Später Maibaum für die Mitte

Auch vor der Engelbertskirche steht jetzt ein Maibaum. Zunächst fühlte sich niemand aus den Reihen der CDU verantwortlich.

Einige St. Ingberter hatten ihn am Montag schon in der Fußgängerzone vermisst - den Maibaum. Oberwürzbach stellte seinen am 1. Mai mit einem Fest und auch die SPD in Rohrbach zelebrierte ihr Maibaumstellen. Nur der angestammte Platz für den Baum mit den Zunftzeichen vor der Engelbertskirche blieb leer. Bis gestern. Da wurde etwas verspätet der Baum von der Holzbau-Firma Kempf aufgerichtet. Was war passiert. Es war so etwas wie das kollektive Verdrängen des Datums. Denn wie Manfred Herges, Mitglied der CDU-Stadtratsfraktion, in einem örtlichen Forum eines sozialen Netzwerks vermutete, war es wohl wie mit Weihnachten, das so plötzlich vor der Tür steht, dass man glatt vergessen hat, die Geschenke zu kaufen. Das hieß also, auch der 1. Mai klopfte schon an die Tür und man hatte vergessen, sich rechtzeitig um den Baum zu kümmern, der bei der Firma Stahl- und Blechbau Herges eingelagert war. "Es war schon kurios", sagte Herges, "ich hatte 14 Tage vorher einen Rundruf gemacht und die Verantwortlichkeit wurde hin- und hergeschoben." Niemand aus den Reihen der CDU, deren Sache es seit Jahren ist, den Baum vorzubereiten und vor der Alten Kirche zu errichten, fühlte sich wirklich verantwortlich. Rainer Henrich vom Heimat- und Verkehrsverein, der sich jedes Jahr wieder für das Bewahren dieser Tradition einsetzt, hatte im Vorfeld mehrmals bei Herges' angerufen, ihn wegen einer Geschäftsreise aber nicht erreicht. In den Reihen der CDU habe man dann entschieden, dass der CDU-Stadtverband sich um den Maibaum kümmern solle. Am vergangenen Wochenende wurde in Reihen der CDU eifrig herumtelefoniert, aber für das kurzfristige Organisieren eines Transports war es da bereits zu spät. Am 1.Mai standen bei Manfred Herges die Telefone nicht mehr still. Die St. Ingberter vermissten ihren Maibaum. In diesem Jahr musste keine externe Kranfirma mit dem Aufrichten des Stammes beauftragt werden, denn das wäre teuer geworden. Im vergangenen Jahr war der damals frisch geschlagene Baum zu schwer, als dass ihn die Firma Kempf selbst hätte aufrichten können. In diesem Jahr war der Stamm abgetrocknet, so dass das einheimische Unternehmen den Zunftbaum "ehrenamtlich" wieder stellen konnte. Der Dank Herges' geht sowohl an das Unternehmen in der Pfarrgasse, die Helfer, die den Maibaum herrichteten, aber auch an die Polizei, die das Aufstellen kurzfristig genehmigte.

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