Sprache, Spaß und Sticheleien

Es dürfte niemanden wundern, wenn Martin Zingsheim eines Tages seine eigenen Kritiker parodiert. Die hervorstechende Vielseitigkeit des Kölner Kabarettisten überzeugte auch das Publikum in der St. Ingberter Stadthalle.

. Eine ungewöhnliche Kombination von Personen der Zeitgeschichte gab sich am Donnerstagabend in der Stadthalle indirekt ein Stelldichein: Klaus Kinski, Herman van Veen, Herbert Grönemeyer, Gert Rubenbauer, Bob Dylan und Bushido. Sie alle waren gekommen, um unter der bekannt launischen Leitung von Marcel Reich-Ranicki - mitten in der Vorweihnachtszeit - über das Weihnachtsevangelium zu dozieren. Verkörpert wurden die Promis vom Musikkabarettisten Martin Zingsheim. Der Kölner sorgte singend und sprechend dafür, dass kein Auge trocken blieb.

Dabei war dieser Programmpunkt schon eine von drei Zu-gaben und entstammte seinem Jahresabschlussprogramm "Gottes Werk und Martins Beitrag", welches er normalerweise erst später im Jahr präsentiert. Doch es war beispielhaft für den Mann, der in Bruchteilen von Sekunden nicht nur Dialekte wechselt - zu komisch, wenn er sächselt - sondern auch, wenn er zwischen bekannten Personen hin- und herspringt. "Opus Meins", lautet sein derzeitiges Programm, mit dem er im Rahmen der A-la-Minute-Reihe in der vergangenen Woche fast nicht mehr von der Bühne gelassen wurde. Zu Zingsheims Spezialität gehören Aussagen, mit denen man Sekunden zuvor noch nicht rechnet. Etwa "Man muss über Politik sprechen können, ohne Ahnung davon zu haben. Bei Pofalla klappt's ja auch", ist nur einer dieser Knaller.

Doch der erst 29-Jährige ist weniger fürs Politkabarett. Da setzt er sich lieber mit dem Umstand auseinander, wieso man beispielsweise an Silvester Leute anruft, die man beim eigentlichen Feiern erst gar nicht dabei haben wollte. Auf diesen Punkt muss man erst mal kommen. Oder, wenn er die "Generation Ruccola" geflissentlich aufs Korn nimmt. Vor allem dann, wenn die besserwissenden Ökos den Bio-Hype perfektionieren. Dabei gab es doch was, das bereits vor 200 Jahren schon biologisch korrekt war: das Essen. Doch er setzt sich auch kritisch mit seiner eigenen Zunft, nämlich die der Musiker, auseinander. So lässt er Beethoven dessen offenen Brief vortragen. Darin übt dieser gemeinsam mit Bach und Mozart Kritik an der Kommerzialisierung. Stattdessen fordert er Ungewöhnliches. Mozart und Justin Timberlake müssten gemeinsam auftreten.

Die Mondscheinsonate dürfe nur noch mit der Pyrotechnik der Rammstein-Rocker zu hören sein. Und zu guter Letzt wäre es nur konsequent und logisch, dass Ralph Siegel beim Eurovision-Song-Contest für Nordkorea antritt. "Ich möchte, dass ein falscher Eindruck entsteht", gibt er offen zu. Dann doch lieber eine Grönemeyer-Parodie. Und Gitarre spielen. Man müsse auch was machen, wovon man nix versteht.