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SG Hassel hat ein Luxusproblem „im Kasten“

Fußball-Bezirksliga Homburg : Hassel hat ein Luxusproblem „im Kasten“

Der Fußball-Bezirksligist verfügt mit Tobias Diemer und Benjamin Lichter über zwei sehr starke Torleute. Beide haben eine bewegte Vita.

Dass die SG Hassel aktuell die Tabelle in der Fußball-Bezirksliga Homburg anführt, hat auch mit den erst sechs Gegentreffern nach sieben Spielen zu tun. Hassels Spielertrainer Jens Albrecht hat ein Luxusproblem, stehen ihm doch mit Tobias Diemer (22) sowie Benjamin Lichter (35) gleich zwei starke Schlussmänner zur Verfügung.

Diemer kam bislang in fünf Meisterschaftsbegegnungen zum Einsatz, während Lichter in zwei Partien ran durfte. „In der letzten Saison war Lichter unsere klare Nummer eins und hielt auch stark. Diemer war in der Winterpause gekommen, aber zuvor zwei Jahre lang durchgehend verletzt. Er musste dann erst einmal schauen, wie sein Knie hält“, berichtet Albrecht. Es sei von Beginn an der Plan gewesen, Diemer „Stück für Stück und in aller Ruhe“ wieder aufzubauen. Das zuvor lädierte Knie habe dabei gut mitgespielt.

Nach der Sommervorbereitung habe sich das Trainergespann für den jüngeren Schlussmann als neue Nummer eins entschieden. „Wir dachten dabei vor allem an die Zukunft der SG Hassel. Gleichzeitig hatten wir aber auch ganz klar gesagt, dass Lichter ebenfalls einige Einsätze bekommt. Er ist wahnsinnig wichtig für die Mannschaft und er engagiert sich auch von außen sehr stark. Beide gehen richtig toll mit ihrer Situation um. Davor können wir als Trainer nur den Hut ziehen. Aber natürlich gehört zur guten Statistik auch die komplette Defensivleistung der Mannschaft dazu. Wir haben sehr starke Mittelblocks als Sechser und in der Innenverteidigung“, betont der Trainer.

Diemer wohnt in St. Ingbert und absolviert derzeit bei der Firma Hager eine Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik. Die fußballerische Laufbahn begann im Alter von fünf Jahren beim FC Viktoria St. Ingbert. Zu Beginn probierte Diemer noch viele Positionen aus, ehe er mit Sieben im Rahmen von Stadtmeisterschaften fest zwischen die Pfosten ging. Und bereits als Achtjähriger wurde er vom 1. FC Saarbrücken entdeckt und verpflichtet. „Ich habe in Saarbrücken erfolgreich in der Regionalliga gespielt und viele neue Freunde kennengelernt. Doch dann hat es mich zurückgezogen und ich wurde von Trainer Pascal Bauer zum SV Rohrbach geholt. Es war alles auch zeitlich sehr anstrengend“, blickt Diemer zurück.

Im Juli 2014 wechselte er von den Regionalliga-B-Junioren des 1. FC Saarbrücken zum A-Jugend-Verbandsligisten SV Rohrbach „in Richtung Heimat zurück“. Nach einer Saison ging es bei den A-Junioren der SV Elversberg in der Regionalliga weiter. Der heute 22-Jährige gehörte zu dieser Zeit zu den talentiertesten Keepern im Saarpfalz-Kreis. Und daher nahm er auch vor seinem ersten Aktivenjahr das Angebot von Bauer an, ihn zum SV Saar 05 Saarbrücken zu begleiten. Bauer wechselte als Trainer der zweiten Mannschaft auf den Kieselhumes. Diemer erhoffte sich in der Oberliga-Elf von Saar 05 Einsatzzeiten und wollte auch von Routinier Marc Birkenbach „einiges lernen“, erlitt aber bereits in der Sommervorbereitung einen Kreuzbandriss.

