SPD will Lindemann für Berlin

Niederbexbach. Genau um 15.55 Uhr gratulierte am Samstag im Eingangsbereich der Niederbexbacher Bliestalhalle ein von innen heraus strahlender Landrat Clemens Lindemann seinem Sohn

Niederbexbach. Genau um 15.55 Uhr gratulierte am Samstag im Eingangsbereich der Niederbexbacher Bliestalhalle ein von innen heraus strahlender Landrat Clemens Lindemann seinem Sohn. Da wusste noch niemand in der gut gefüllten Halle, was Hausherr Wolfgang Imbsweiler drei Minuten später verkündete: Die Saarpfalz-SPD geht mit David Lindemann ins Rennen um das Bundestags-Direktmandat im Wahlkreis 299. Der 34-jährige Volljurist mit Arbeitsplatz Brüssel konnte sich im Rahmen der Kreisverbandskonferenz am Samstag gegen seinen parteiinternen Konkurrenten, den Walsheimer Michael Clivot, mit 48 zu 35 Delegiertenstimmen durchsetzen.Zuvor hatten beide Kandidaten je zehn Minuten Zeit, sich den Delegierten vorzustellen. Schnell war klar, dass es keine großen Ansichts-Unterschiede gibt. Beide bezeichneten den Verlust des Direktmadats im Wahlkreis 299 als Unfall und Irrtum der Geschichte, den es zu korrigieren gelte. "Dieser Wahlkreis hat Besseres verdient", meinte Clivot, der als zweites großes Ziel die Ablösung von Schwarz-Gelb im Bund nannte. Er habe, so Lindemann, in den vergamngenen Wochen auch Gespräche geführt mit Betriebsräten und Gewerkschaftsvertretern. "Das Verhältnis zu den Gewerkschaften ist ein wesentlicher Punkt auf dem Weg, unseren Wahlkreis wieder zurückzuholen". Den einheitlichen Mindestlohn bezeichnete er als eine zentrale Forderung der Sozialdemokraten. "Der Griff nach der Macht, um die persönlichen Lebensverhältnisse unserer Wähler zu verbessern, muss das große Ziel sein", meinte Lindemann.

Die zweite wichtige Personalentscheidung des Tages war einfacher: Geht es nach dem Willen der Saarpfalz-SPD, wird der promovierte Jurist Theophil Gallo nach dann 27 Dienstjahren Clemens Lindemann als Landrat ablösen. Einstimmig nominierte die Kreisverbandskonferenz den 52-jährigen Juristen, der keinen Gegenkandidaten hatte. Der alte und neue SPD-Kreischef Stefan Pauluhn, er holte mit 86 Prozent sein nach eigenem Bekunden bisher bestes Ergebnis, hatte Gallo als "ausgesprochen gute Wahl" bezeichnet. Zuvor hatte sich der Bexbacher kurz vorgestellt: "Ich kann Landrat", meinte Gallo. Er habe ein gerüttelt Maß an Ausbildung und Erfahrung. "Wenn ich nach 23 Jahren, und davon gehe ich mal aus, meinen Arbeitgeber verlasse, kann man sagen, der Lotse geht von Bord." Er sei bereit, das Ruder zu übernehmen, meinte Gallo. Der Kreis erscheine heutzutage vielen als Reparaturbetrieb, "weil er Dinge richten muss, die in Berlin geschehen."

Zuvor kündigte der SPD-Landesvorsitzende Heiko Maas den Saarpfalz-Genossen ein "spannendes Jahr 2013" an. "Am Montag nach der Niedersachsenwahl am 20. Januar beginnt der Bundestagswahlkampf." Maas erinnerte an den Auspruch von Peer Steinbrück: "Wir setzen nicht auf Platz, sondern auf Sieg."

Meinung

Nicht unerwartet

Von SZ-RedakteurRalph Schäfer

Von vielen erwartet wurde das Wahlergebnis am Samstag in der Niederbexbacher Bliestalhalle, zu stark ist die Homburger SPD, zu schwer wiegt auch der Name: David Lindemann hat die erste von einigen Hürden auf dem Weg nach Berlin souverän genommen. 48 zu 35 Stimmen sind kein Erdrutsch, aber ein Ergebnis, mit dem man sicher gut leben kann. Und das dem unterlegenen Konkurrenten Michael Clivot, der sich in den vergangenen Wochen und am Samstag vor dem Mikrofon gut verkauft hat, alle Ehren lässt. Jetzt gilt es für den 34-Jährigen, sich auf die nächste Hürde vorzubereiten: Die heißt Thomas Latz und wurde von der Neunkircher SPD als Kandidat für den Bundestag benannt. Im März fällt dann die endgültige Entscheidung, welcher Genosse gegen den momentanen Berliner Bürobesitzer Alexander Funk (CDU) antritt. Der hat nach Jahrzehnten 2009 für die Union den Wahlkreis 299 geholt und würde ihn natürlich gerne behalten. In einem hatte SPD-Landeschef Heiko Maas am Samstag in der Bliestalhalle sicher Recht: Das Jahr 2013 wird allein durch die Bundestagswahl schon spannend.