Sparkurs fördert Kreativität

Das St. Ingberter Jazz-Festival scheint die Kurve zu kriegen. Nach dramatischem Kostenanstieg in den Vorjahren soll das Defizit in diesem Jahr unter die vom Stadtrat geforderte Obergrenze von 80 000 Euro fallen. Großen Anteil an dieser Entwicklung hat der Arbeitskreis, sagt die Verwaltung.

Wenn es um das St. Ingberter Jazz-Festival geht, sind zwei Begriffe nicht fern: Image und Geld. Die Verfechter eines starken Kulturprogramms verweisen auf die Reputation durch städtische Angebote jenseits von Job, Kita und gut geteerten Straßen, die Gegner auf hohe Kosten bei knapper Kasse. Nach Ärger und Streit um die Jazz-Sause vor zwei Jahren - das Defizit war auf 160 000 Euro hochgeschnellt - hat sich der musikalische Jahreshöhepunkt berappelt. Wenn in ein paar Wochen Anfang April Bläser, Schlagzeug und Klavier wieder die Bühne beherrschen, hoffen die Macher erstmals unter der geforderten finanziellen Defizitgrenze von 80 000 Euro zu bleiben. Im Vorjahr - das Jahr eins nach dem kulturpolitischen Beben, das Jahr eins nach dem langjährigen Festivalleiter Peter Kleiß und das Jahr eins wieder zurück am alten und billigeren Standort St. Ingberter Stadthalle - war der Zuschuss der Stadt schon auf 96 000 Euro gesunken. Verdienst an dieser Entwicklung tragen nach den Worten von Kulturamtschef Michael Quiring in erster Linie die Menschen, die sich ehrenamtlich seit dem großen Knall um das Festival bemühen. Ganz trocken "Arbeitskreis Jazz-Festival" nennt sich die Gruppe von Männern und Frauen, die heute das Programm und das ganze Drumherum betreuen. Claudia Tussing, Yvan Tan und Christoph Hans haben jetzt mit Quiring und der Geschäftsbereichsleiterin Marika Flierl die Arbeit dieses Arbeitskreises in der SZ-Lokalredaktion vorgestellt. Derzeit elf Leute treffen sich in regelmäßigen Abständen. Drei Mitarbeiter der Kulturabteilung sind an Bord - wobei Stefan Folz sich bereits seit Jahren intensiv mit dem Festival beschäftigt - Stadträte und Privatpersonen machen mit. Prinzipiell, sagt Tussing, ist die Runde für weitere Mitstreiter offen. Mit Tan hat das ehrenamtliche Team einen Mann an Bord, der sich beruflich mit Musikmanagement beschäftigt. Hans ist Musiker. Claudia Tussing hingegen betreibt mit ihrem Mann in Rohrbach ein Geschäft, ist dem Festival aber besonders eng verbunden: Ihr 2006 verstorbener Bruder Jörg Jakob hatte den Stein vor über einem Vierteljahrhundert mit einigen Freunden im St. Ingberter Jugendzentrum ins Rollen gebracht.

Das Gremium hat beratende Funktion. Sein Ja muss letztlich der Kulturausschuss des Stadtrats geben. Neben den entscheidenden Überlegungen, wie das Künstlertableau aussehen kann für das jeweilige Jahr, kümmern sich die Arbeitskreis-Leute auch um profane Dinge wie die Suche nach Sponsoren. Tussing versucht dabei besonders Unternehmen aus der Region anzusprechen.

Wenn es um Musik geht, hat jeder seinen eigenen Geschmack. Im Arbeitskreis ist das auch zu spüren. Hans: "Bei der Gruppe ist ganz wichtig, dass jeder einen unterschiedlichen Zugang zum Jazz hat. Da gibt es auch manchmal ein bisschen Streit." Aber das erleben die Macher als befruchtend. Tan hält es für wesentlich, das Profil der St. Ingberter Veranstaltung zwischen den Jazz-Standorten Saarbrücken und St. Wendel scharf zu halten.

Einig sind sich alle in einem: Das Festival muss in der Stadt verwurzelt sein. Flierl sieht dies als Herzensangelegenheit der Mitstreiter des Gremiums. Dazu ist noch einiges zu tun. Hahn: "Für Jazz-Fans ist das Festival ein Begriff, für viele St. Ingberter allerdings nicht." Das zu ändern seien sie angetreten. Ein bisschen Streit kann da nicht schaden.

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