Sondersitzung im Ortsrat Hassel wegen Konzert mit Hardcore-Bands

Sondersitzung in Hassel : Ortsrat ohne Handhabe gegen Konzert

Der Auftritt von Bands, zum Teil aus dem Hardcore-Bereich kommen, findet am Samstag in der Alten Schulturnhalle in Hassel statt. Eine Sondersitzung des Ortsrates konnte aber nicht alle Bedenken ausräumen.

In Hassel war die Verunsicherung groß, ob die am kommenden Samstag in der Alten Schulturnhalle auftretenden acht Bands, in ihren Texten rechtslastiges Gedankengut verbreiten. Auch dem Fraktionssprecher der dortigen CDU, Michael Rinck, ging es ähnlich. Bei auf unterschiedlichen Plattformen geführten Diskussionen wurde klar – richtig einordnen konnte die Bands kaum einer. Um in dieser Hinsicht Gewissheit zu erlangen und zu zeigen, dass auch die Bedenken der Anlieger ernst genommen werden, die mit Krawallen rechneten, wurde am Montag eine Dringlichkeitssitzung des Ortsrates einberufen. Mit dabei: Vertreter des Ordnungsamtes, Alex Beck von der Abteilung Gebäudemanagement, der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion St. Ingbert, Torsten Towae, Mitglieder des Ortsrates, Bürger und einige der Musiker.

In der Sitzung, die im vollen Saal des Hasseler Rathauses stattfand, ging es weniger um die Liedinhalte der Bands aus dem Saarland, Niedersachsen und Sachsen, sondern um das Procedere bezüglich des Mietvertrags der Halle. Diese könne laut Beck jeder privat mieten – so wie es der Veranstalter, die Band „Brennstoff“, tat. Ein junger Mann aus Dudweiler, der sich intensiver mit den Texten auseinander gesetzt hatte, zeigte sich enttäuscht. Denn direkt zu Beginn der Sondersitzung machte Ortsvorsteher Markus Hauck klar, dass er keine Diskussion außerhalb des Gremiums wünsche. Der Gast, Lehrer einer Montessorischule, verwies am Rande der Sitzung dennoch auf einen Text von „Martens Army“, eine der auftretenden Gruppen, der sehr „homophob“ sei. „Auch wenn die Texte nicht rechts sind – grenzwertig sind sie schon“, so seine Meinung.

CDU-Sprecher Michael Rinck waren besonders die auch am Samstag auftretenden Bands „Martens Army“, „Restrisiko“, und „Extrem unangenehm“ bei seiner Recherche ins Auge gefallen, die er als „eindeutig rechts“ klassifizierte. „Szenekollegen mögen das aber anders interpretieren“, so seine Meinung. Die Bands spielten regelmäßig bei Veranstaltungen, denen Verbindungen zur rechten Szene nachzuweisen seien. Rinck erklärte auch die Bedenken, die man in Hassel habe, denn der Ort sei in dieser Hinsicht „ein gebranntes Kind“. Im Jahre 2000 habe es in der Eisenberghalle eine Veranstaltung von Linken gegeben, die mit Sachbeschädigungen und einem Polizeieinsatz geendet habe. So etwas wolle man in Hassel nicht noch einmal – auch keine rechten Bands oder welche aus deren Graubereich. Wie Rinck sagte, gehe der Ortsrat jedoch davon aus, dass die bevorstehende Veranstaltung rein rechtlich nicht mehr zu kippen sei. „Wir dürfen uns aber schon die Frage stellen, ob von Seiten des Genehmigungsgebers an alles gedacht wurde.“

Zuerst stand aber die Frage im Raum, wer hat bei der Stadt wann Kenntnis von diesem Konzert bekommen. Der Ortsvorsteher erfuhr am 12. Januar davon, zwei Tage später habe er bei der Stadt nachgefragt. Christoph Scheurer vom Ordnungsamt habe erst nach Abschluss des Mietvertrages durch die Stadt davon gehört. Laut Alex Beck werden solche Anträge vom Veranstalter formlos gestellt und erst bei mehr als 200 Gästen das Ordnungsamt und die Untere Bauaufsicht eingebunden. Der Kartenvorverkauf liege jetzt bei 170. „Wenn Auffälligkeiten sind, können wir natürlich nochmal nachfragen“, sagte er. Der Musikgeschmack sei vielfältig, man könne sich nicht jeden Text anschauen.

Scheurer allerdings habe bei seiner Recherche festgestellt, „dass es Probleme geben kann“ und sich mit der Polizei in Verbindung gesetzt. Dort habe man mitgeteilt, dass es keine Auffälligkeiten bei den Bands gibt. „Man mag die Texte geschmacklos finden, strafrechtlich relevant sind sie nicht“, so der Mitarbeiter der Verwaltung. Man habe dem Veranstalter Auflagen gemacht, was den Lärm betreffe. Es seien vier Sicherheitsleute zu stellen und die Veranstaltung müsse um Mitternacht enden. Polizeihauptkommissar Towae hatte eine Anfrage an den Staatsschutz gestellt, deren endgültige „Gefahrenbewertung“ aber noch ausstehe: „Aus heutiger Sicht sieht die Polizei keine Notwendigkeit, einen Sondereinsatz zu planen. Wir werden die Veranstaltung aber im Zuge der normalen Streifentätigkeit überwachen. Anderes gibt die Sachlage nicht her.“

Als Ergebnis der Sitzung forderte der Ortsrat die Verwaltung auf, in Zukunft keine Genehmigung an rechts- oder linkslastige Bands oder aus deren Grauzonen auszugeben. „Es muss ja nicht immer Krawalle geben“, so Ortsratsmitglied Albert Zitt (SPD), „wir wünschen uns, dass es am Samstag eine schöne Veranstaltung für alle wird.“

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