Es passierte beim Saarbrücker Sparkassen-Cup des SC Großrosseln in allerletzter Minute bei einem Laufduell. Die Befürchtungen sollten sich bei einer genaueren Untersuchung bestätigen: Das Kreuzband war durch und musste in Sulzbach operativ geflickt werden. Für Diemer folgte eine längere Pause. Es sei darum gegangen, überhaupt noch einmal fit zu werden und das Knie wieder belasten zu können. Und als Bauer zur SpVgg. Quierschied weiterzog, ging auch der Schlussmann mit. Diemer wurde aber nicht mehr richtig gesund und litt auch bei seiner nächsten Saarlandliga-Station beim SV Rohrbach weiter unter Schmerzen. Als die SG Hassel auf ihn zukam, merkte der Torhüter schnell, dass man ihm dort noch einmal in einer tieferen Liga die nötige Zeit geben würde, um fit zu werden. „Es ist eine coole Truppe und ich habe wieder viel Spaß am Fußball. Vielleicht gelingt es uns ja, bis zum Saisonende ganz oben mitzuspielen. Allerdings ist die Konkurrenz groß. Bei uns gibt es mit Sicherheit keinen Aufstiegsdruck“, betont der Keeper. Es sei zwar schwer, nochmal an die frühere Form vorm Kreuzbandriss anzuknüpfen, „doch ich befinde mich auf einem guten Weg hin zu den früheren 100 Prozent“.

Der Saarländer versuche, sich als Bayern-München-Fan von Schlussmann Manuel Neuer etwas abzuschauen. Weitere Hobbys seien Fahrradfahren und Freunde treffen. Sein Kontrahent Benjamin Lichter wird in Hassel aufgrund seines zweiten Vornamens Kalymnos nur „Kally“ gerufen. Er wohnt in Saarbrücken und arbeitet in einer Druckerei in Ensheim. Seine Fußballkarriere nahm im Alter von sechs Jahren beim ASC Dudweiler ihren Anfang. Bedingt durch einen Umzug nach St. Ingbert ging es in der C- und B-Jugend für den SV Rohrbach weiter. Ein weiterer Umzug führte bei den A-Junioren zur Rückkehr nach Dudweiler. Dort spielte Lichter im Aktivenbereich weiter. Es schlossen sich die Stationen TuS Jägersfreude, wiederum ASC Dudweiler, SV Saar 05 Saarbrücken und SV Gersweiler an, wo der Keeper auch erstmals mit Albrecht zusammenarbeitete. Anschließend trug der Schlussmann abermals zwei Jahre lang das Trikot seines Heimatvereins ASC Dudweiler, ehe ihn erneut eine Anfrage des SV Gersweiler erreichte. Dort war zunächst Ralf König sein Trainer, ehe auf ihn erneut Albrecht folgte. Und als schließlich im Juni 2019 der Wechsel zur SG Hassel erfolgte, gab es die mittlerweile bereits dritte Zusammenarbeit mit Albrecht. Lichter hat bereits etliche Aufstiege gefeiert, jeweils drei gab es mit Saar 05 Saarbrücken und Gersweiler – dazu noch einen mit Dudweiler. „Und wer weiß? Vielleicht gelingt mir ja noch mit der SG Hassel der achte Aufstieg. Wir wollen weiterhin eine gute Rolle spielen. Dann schauen wir weiter, was genau für uns drin ist“, meint er.

Lichter half zwar auch bereits einige Male im Feld aus, steht aber schon seit der F-Jugend fest im Tor. Auch er musste neben anderen Verletzungen bereits einen Kreuzbandriss auskurieren. Und Lichter betreibt auch ein interessantes Hobby: Headis. Es ist eine Mischung aus Tischtennis und dem Kopfball des Fußballs. Gespielt wird an einem herkömmlichen Tischtennistisch, wobei der Ball aber nur mit dem Kopf berührt werden darf. Auch er drückt dem FC Bayern München die Daumen, wobei er aktuell von Neuer und früher auch von Oliver Kahn versucht habe, „sich gewisse Dinge abzuschauen“. Und was war sein bisheriger Karrierehöhepunkt? „Da muss ich nicht lange überlegen. 2014 waren wir mit Gersweiler gegen Saar 05 Saarbrücken II im Entscheidungsspiel aufgestiegen“, sagt der Torhüter.

Genauer gesagt war es Mittwoch, 28. Mai. Auf dem Kunstrasenplatz in Ensheim ging es vor vielen Zuschauern um die Wurst. Am Ende setzte sich der SV Gersweiler mit 8:7 nach Elfmeterschießen durch. Beide Vereine hatten zuvor in der Bezirksliga Saarbrücken jeweils 77 Punkte geholt. Und im Entscheidungsspiel stand Lichter zwischen den Pfosten und hielt ausgerechnet „gegen einen meiner besten Kumpel“ den alles entscheidenden Elfmeter.

Tobias Diemer. Foto: Stefan Holzhauser
Benjamin Lichter. Foto: Stefan Holzhauser

www.sg-hassel.de