Spaß an der Arbeit muss sein

Die Kunden schätzen seine Beratung: Elektronik-Spezialist Leo Gries arbeitet gern in seinem Laden in der Alten Bahnhofstraße in der St. Ingberter Innenstadt. „Wer einkaufen will, sollte sich Zeit nehmen“, mahnt der Elektrokaufmann. Ein Nachfolger für sein Geschäft, wenn er mal aufhören sollte, ist allerdings nicht in Sicht.

"Ihr freundlicher Fachberater" steht auf einem Plakat direkt neben der Eingangstür. Eine Frau ruft durch die offene Ladentür "Hallo Leo", im Ladenlokal wechselt der freundliche Fachberater die Batterie einer Uhr, das macht er 20 bis 30 Mal am Tag, während eine junge Frau darauf wartet, dass er drei neue Batterien in das Weihnachtslied-Buch mit Sound ihres kleinen Sohnes macht: Die Dienste von Leo Gries in der Alten Bahnhofstraße in der St. Ingberter Innenstadt sind gefragt. Und das seit 31 Jahren.

Seine Arbeit macht dem 65-Jährigen nach wie vor Spaß. "Sonst hätte ich längst aufgehört", sagt Leo Gries im Gespräch mit unserer Zeitung. Im Ladeninneren scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Leo Gries trägt einen weißen Kittel, die Regale und der Fußboden sind in die Jahre gekommen, die Weihnachtsdekoration weist darauf hin, dass sie bereits einige Jahre auf dem Buckel hat, ebenso die bequemen Sessel, auf denen Kunden Platz nehmen können. Die Kunden stört das nicht. Sie schätzen Leo Gries' Beratung, seine freundliche Art, seine Kompetenz und nicht zu vergessen, sein Sortiment an Batterien, Leuchtmitteln oder Kabeln, um nur einiges zu nennen.

Gerade in den zurückliegenden Wochen war es so ein bisschen, als habe man eine Begegnung mit dem Weihnachtsmann, wenn man Leo Gries' Laden betritt. Dass der Elektrokaufmann die Batterien des Weihnachtslied-Buches mit Sound auch direkt einlegt, freut die Kundin sehr.

Gries hat es nie bereut, sich selbstständig gemacht zu haben. War er doch zuvor 20 Jahre lang Geschäftsführer eines ähnlichen Ladens in Neunkirchen. "Wenn es gesundheitlich nicht mehr geht oder mir die Arbeit keinen Spaß mehr macht, höre ich auf", sagt der St. Ingberter. So hat er es auch mit seinem Engagement im Karnevalsverein gehalten. Als der Spaß an der Sache fehlte, machte er Schluss.

Davor erlebte er vor zirka 15 Jahren etwas Lustiges: "Wir haben mit dem Karnevalsverein einen Alten-Nachmittag veranstaltet, als mich eine ältere Frau fragte, ob es mit meinem Geschäft vielleicht so schlecht laufe, dass ich hier schon servieren muss", erinnert sich der Vater zweier Töchter lachend. Nein, schlecht läuft sein Laden bis heute nicht. Wenngleich es heutzutage laut des freundlichen Fachberaters viele Leute eilig haben und günstig einkaufen wollen. "Wer einkaufen geht, sollte sich Zeit nehmen", mahnt Gries und fährt fort: "Im Fachhandel geht es nicht schnell und billig. Fachgeschäfte geben sich sehr viel Mühe und machen sich viel Arbeit. Und im Endeffekt sind wir, wenn man die Beratung dazurechnet, auch nicht teurer."

Am liebsten hat der Kavalier der alten Schule mit älteren Leuten zu tun. Mit ihnen hält er gern ein Schwätzchen. Eines merkt der 65-Jährige allerdings schon: "Man wird müde. Ich mache das hier nur noch eine Zeit lang." Jemanden, der in seine Fußstapfen tritt, hat der Elektrokaufmann nicht. "Das ist eben so. Dann machen wir einfach zu", so der freundliche Fachberater abschließend, bevor er sich seiner nächsten Kundin zuwendet, die sich am Ende des Kundengespräches zufrieden für die freundliche Beratung bedankt.