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Spurensuche nach der israelitischen Gemeinde in St. Ingbert

Führung : Tiefe Einblicke ins jüdische Brauchtum

An diesem Sonntag: Stadtspaziergang als Spurensuche nach der israelitischen Gemeinde in St. Ingbert.

Zu einem „Stadtspaziergang“ lädt der Verein zur Förderung der Geschichtsarbeit im Saar-Lor-Lux Raum (VFG) für Sonntag, 2. Juni ein. Um 10.30 Uhr beginnt eine Suche nach Spuren der ehemaligen Israelitischen Gemeinde St. Ingberts. St. Ingberts einstige Israelitische Gemeinde, das ist eine Geschichte voller Widersprüche und Rätsel. Dem ersten Juden, von dem man weiß, dass er in St. Ingbert siedeln wollte, ist das Haus abgebrannt (worden?). Die letzten Juden, von denen man wusste, dass sie in der Stadt wohnten, hat man am helllichten Tag vor aller Augen und ohne hörbaren Protest der Mitbürger verhaftet und deportiert, um die Stadt judenfrei zu machen. Der Friedhof der Gemeinde wurde zum Kartoffelacker. Das ist die eine Seite. Die andere Seite: Die Mitglieder der Israelitischen Gemeinde gehörten ganz selbstverständlich zur Stadtbevölkerung. Von gezielter Diskriminierung oder gar Pogromen ist nichts bekannt.

Der Rundgang will an die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger erinnern, die für eine kurze Weile in St. Ingbert wohnten und wirkten. Er wird zu einigen Stätten und Gebäuden führen, die an diese Menschen und ihr Schicksal erinnern. Tiefe Einblicke in jüdisches Brauchtum aus erster Hand. In diesem Jahr wird es erstmals ein ganz besonderes Programm geben. Daniel Maoz, gerade erst aus Israel zurück, wird auf dem Israelitischen Friedhof die alten Grabsteine entziffern und viel Interessantes zum jüdischen Begräbnisritual berichten. Danach geht es zur ehemaligen Synagoge, die an diesem Tag für die Teilnehmer zu einem Besuch geöffnet wird. Dort wird Maoz den Ablauf eines jüdischen Gottesdienstes vorstellen. Alfred Hunsicker wird die Geschichte der ehem. Synagoge in der Nachkriegszeit Revue passieren lassen und erzählen, wie und wo die Gesetzestafeln der Gemeinde wiederentdeckt wurden und wieder an ihren alten angestammten Platz zurückkehren konnten. Abschließend geht es in die Stadt zu einigen Wohn- und Geschäftshäusern, die noch Zeugnis von einer ausgelöschten Welt und mitunter gerne vergessenen Zeit ablegen. Die Teilnahme an der Spurensuche ist kostenlos, doch keineswegs umsonst.

Rekonstruktionsversuch des ursprünglichen Zustandes der Synagoge vor den Um- und Anbauten. Ob die Gesetzestafeln tatsächlich an der Außenseite des Giebels befestigt waren, darf bezweifelt werden. Foto: Archiv des Religionspädagogischen Zentrums St. Ingbert

Treffpunkt ist am Israelitischen Friedhof, Dr. Schulthess-Straße/Ecke Nordendstraße. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.