Autor Joachim Hausen : Hier dürfen die Bösen auch mal gewinnen

Die Bücher des St. Ingberter Schriftstellers Joachim Hausen erzählen Kriminalfälle aus Sicht der Täter. Und das macht sie erfrischend anders.

Wer ist dieser Mann, dessen Buch „Sünden eines Engels“ erst für Leser über 18 Jahren „freigegeben“ ist? Laufen Nachbarn des St. Ingberters, dessen männermordende Protagonistin tabulosen Sex bevorzugt, Gefahr, selbst Opfer dieses 72-Jährigen zu werden? Zumindest muss man einige Nächte opfern, wenn man wissen will, wie dieser erotische Psychothriller des ehemaligen Softwareentwicklers endet. „Bei meinen Büchern gibt es kein Happy End“, sagt Joachim Hausen, weshalb bei ihm die Kriminellen ungeschoren davon kommen. Im Nachfolger des „Engels“, den „Sünden eine Teufels“, das im März 2017 wiederum durch den Libros Anaconda Verlag herausgegeben wurde, wird die Story aus Verbrechersicht erzählt. „Ich kann nur aus ,meiner‘ Warte schreiben und kann ja nicht wissen, was die Polizei macht“, erklärt der Autor, „Polizeiarbeit spielt nur eine Randrolle.“ Der Schauplatz der Thriller ist Phönix in Arizona, wo er sich durch den Besuch seiner dort lebenden Schwester gut auskennt. Sie ist es auch, die die Geschichten als eine der ersten lesen darf. „Den Anfang und Schluss eines Buches habe ich immer schon im Kopf. Meine Schwester erzählt, was sie im Fernsehen über tatsächlich geschehene Verbrechen in Amerika gesehen hat“, sagt Hausen über die Grundlagen seiner Thriller, „im echten Leben passieren manchmal viel brutalere Dinge als man sie überhaupt beschreiben kann.“ Doch wie kam ein „unbescholtener“ Saarländer wie er zum Schreiben solcher Bücher? Früher habe er in seiner Freizeit viel fotografiert, Filme gedreht und auch jede Menge gelesen, über Archäologie, Geschichte, aber auch SF-Romane. Gerade bei letzteren habe ihm immer etwas gefehlt, weshalb er eigene Ideen entwickelte, die für mehrere Manuskripte reichten. „Doch bei zwei Kindern und dem Job blieb dafür nicht viel Zeit“, sagt er heute aus Sicht des Rentners. 2005 schrieb er 30 Seiten seines ersten Romans, danach ruhte die Schriftstellerei bis 2013. Dafür gab er mit dem Eintritt ins Seniorenalter richtig Gas. 2014 veröffentlichte er mit „Tarsis-der Verlust eines Paradieses“ und „Terra-Verlust der Unschuld“ zwei Science Fiction-Bücher als e-books im Internet, deren dritter Teil „Terra-Ende der Zivilisation“ in gedruckter Form erschien. Zuerst hatte er „Null Erfolg“ bei Verlagen. „Einem Anfänger, und dazu noch einem Deutschen, wie mir ein Literaturagent schrieb, gelingt es äußerst selten, einen renommierten Verlag zu überzeugen. Denen ist das finanzielle Risiko zu groß“, sagt er. Über die „Kleinfairlage“ im Internet fand seine heutige Herausgeberin eine Leseprobe. Sie ist die Frau, der er in Sachen Buchveröffentlichung zum wiederholten Male vertraut. Noch harren zwei Bücher mit Lokalkolorit auf die Herausgabe. „Die Gier eines Ehemannes“ ist bereits halb fertig und könnte schon gedruckt sein, wenn Hausen nicht der tote Ehemann aus „Ich.Ein.Toter.Erzählt.“ und „Sünden eines Ehepaares“ dazwischen gekommen wäre, wie er sagt. Beim Schreiben legt er eine hohe Schlagzahl vor. Für die Rohfassung eines 400-seitigen Romans brauche er bis zu zehn Wochen bei täglich fünf Stunden Schreibarbeit. Zeitweise flössen die Ideen nur so in den Computer. Mit Überarbeitung sei solch ein Werk in rund vier Monaten druckreif. An seiner Wohnzimmerwand hängen zwei Umschlaggestaltungen seiner Romane, die die Verlegerin nach Hausers Vorstellungen von einem Grafiker erstellen ließ. In seinem Kopf stecken noch einige Geschichten, deren Grundgerüst auch schon mal beim Lidl an der Kasse entsteht.

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