozent aller Stimmberechtigten an der Wahl. Pfarrer Alexander Klein, der erst vor kurzem das Amt des Administrators in der Pfarrei übernahm, sieht einen möglichen Grund dafür in dem Problem, mit dem nicht nur viele Vereine, sondern auch die Kirche aktuell zu kämpfen hat – eine immer weniger werdende Anzahl an Menschen, die sich beteiligen oder am kirchlichen Leben teilhaben. Im Schnitt würden nur acht bis neun Prozent der Gläubigen die Gottesdienste in der Pfarrei regelmäßig besuchen. Diesen Anteil hätte sich Klein auch bei der Wahlbeteiligung mindestens gewünscht. „Das Ziel haben wir leider nicht geschafft“, resümiert der Pfarrer.

Besonders schwierig ließ sich die Jugend zu den Wahlen mobilisieren, wie die Pressestelle des Bistums Speyer in einer entsprechenden Pressemitteilung betont. Waren es 2015 noch rund 17,7 Prozent der unter 18-Jährigen, die zur Wahl gingen, rutschte der Anteil dieses Mal auf knappe 10,6 Prozent. In Oberwürzbach ging sogar keiner der 25 wahlberechtigten Jugendlichen zur Wahl.

Der Generalvikar des Bistums Speyer, Andreas Sturm. Foto: Bistum Speyer/Bistum Spyer

Das immer weniger Katholiken sich von selbst in ihrer Gemeinde einbringen, machte sich auch schon bei der Kandidatenfindung zur Pfarrgremienwahl bemerkbar. So war es vielerorts nicht gelungen, die notwendige Zahl von Kandidaten zu finden. Das Problem bestätigt auch Pfarrer Klein. In Rohrbach konnte man gerade so genug Kandidaten aufstellen, wie für den Gemeindeausschuss, den Verwaltungsrat und den Pfarreirat nötig waren. Der Gemeinde Oberwürzbach fehlt dagegen ein ganzer Platz im Pfarreirat. Für die drei Stühle im Rat ließen sich nur zwei Kandidaten finden. In vielen Gemeinden mussten die Pfarrein deswegen auf das Instrument der Urwahl, beziehungsweise der ergänzenden Urwahl zurückgreifen, bei denen die Wähler noch zusätzlich weitere Kandidaten vorschlagen und ihre Stimme geben konnten. Rund die Hälfte der Plätze in den Pfarrei- und Verwaltungsräten wurden auf diese Weise besetzt. Bei den Gemeindeausschüssen waren es knapp 29 Prozent der Plätze. „Über diese Entwicklung müssen wir uns mit Blick auf die nächsten Pfarrgremienwahlen im Jahr 2023 sicher Gedanken machen“, erklärt Generalvikar Andreas Sturm.

Die Wahlergebnisse in den Dekanaten und Pfarreien sind unter www.pfarrgremien.bistum-speyer.de zu finden.

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