Sitzblockade gegen Nazi-Demo

Es war ein seltsamer Samstag: Mit den Marktschreiertagen auf dem Christian-Weber-Platz, dem Jazzfrühschoppen auf dem historischen Marktplatz und dem großen Flohmarkt am Forum hätte es ein perfekter Frühsommertag werden können

Homburg. Es war ein seltsamer Samstag: Mit den Marktschreiertagen auf dem Christian-Weber-Platz, dem Jazzfrühschoppen auf dem historischen Marktplatz und dem großen Flohmarkt am Forum hätte es ein perfekter Frühsommertag werden können. Doch der Aufmarsch von rund 30 Neo-Nazis zu einem angemeldeten Demonstrationszug samt Kundgebung auf dem Vauban-Carrée verwandelte Homburg bisweilen in eine Mischung aus Verkehrschaos, Polizeieinsatzzone, Demo und Gegendemo.Dabei hatte im Vorfeld auf dem Papier alles bestens ausgesehen. Die Neonazis sollten vom Treffpunkt am Amtsgericht über die Zweibrücker Straße, die Saarbrücker Straße und die Talstraße zum Vauban-Carrée marschieren. Von dort sollte es über die Talstraße, den Kreisel und die Zweibrücker Straße wieder zurück gehen. Der Gegendemonstration von Jusos, Linken und anderen antifaschistischen Gruppen hatte man den Vorplatz der Hohenburgschule als weit entfernten Schauplatz zugewiesen.

Medizin-Studenten protestierten

Doch eine Gruppe engagierter Medizinstudenten machte dem guten Plan der Ordnungs- und Sicherheitskräfte einen Strich durch die Rechnung. Mit Sitzblockaden, lautstarken Unmutsäußerungen rund um die Kundgebung der Rechten und einem Katz- und Mausspiel mit den rund 270 Polizeibeamten sorgten die Studenten für gehörigen Auftrieb und für ein ständiges Umplanen seitens der Polizeiführung. Unter dem Motto "Mediziner gegen Rechts" zeigten die Aktiven der medizinischen Fakultät des Universitätsklinikums so Flagge gegen den rechten Aufmarsch. "Wir haben im Internet und in der Zeitung von dieser Nazi-Demo erfahren", erzählte am Rande der Proteste einer der Aktivisten aus der Studentenschaft. "Uns war klar, dass wir das nicht tolerieren können. Wir wohnen hier, wir arbeiten hier. Und in unserer Straße hat braunes Gedankengut nichts zu suchen." Die eigentliche Gegen-Demo, sei "eine relativ ruhige Aktion, eine Steh-Demo. Das sei alles gut. Doch das habe ihnen nicht gereicht. Man wollte einen klaren Widerstand. Über soziale Medien hätte man sich organisiert, "um eine friedliche Blockade zu veranstalten", so der Demonstrant weiter.

Eben diese Blockade zwang die Polizei in eine missliche Lage. Denn da es sich beim Widerstand der Studenten um eine nicht angemeldete Aktion handelte, mussten die Beamten nach dreimaliger Aufforderung Zwang anwenden und die auf der Saarbrücker Straße sitzende Gruppe auflösen. Rund um das Vauban-Carrée kam es dann erneut zu einem Durchgreifen der Beamten. Laut Polizei habe es keine verletzten Personen gegeben.

Wegen der Demonstration entstand in der Innenstadt stellenweise ein Verkehrschaos. Viele Passanten konnten nicht verstehen, wie der Saarpfalz-Kreis als zuständige Genehmigungsbehörde es habe zulassen können, dass an einem so belebten Tag eine solche Demonstration stattfinden durfte.

Die Gegendemonstranten beurteilten den Samstag wie folgt: "Der bunte, kreative und friedliche Protest der Homburger Bürgerinnen und Bürger ist ein großer Erfolg. Wir freuen uns, dass viele unterschiedliche Gruppen gezeigt haben, dass es keinen Platz für Nazis in Homburg gibt", sagte Jan Eric Rippel, Stadtverbandsvorsitzender der Jusos in Homburg. thw